Petition updateWort halten!Eine Verständigung über die Kanzel ist möglich
Bürgerinitiativkreis "Wort halten"
28 Dec 2021

Der Bürgerinitiativkreis „WORT HALTEN!“ setzt seine im Mai 2020 begonnene Serie prominenter Wortmeldungen von Menschen fort, die sich dafür engagieren, dass die Universität Leipzig Wort hält mit Blick auf die noch nicht eingelöste Zusage aus dem Jahr 2008 zur Rückkehr der geschichtsträchtigen Barockkanzel der Universitätskirche.

Wir sind dem Mitglied des Landtages und Sächsischen Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler dankbar, dass er sich in einem Statement zum Jahreswechsel dem Anliegen der Onlinepetition „WORT HALTEN“ anschließt. Ohne Dr. Matthias Rößler würde es den einzigartigen, imposanten Raum von Aula und Kirche in der durch den Architekten Erick van Egeraat realisierten Gestalt nicht geben. Sein Engagement in der Rolle als Sächsischer Wissenschaftsminister vor rund 20 Jahren bleibt unvergessen! Dem Bürgerinitiativkreis „WORT HALTEN“ bedeutet es sehr viel, dass sich Dr. Matthias Rößler aktuell nochmals sehr klar zum noch unvollendeten Teil des Neubaus am Leipziger Augustusplatz äußert.

Der Bürgerinitiativkreis schaut mit Ausdauer auf den Tag, an dem eine geschichtsbewusste Leitung der Universität Leipzig die Vollendung der unvollendeten Kirche und Aula mit Stolz noch in Angriff nehmen wird. Gemeinsam mit Dr. Matthias Rößler sehen wir die Rückkehr der Kanzel als „Symbol des Glaubens und demokratischen Neuanfangs“, für das wir uns beharrlich weiter einsetzen. Was die SED dauerhaft vom Leipziger Augustusplatz verbannen wollte, wird nicht dauerhaft verbannt bleiben!

 

Eine Verständigung über die Kanzel ist möglich!

Im Jahr 2002 wurde ich Staatsminister für Wissenschaft und Kunst und habe, anders als mein Amtsvorgänger, den Wiederaufbau der Universitätskirche in Leipzig unterstützt. Die vom neuen Ministerpräsidenten Georg Milbradt geführte sächsische Staatsregierung hat daraufhin den Wiederaufbau beschlossen und gegen massiven Widerstand durchgesetzt.

Ich war überzeugt, dass die Sprengung der Paulinerkirche im Jahre 1968 ein verbrecherischer Akt der DDR gegen unser kulturelles Erbe und die Geschichte war. Es war auch ein Angriff auf die Religionsfreiheit.

Als ich mich im Herbst 1989 an der friedlichen Revolution beteiligte, ging es mir darum, die SED-Diktatur zu beenden und einen freiheitlich-demokratischen Staat aufzubauen. Dazu gehörte von Anfang an der Wille, begangenes Unrecht aufzuarbeiten. Die zweite totalitäre Diktatur auf deutschem Boden und ihre Taten sollten nicht das letzte Wort gesprochen haben.

Der Wiederaufbau der Universitätskirche in Leipzig machte dieses Versprechen der jungen Demokratie in Sachsen wahr. Sie steht heute, gekleidet in ein neues, modernes Gewand, wieder an ihrem angestammten Platz. Das Gebäude bereichert sowohl den Universitätscampus als auch das Leipziger Stadtzentrum. Im Äußeren wie im Inneren verkörpert es das steingewordene Grundrecht auf Religionsfreiheit. Ihr prominenter Standort am Augustusplatz weist darauf hin, dass der Staat religiöses Leben nicht nur toleriert, sondern es auch fördert. Dabei verhält er sich selbst religiös neutral. Religion muss, das ist meine Überzeugung, in unserem Land sichtbar sein. Sie soll – im Sinne der Ringparabel Lessings – die Chance haben, ihr gesellschaftliches Potenzial zu beweisen. Damit meine ich auch die christlich-humanistischen Wurzeln unserer Kultur.

