
Liebe Unterstützer:innen,
in den letzten Wochen und Monaten war es ruhig um die fossilen Terminalpläne in Deutschland. Trotz großer Ankündigungen hat es in Stade bisher keinen Start der verbindlichen Open Season gegeben, und auch der Start des Planfeststellungsverfahrens in Brunsbüttel lässt weiter auf sich warten – die Pläne verzögern sich erfreulicherweise weiter. Ebenfalls erfreuliche Nachrichten kommen aus Rostock, denn dort wurde nun ein geplantes, kleineres Terminal für die Versorgung von Schiffen und LKW mit LNG abgesagt. Ein weiteres Zeichen dafür, dass für den fossilen Energieträger kein Platz in der Energiewende ist! Doch auch die Industrie spinnt weiter am Märchen eines Beitrags ihrer Terminals zu den Klimaschutzzielen. Wir waren unterdessen nicht untätig und haben nun auch eine Broschüre für den Standort Stade veröffentlicht.
Die Spannung steigt. Seit German LNG als Vorhabenträgerin in Brunsbüttel Ende Juni die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren bei der zuständigen Behörde eingereicht hat warten wir auf Neuigkeiten des Amtes in Kiel. Aufgabe der Behörde ist es, die eingereichten Unterlagen umfassend zu prüfen, bevor diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Erst dann beginnt der Beteiligungsprozess, in dem Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden können – und den wir nutzen werden, um die Punkte unseres Rechtsgutachtens ausführlich vorzutragen. Das Gute: Auch ihr könnt Einwendungen einreichen – und wir geben euch dafür alles nötige an die Hand. Wir halten euch hier natürlich wie angekündigt auf dem Laufenden und sagen Bescheid, wenn es losgeht!
Auch in Stade verzögern sich die Pläne weiter. Nachdem die Betreibergesellschaft Hanseatic Energy Hub (HEH) ihre unverbindliche Phase der Open Season im Frühjahr verspätet abgeschlossen hatte, sollte die verbindliche eigentlich sogleich noch im zweiten Quartal folgen. Geschehen ist aber nichts. Das macht uns zuversichtlich, denn mit jedem Monat, der verstreicht, sinken die Chancen, das Projekt noch an den Start zu bringen. Dass HEH nach aktuellem Zeitplan 2026 ein neues Mega-Terminal für fossiles LNG in Deutschland eröffnen kann ist auch angesichts der immer häufigeren, dramatischen Klimakatastrophen hierzulande mehr als unsicher. Was wir für Brunsbüttel schon vorliegen hatten haben wir unterdessen nun auch für Stade - in einer Broschüre haben wir die Hintergründe und alle wichtigen Infos zum Projekt zusammengefasst.
Neues gibt es hingegen aus Rostock, wo nun eingetreten ist, was wir in Brunsbüttel und Stade noch erreichen wollen. Ursprünglich war dort geplant, ein kleineres LNG-Terminal zu errichten, das nicht in das bestehende Gasnetz einspeist, sondern als Tanklager für Schiffe und LKW dienen sollte. Nun haben die Investoren Fluxys und Novatek ihr Vorhaben abgesagt, da das Marktumfeld aktuell zu herausfordernd sei. Man könnte auch sagen: Es lohnt sich wohl immer weniger, unser Klima auf Kosten zukünftiger Generationen zu zerstören. Ein gutes Zeichen, denn auch für die Schifffahrt ist LNG keine Lösung.
Auch, wenn es also Gutes zu berichten gibt und die Projekte in Stade und Brunsbüttel augenscheinlich stillstehen, ganz untätig waren die Vorhabenträger nicht. Auch angesichts der immer schlechteren Aussichten für neue fossile Projekte in Deutschland springen sie derzeit verstärkt auf den Wasserstoff-Hype auf und wollen ihre Projekte als Beitrag zur Energiewende verkaufen. Dafür sollen laut einer Studie für Brunsbüttel zukünftig einfach „grüne Gase“, z. B. in Form von Wasserstoff, importiert werden. Wann und wie genau das passieren soll, bleibt allerdings unklar. Unterdessen empfiehlt eine weitere Studie aus Niedersachsen aber gerade keine spätere Umstellung von LNG-Terminals auf z. B. Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol anzustreben, unter anderem, weil dafür größere Umbauten und damit Kosten vonnöten seien. Stattdessen würde es sich beispielsweise mehr lohnen, einfach weiter LNG zu importieren, aber das anfallende CO2 einzufangen oder zu nutzen, z. B. mittels Carbon Capture and Storage.
Die Strategie dahinter ist klar: Teure, unwahrscheinliche und schwerlich wirklich „klimaneutrale“ Optionen für eine zukünftige Nutzung werden ins Feld geführt, um den Bau von fossilen Projekten im Hier und Heute trotz einer sich verschlimmernden Klimakatastrophe noch irgendwie rechtfertigen zu können. Von diesen fossilen Märchen lassen wir uns aber nicht täuschen, denn auch unser Klima lässt sich nicht von Scheinlösungen beeindrucken. Wir machen also weiter und wissen: Wir können auch in Zukunft auf eure Unterstützung zählen.
Lili, Gustav und
Constantin von der Deutschen Umwelthilfe