Wie viele Steine will man uns und dem Patienten und Patientinnen noch in den Weg legen. Erst eine teure Ausbildung in der man kaum etwas verdient, dann Praxiskredite, horrende Kosten für Krankenkasse, Miete, Abrechnungssystem, IT und Versicherungen aller Art. Alles wird immer teurer. Die Pat. warten nicht Monate sondern manchmal sogar Jahre. Ich könnte ein Buch voll schreiben mit den Anfragen alleine für eine Traumatherapie in meiner Praxis. Es ist einfach so menschenfeindlich auf allen Ebenen. Alle müssten mal 2 Wochen streiken, auch alle Psychotherapeuten und PIAs in den Kliniken, wirklich alle. Dann gäbe es wahrscheinlich eine Bewegung..Ansonsten denken die, die können mit uns machen was sie wollen.
Menschliche Kapazität erschöpft sich und kann nicht beliebig vermehrt werden. Wir Psychotherapeuten müssen das noch mehr als andere beachten, um im täglichen Umgang mit menschlichen Schicksalen, hilfreich zu bleiben. Wir können nicht einfach mehr Geld verdienen, in dem wir einfach und ständig mehr Patienten behandeln. Dem ist eine natürliche emotionale Belastungsgrenze gesetzt und muss Rechnung getragen werden. Unser Investment in die Gesellschaft, das maßgeblich zur Gesundung und Gesunderhaltung beiträgt und die Kassen füllt, wurde durch den Bewertungsausschuss, insbesondere dem Sp.v. der GKV, erneut entwertet und ad absurdum geführt.
Ich bin Kinder / Jugendpsychotherapeutin. Wir sehen sehr viel Not. Es gibt immer weniger Therapeuten, die K/J Therapie anbieten. In Corona hieß es, die Kinder/ Familien werden nicht zurück gelassen. Das Gegenteil ist der Fall. Kinder brauchen Hilfe in ihrer Not
Es ist wirklich unfassbar. Der Verband, der die Interessensvertretung der gesetzlich Versicherten sein soll, beschließt nach Jahren der Inflation und der Krisen, die Psychotherapeut:innen mit gemanaged haben, nicht nur eben diese Berufsgruppe, die ohnehin schon seit jeher das Schlusslicht unter den Facharztgruppen hinsichtlich der Vergütung ist, vor den Kopf zu stoßen, sondern sogar die eigenen Versicherten unter den Bus zu schmeißen. Denn: Während Psychotherapeut:innen lange die einzige Facharztgruppe waren, die für gesetzlich und privat Versicherte ÄHNLICH gut vergütet wurden, ist das jetzt VORBEI.
Wenn Psychotherapeut:innen sich nun vor dem finanziellen Kollaps retten wollen, geht das aus wirtschaftlicher Sicht nur, indem Therapieplätze an privat Versicherte vergeben werden - mit der Konsequenz, dass gesetzlich Versicherte in Zukunft noch länger warten werden als ohnehin schon. Als Psychotherapeut mit Kassenzulassung, der seinen Versorgungsauftrag sehr ernst nimmt, habe ich das Vertrauen in die gesetzlichen Krankenkassen nun nachhaltig verloren, und wäre ich gesetzlich versichert, würde ich mir als Patient ähnliche Gedanken machen. Ob das wiedergutzumachen ist?
In meiner Arbeit als Psychologischer Psychotherapeut verzichte ich bislang darauf, ausschließlich Kurzzeittherapien oder Gruppentherapien anzubieten, obwohl mir das deutlich mehr Geld bringen würde.
Wenn die Indikation besteht (z.B. bei schweren Traumatisierungen oder Persönlichkeitsstörungen) führe ich die weniger lukrativen, im Einzelfall aber unumgänglichen Langzeittherapien durch.
Außerdem erbringe ich nebenbei noch viele unvergütete Leistungen: Ein paar Minuten länger sprechen, wenn es gerade wichtig ist, persönliche Erreichbarkeit in der telefonischen Sprechstunde, ein stützendes Telefonat zwischenrein.
Nicht zu reden von den Kosten für Fortbildungen (die über die Fortbildungsverpflichtung hinausgehen) und der Zeit für die regelmäßigen, unbezahlten Fallbesprechungen im Kollegenkreis zu Gunsten der Behandlungsqualität.
Die Vorstellung, eine psychotherapeutische Praxis auf Gewinn zu optimieren fühlt sich recht bitter an. Bei einer Umsetzung der geplanten Kürzungen frage ich mich allerdings ernsthaft, wie viel freiwilliges Engagement ich mir noch leisten kann.