Für mich besteht kein Zweifel, dass die historische Kanzel in den Innenraum der Universitätskirche gehört. Die Kanzel ist der Zentralort der religiösen Verkündigung. Gepredigt wird in evangelischer Tradition das freie Wort. Darunter verstehe ich die Botschaft des Evangeliums, der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und damit seiner unveräußerlichen Würde. Kann diese befreiende und lebensbejahende Botschaft von einem anderen Ort ähnlich glaubwürdig erklingen wie von der historischen Kanzel? Ich kann es mir nicht vorstellen! Wer auf der Kanzel steht, wendet sich der Welt, also den Menschen zu. Der Blick ist vom Altar weg in den Raum hinein gerichtet.

Die Reformation veränderte unsere Sicht auf die Welt, führte Bildung und Wissenschaft in ein Zeitalter des tiefgreifenden humanistischen Aufbruchs. Indem Martin Luther am 12. August 1545 in St. Pauli predigte, wurde aus der ehemaligen Klosterkirche eine evangelische Universitätskirche, die erste ihrer Art in Deutschland, ein Lernort gleichermaßen für Kirche und Gesellschaft.

Es entspricht einem zeitgemäßen Denken, dass Religion in „ein produktives Verhältnis zur Wissenschaft tritt“. So drückt es der Philosoph Jürgen Habermas aus. In seiner postsäkularen Leseart erscheint mir die Aufstellung der Kanzel daher als ein Angebot, die Welt von morgen ganzheitlich zu erfassen und zu deuten.

Eine Verständigung über die Kanzel ist möglich. Im sogenannten Harms-Kompromiss aus dem Jahre 2008 heißt es, dass die historischen Gegenstände der Paulinerkirche, soweit möglich, wieder aufgestellt werden. Ich hoffe sehr, dass dieses Versprechen gehalten wird. Die Kanzel sollte als Symbol des Glaubens und des demokratischen Neuanfangs wieder öffentlich sichtbar werden.

Dr. Matthias Rößler, Dezember 2021

 

Bisher erschienene Statements im Rahmen der Onlinepetition „WORT HALTEN!“:
Plädoyer des Bundestagspräsidenten a.D. Wolfgang Thierse (01.10.2021)
Plädoyer des Diplom-Restaurators Jochen Flade (27.05.2021)
Plädoyer des Ehrendirigenten des Gewandhausorchesters, Professor Herbert Blomstedt (16.02.2021)
Plädoyer des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Paulinervereins, Dr. Ulrich Stötzner (29.12.2020)
Plädoyer des Studentischen Vertreters im Senat der Universität Leipzig, Benedikt Bierbaum (13.11.2020)
Plädoyer des Thomaskantors a.D. Professor Gotthold Schwarz (05.09.2020)
Plädoyer des Kabarettisten und Autors Bernd-Lutz Lange (26.06.2020)

 

ÜBER UNS:

„WORT HALTEN!“ hat sich im Herbst 2019 in Unterstützung des Offenen Briefes des damaligen Ersten Universitätspredigers Professor Dr. Peter Zimmerling an das Rektorat der Universität Leipzig als Bürgerinitiativkreis gegründet. Jeder kann sich der Initiative mit Unterstützung unserer Petition anschließen.

