Petition update#Selbstbestimmung2022 – TSG abschaffenGeht so ein Leitmedium mit Kritik um? DIE ZEIT wiegelt ab und macht lieber Werbung
Emma KohlerBerlin, Germany
26 Feb 2022

Ihr Lieben,

ich bin empört wie der Leserservice der ZEIT nicht auf eure Kritik eingeht. Ihr erinnert euch, ich hatte euch ja via Neuigkeit vor ein paar Tagen gebeten der ZEIT zu schreiben. Ich bin mega dankbar, dass einige von euch das auch gemacht haben. Ich danke euch. Sehr enttäuscht bin ich aber davon, wie die ZEIT mit euer Kritik umgegangen ist. Eins kanns kaum glauben, aber der Leser*innen-Service scheint eher Marketing Agentur von Alice Schwarzer zu sein. Wie hier auf Twitter veröffentlicht schrieb eine Mitarbeiterin der ZEIT einfach:

“... haben Sie besten Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu dem Vorabdruck von Alice Schwarzers Text, der lediglich ein Auszug aus ihrem Beitrag in dem gemeinsam mit Chantal Louis herausgegeben Buch “Transsexualität” ist, das am 30. März bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird. Ihre Kritik habe Alice Schwarzer zukommen lassen. Freundliche Grüße…”

Im Ernst? Die Kritik wurde nicht einmal an die Redaktion weitergeleitet, geschweige denn veröffentlicht… Ich bin schwer enttäuscht! Dabei richtete sich die Kritik explizit an DIE ZEIT. Damit die Kritik nicht ungehört bleibt, und in der Hoffnung, dass auch einige Journalist*innen zu den Unterzeichner*innen dieser Petition zählen, veröffentliche ich hier exemplarisch eure Kritik (leider kann ich wegen der begrenzter Zeichenzahl nicht alle E-Mails veröffentlichen, aber eine Auswahl. Selbstverständlich wurden die Autor*innen um Einverständnis gefragt):

Das schrieb zB Henri Maximilian Jakobs an DIE ZEIT:  

Sehr geehrte Zeit Online Reaktion,

ich verbringe viele Stunden am Tag damit, mich über die Welt zu wundern. Ich finde es naheliegend. Bedauerlicherweise haben auch Sie mit einem ihrer Artikel dazu beigetragen. Gestern haben Sie einen Beitrag von Alice Schwarzer veröffentlicht. Dem welken Treibholz eines Feminismus aus den 70ern. Das alles ohne Einordnung, ohne Kommentar, ohne jegliche Zügel. Alice Schwarzer darf in diesem Beitrag, offensichtlich eher emotional als mit Ahnung und Expertise, darüber schwadronieren, warum trans Menschen in ihren Augen den Untergang der Welt herbeiführen werden. Sie hätte sich viel Arbeit sparen und einfach schreiben können: Ich finde trans Menschen scheiße, weil ich sie scheiße finde. Stattdessen erbricht sie sich seitenlang mittels irgendwelcher Fetisch-Phantasiegebilde. Ich bin großer Fan der Meinungsfreiheit. Wenn aber eine große deutsche Tageszeitung einer Person, die nicht im Ansatz vom Thema betroffen ist, die nur hetzt, die keinen konstruktiven Beitrag zur Debatte leisten will, ohne Einordnung eine Plattform geben, dann ist das schlicht falsch und brandgefährlich.

Lassen Sie mich raten: Die Sehnsucht nach Klicks, nach Reichweite, nach ein bisschen Kohle durch die Verbreitung populistischer Aussagen. Wie einfach. Wie fatal. Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, was sie mit derlei Schnodder-Journalismus anrichten? Statt Menschen zu Wort kommen zu lassen, die Aufklärungsarbeit leisten, um ihren Leser:innen ein realistisches Bild von trans Menschen zu vermitteln, wählen Sie die fleischgewordene Vergangenheit Alice Schwarzer.

Was denken Sie, warum die Gewalt gegen trans Personen zunimmt? Warum uns so viel Hass entgegenschlägt? Warum einige von uns den Tod wählen statt in einer Welt, wie der, die von ihnen miterschaffen wird, zu leben? Hätten Sie sich auch nur den Bruchteil einer Sekunde darüber Gedanken gemacht, statt mit feuchten Händen begeistert Öl ins Feuer zu schütten, wäre Ihre Entscheidung möglicherweise eine andere gewesen.

Aber was weiß ich schon? Ich bin nur einer dieser verrückten trans Männer, die Alice Schwarzer so anstrengen und auf irgendwelchen Klos rumlnungern, weil es so wahnsinnig trendy und spaßig ist, nicht wahr? Personifiziertes magisches Denken. Ein lustiges Fabelwesen, über das man sich erheben und spotten kann. Das kriminalisiert und mit Verbrechern in einen Topf geworfen werden kann. Krise und Bedrohung in einem. Klar.