Wir haben die längste, teuerste Ausbildung. Wir sind die schlechtbezahlteste Ärztegruppe. Wir machen einen so intensiven Job, dass ihn kaum einer 40 Stunden die Woche runtereißen kann. Nun müssen wir als einzige Berufsgruppe innerhalb von Jahrzehnten in der BRD nominal Kürzungen hinnehmen und das in angespannten Zeiten. Was noch?
Über 3 Jahrzehnte betreue ich für den größten Gesundheitskonzern die Krankenhäuser auch in unserer Region. Dabei habe ich Einblicke in die Strukturen der Krankenhauslandschaft erhalten und nicht nur in Buchen und Mosbach hochmotiviert MitarbeiterInnen kennen und schätzen gelernt.
Es gibt für die Standorte Buchen und Mosbach keine Versorgungsalternativen in einer erreichbaren Nähe. Fahrzeiten nach Würzburg, Bad Mergentheim, Heilbronn, Heidelberg sind mit unter tätlich für kritisch Kranke und akute Patienten und mit einer Fahrzeit von über einer Stunde nicht zumutbar. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit unter eine Tagesreise.
Zudem ist der Rettungsdienst jetzt schon wegen Mitarbeitermangel und Fahrzeug-Knappheit zweitweise überlastet. Kommen Fahrten durch RTW und KTW in weit entlegene Kliniken hinzu, sind diese mit nur einem Patienten über Stunden gebunden. Für akute Notfälle stehen keine Hilfen zur Verfügung.
Luftgebundene Rettung durch RTH sind bei Nebel und Schlechtwetter im Odenwald ein weiteres Problem mit fehlender Verfügbarkeit. Mitunter kommt der RTH aus Freiburg zu uns. Und der zugesagte RTH für Osterburken ist seit Jahren in Planung, anstatt ihn vorübergehend nach Lohrbach auf den Flugplatz zu stellen, wo die ganze Infrastruktur vorhanden ist.
Dazu kommen die jetzt schon überlasteten Krankenhäuser in der Umgebung. Notaufnahmen haben keine zusätzlichen Kapazitäten. Sinsheim ist meistens für Patienten abgemeldet! Caritas Klinik Bad Mergentheim steht vor der Insolvenz? Gehört zur Barmherzigen Brüder Trier Klinikgruppe (BBT) und wir erleben gerade in Mannheim, was mit dem Theresien Krankenhaus passiert ist.
Und im benachbarten Rhein Neckar Kreis mit seinen 4 GRN Kliniken steht es politisch nicht besser. Auch dort sind politische und strategische Fehlentscheidungen zu diskutieren. Nur als Beispiel genannt, die modernste Urologie in Nordbaden am Standort Eberbach ist abgewertet worden. (ein negatives Thema für sich)
Und in Heidelberg ist das Vinzentius Krankenhaus als hochmoderne Fachklinik Onkologie geschlossen, das dazu gehörende Salem Krankenhaus mit Spitzenmedizin innerhalb einem Jahr zweimal insolvent. Und dessen Zukunft in Frage gestellt ist.
Persönlich bin ich der Meinung, dass die Bürger nicht annähernd begriffen haben, dass es für die Krankenhauslandschaft schon lange nach zwölf ist! Politisch wird es außer warme Worte keine Hilfe mehr geben.
Militärische und zivile Zusammenarbeit ist hier im Odenwald gerade ein aktuelles Thema. Die Bundeswehr baut stillgelegt Standorte aus und nimmt sie in Betrieb. Kriegsvorbereitungen laufen nicht für die Zivilisten. In Fachvorträgen ist zu erfahren, dass man im Krisenfall von täglich 1000 Verletzten ausgeht. Wo bitte sollen die Soldaten versorgt werden, wenn wir flächendeckend die Kliniken schließen?
Verantwortliche Politiker fragen nur in Diskussionsrunden „wer soll das bezahlen?“
Auch wir im Odenwald zahlen unsere Steuern und Krankenkassengebühren. Nicht mit Spielgeld, sondern in Euro. Somit haben wir hier auch Anrecht auf eine ortsnahe Gesundheitsversorgung in Formen der NOK Krankenhäuser.
Wenn sich eines der reichsten deutschen Bundesländer einen unterirdischen Bahnhof Stuttgart 21 leisten kann, ein neues Landestheater in Milliardenhöhe in Stuttgart plant, muss Budget für Gesundheitsversorgung möglich sein.
Eine flächendeckende Abdeckung durch Krankenhäuser ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheits-Fürsorge eines Landes! Hier muss es endlich aufhören, ein Krankenhaus nur unter dem Aspekt der Kostendeckung zu bewerten. Die Gesundheits-Fürsorge ist eigentlich ein Grundrecht für die Bürger.
Und dafür darf der Staat gerne auch seine eingenommen en Steuern verwenden.