„WORT HALTEN!“ tritt auf Dauer dafür beharrlich ein,
* dass "Wort halten" gilt! Konkret: Die Regelungen des sog. Harms-Kompromisses, zu denen sich die Universitätsleitung im Dezember 2008 schriftlich verpflichtet hatte, sind in Hinblick auf die gerettete Kanzel der Universitätskirche umzusetzen,
* dass anerkannte Experten für Raumklima & Denkmalschutz im Einvernehmen zwischen Staatsregierung und Universität beauftragt werden, eine wissenschaftlichen Standards genügende Expertise zur Machbarkeit der Kanzelaufstellung anzufertigen,
* dass das bisherige Klimamonitoring jetzt unter probeweiser Anbringung (von Teilen) der im Mai 1968 geretteten historischen Barockkanzel der Universitätskirche St. Pauli weiterqualifiziert wird,
* dass im Sinne der Forderungen des ehemaligen Universitätspredigers Zimmerling in seinem Offenen Brief vom September 2019 amicable Lösungen unter Einbeziehung der hierzu gemäß Staatskirchenvertrag verpflichteten sächsischen Staatsregierung gefunden werden,
* dass der Freistaat Sachsen alle erforderlichen Maßnahmen auch gegenüber einer künftigen Universitätsleitung anbietet, um ein Mindestklima zu gewährleisten, das notwendig erscheint, um sowohl die Orgeln als auch die Ausstattungsstücke in dem als Universitätskirche und Aula genutzten Gesamtraum nachhaltig zu schützen!

 

Mit freundlichen Grüßen


Christine Clauß             Jost Brüggenwirth
Bürgerinitiativkreis "WORT HALTEN!"
Burgstr. 1-5
04109 Leipzig
wort-halten@mailbox.org

 