Wie so viele andere, hätte ich gerne einfach meine Ruhe. Ich würde irrsinnig gerne den ganzen Tag lang Brot backen ohne jemanden zu behelligen oder selbst behelligt zu werden. Dank Medien wie Ihnen bleibt das eine Utopie. Danke für nichts. Einfach. Menschen.

Mit Gruß,

Henri Maximilian Jakobs

Das schrieb Eva-Maria:

… wie viele Personen, die sich zum LGBTQ+ Spektrum zählen, nebst deren Angehörigen und Freunden, bin auch ich bestürzt darüber, auf welch unterirdischen Niveau Ihre ansonsten so renommierte Zeitung mit dem trabsfeindlichen Artikel gegen die Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer gesunken ist. Angesichts der globalen Lage, in der seit mindestens 2 Jahren klar erkennbar ist, wie wichtig die Auswahl von Autor*innen gerade bei einem gesellschaftlich und politisch so brisanten Thema wie die Frage der Selbstbestimmung von Transpersonen in unserem Land ist - und das schon allein aus ethischen und dem AGG abzuleitenden Gründen.

Ihr Artikel verletzt das Diskriminierungsverbot und ist de facto einem Zwangsouting gleichzusetzen; und das bei einer demokratisch in den deutschen Bundestag gewählten Abgeordneten. Sie stellen sich damit in eine Reihe mit den Hetzreden einer Frau von Storch und mit einem wütenden Mob vor den Häusern von Politikern. Wie Frau Ganserer mit Ihrem und anderen Angriffen auf ihre Person und ihre Rechte umgeht, verdient allerhöchsten Respekt. Sie ist aber keinesfalls allein. Hinter ihr steht eine große Community, die nichts weiter einfordert als Respekt und Toleranz gegenüber den ohnehin schon marginalisierten Gruppen in unserer Gesellschaft. 

Die Suizidrate bei jugendlichen Transpersonen ist vielfach höher als im Durchschnitt - wie glauben Sie, werden Artikel wie dieser auf junge Menschen wirken, die ohnehin schon im Alltag mit vielen Hürden kämpfen, die Cispersonen nicht kennen? 

Ich fordere Sie hiermit höflich dazu auf, sich zu dem Artikel zu positionieren. Das Mindeste wäre eine Entschuldigung an Frau Ganserer; wichtiger für Sie scheint mir aber zu sein, den angerichteten Schaden für den Ruf Ihrer Zeitung durch eine Klarstellung und hoffentlich einem besseren Urteilsvermögen bei der Auswahl ihrer "Expert*innen" /Autor*innen an den Tag zu legen. 

Und das schrieb bspw. J.G.:

... Ich wollte mich als heterosexueller Mann nur kurz melden,  um zu sagen,  was Alice Schwarzer bei Ihnen verzapft gleicht Nazis die in der 1930er Jahren in Zeitungen erklären, warum Juden gefährlich seien.

Es ist beschämend, dass die Zeit solch einem Unfug Raum bietet. Es gibt Meinungen, für die sollte es keinen Platz im öffentlichen Raum geben und noch weniger unkommentiert. Personen, die sich nicht mit den gesellschaftlichen Normen für Mannsein und Frausein identifizieren kann man doch nicht zu einem Feindbild erklären,  wie man das im kalten Krieg mit Kommunisten gemacht hat. Anders ist nicht besser oder schlechter, sondern in erster Linie nur anders. Unsere Gesellschaft wird nicht an Selbstverherrlichung des Status Quo wachsen,  sondern wenn wir verstehen,  wo wir blind sind und wie wir uns besser verhalten können. Egal ob Trans, Non-binär, behindert, Migrationshintergrund oder was der letzte Schrei zur Diskriminierungen ist,  die Zeit sollte es sich zur Aufgabe machen alle Kommentare kritisch zu hinterfragen und bei dem Namen Schwarzer hat die Zeit versagt. Nur weil Schwarzer für Frauenrechte gekämpft hat, soll die jetzt sagen können welche andere Minorität keine Rechte haben soll?

Es gab eine Zeit, da habe ich die Zeit sehr geschätzt für Ihre Berichterstattung. Aber diese Zeiten der Zeit sind wohl vorbei.  Vielleicht wäre es an der Zeit für die Zeit sich der Zeit anzupassen und nicht jeden zeitlosen Müll zu servieren.

Viele herzliche Grüße

J.

Ich danke euch allen für die Unterstützung und ich halte euch hier weiter auf dem Laufenden,

Eure Emma 

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