in Vertretung der Mitunterzeichner der Onlinepetition des Bürgerinitiativkreises "WORT HALTEN!" (Stand Dezember 2021):
Karsten Albrecht, Stadtrat der Stadt Leipzig
Prof. Dr. Jörg Baberowski
Steffen Berlich
Stephan Bickardt, Direktor der Evangelischen Akademie Meißen
Prof. Georg Christoph Biller, Thomaskantor a.D., ehem. Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Benedikt Bierbaum, Senator der Universität Leipzig, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. Herbert Blomstedt, Gewandhauskapellmeister a.D.
Gunter und Dr. Reinhild Böhnke
Jochen Bohl, Bischof i.R.
Heidi Bohley
Prof. Dr. Peter Borneleit
Georg-Ludwig von Breitenbuch, MdL, stellv. Vorsitzender der CDU Fraktion im sächsischen Landtag
Dr.-Ing. E.h. Eberhard Burger, Baudirektor i.R. und Sprecher der Geschäftsführung i.R. der Stiftung Frauenkirche Dresden
Prof. Dr. Alexander Deeg, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Dr. Michael Diener, Mitglied im Rat der EKD
Prof. Dr. Rainer Eckert, Direktor bei Zeitgeschichtliches Forum Leipzig i.R.
Prof. Dr. med. Frank Emmrich, Leiter a.D. des Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie
Dr. Thomas Feist, ehem. MdB, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Stadt Leipzig
Jochen Flade, Dipl.-Restaurator
Sebastian Führer, Pfarrer an der Nathanaelkirche zu Leipzig
Hans Geisler, Staatsminister a.D.
Sebastian Gemkow, MdL
Gregor Giele, Propst der Kath. Propstei St. Trinitatis Leipzig
Dr. Georg Girardet, Bürgermeister und Beigeordneter für Kultur in Leipzig i.R.
Prof. Eberhard Görner
Dr. Roman Götze, Rechtsanwalt
Dr. Horst Gorski, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland
Dr. Matthias Gretzschel
RA Wolfram Günther, MdL
Prof. Ludwig Güttler, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Monika Harms, Generalbundesanwältin a.D.
Helga Hassenrück, Vorstandsmitglied des Paulinervereins e.V.
Christine Haufe, Honorarkonsulin a.D.
Dr. Michael Heckmann
Dr. Martin Helmstedt, Kurator Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Martin Henker, Superintendent des Kirchenbezirks Leipzig i.R.
Prof. Dr. Jens Herzer, Vorstand der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Tobias Hollitzer, Vorstand Bürgerkomitee Leipzig e.V.
Martin Hundertmark, Pfarrer an der Thomaskirche zu Leipzig
Dr. Christian Jonas, stellv. Vorstandsvorsitzender des Paulinervereins e.V.
Prof. Dr. Eberhard Keller
Dr. Johannes Kimme, Präsident a.D. des Landeskirchenamtes der Ev.-Luth.Landeskirche Sachsen
Dr. Joachim Klose
Dr. Klaus Knödel, Kurator Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. Michael Korn
Prof. Dr. Peter Krumbiegel und Cornelia Krumbiegel
Frank Kupfer, Staatsminister a.D.
Nikolaus Krause, Pfarrer
Dr. Theo Lehmann, Pfarrer
Johannes Lehnert, Pfarrer
Bernd-Lutz Lange, Autor und Kabarettist
Prof. Dr. Rüdiger Lux, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. Heinrich Magirius, Landeskonservator a.D. †
Rainer Manertz, Sprecher Verbund Zerstörter Kirchen (VZK)
Prof. Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfestes
Prof. Kurt Ulrich Mayer, Rechtsanwalt
Dr. Robert Moore, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Gerd Mucke, stellv. Vorstandsvorsitzender des Paulinervereins e.V.
Jochen Müller-Berndorff, Notar i.R.
Günter Neubert, ehem. Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Mareth Oldiges
Prof. Siegfried Pank, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Birgit und Michael Pommer, Pommer Spezialbetonbau GmbH
Ulrike Poppe, Bürgerrechtlerin
Silke Rahn, Vorstandsmitglied des Paulinervereins e.V.
Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann
RCDS Landesverband Sachsen
Thorsten Reich, Vorstandsmitglied des Paulinervereins e.V.
Wilfried Richard, Vorstandsvorsitzender des Paulinervereins e.V.
Dr. Matthias Rößler
Claus-Uwe Rothkegel, Rothkegel Baufachhandel, stellv. CDU-Fraktionsvorsitzender Stadtrat Leipzig
Dr. Peter Roy, Vorstandsvorsitzender Thomanerbund e.V.
Prof. Dr. Uwe Schirmer, Dechant und Domherr des Domkapitels Meißen
Willhelm Schlemmer, Oberkirchenrat i.R.
Friedrich Schorlemmer, Pfarrer a.D. Schlosskirche Lutherstadt Wittenberg
Prof. Arnd Schultheiß, Maler und Grafiker
Prof. Ingrid Schultheiß
Werner Schulz, ehem. MdEP
Gotthold Schwarz, Thomaskantor a.D., Kurator Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. Matthias Schwarz, Vorstandsvorsitzender Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. med. habil. Christian Schwokowski
Bernhard Stief, Pfarrer St. Nikolaikirche zu Leipzig
Dr. Ulrich Stötzner, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Prof. Dr. Jürgen Stückrad
Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche zu Leipzig
Dr. Wolfgang Thierse, ehem. MdB, Bundestagspräsident a.D.
Gabriele Tiefensee
Prof. David Timm, Universitätsmusikdirektor, Kurator der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Heinrich Timmerevers, Bischof Bistum Dresden Meissen
Katharina Turre
Dr. Jürgen Ulrich
Prof. Ulrich Urban und Elke Urban, Kuratorin der Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Arnold Vaatz, ehem. MdB
Eckart von Vietinghoff, Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland
Prof. Martin Christian Vogel, Hochschule f. Musik Detmold, Vorstand Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung
Dr. Natalie K. Watson
Dr. Annette Weidhas, stellv. Vorstandsvorsitzende Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“
Gunter Weißgerber, ehem. MdB
Karin Wieckhorst, Fotografin
Roger Wolf, Kurator Stiftung "Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig"
Prof. Dr. Peter Zimmerling, Universitätsprediger a.D., Kurator Stiftung "Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig"
Prof. Dr. Hans Dieter Zimmermann 

und über 2100 Personen, die sich bis dato schon der Change.org Petition „Wort halten“ angeschlossen haben.
https://www.change.org/p/rektorat-der-universität-leipzig-wort-halten
 

weiterführende Dokumentationen:
Offener Brief des Universitätspredigers im Original vom 29.09.2019
Schreiben des Bürgerinitiativkreises an die Universitätsleitung und Senatoren vom 10.09.2019
Auszug aus rechtswissenschaftlicher Abhandlung Goerlich/Schmidt zum Amt des Universitätspredigers

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X