

Auch dank EURER Unterstützung kam es zum Einlenken des Brandenburger Bildungsministeriums: Die Ergebnisse der WITAJ-Evaluation, also der Studie, die sich mit dem Sprachstand, Sprachverständnis und Sprachzuwachs unserer Niedersorbisch lernenden Kinder in der 4. und 6. Klasse wissenschaftlich beschäftigt, wurde gestern im Cottbuser Stadthaus vor den (Niedersorbisch-) Lehrern präsentiert.
Das Ergebnis der Studie ist alarmierend: Trotz größtem Engagement und Initiative der Lehrer, die an ihren Schulen oftmals Einzelkämpfer sind oder sich zumindest so fühlen, die Freizeit, Ferien, Wochenenden für Unterrichtsvorbereitung investieren um den Kindern ein Gefühl und die Liebe zum Niedersorbischen im Schulunterricht zu vermitteln, ist der Wissensstand der Kinder in der 6. Klasse im Ergebnis schlechter als im Kindergarten.
Das deutet auf massive strukturelle und institutionelle Mängel hin, die im Einzelnen beleuchtet und mit Handlungsempfehlungen unterlegt werden. Denn dieses alarmierende Ergebnis kann und darf so nicht stehen bleiben und zeigt um so deutlicher auf, dass sich im Brandenburgischen Bildungswesen grundlegend etwas ändern muss um unsere Niedersorbische Sprache für künftige Generationen zu retten!
Dazu braucht es dringend ein geschlossenes, wissenschaftlich begleitetes und basierendes, auf Nachhaltigkeit angelegtes Bildungskonzept!
Die nun vorliegenden WITAJ-Evaluation kann hierbei nur den ersten Grundstein legen und die Basis für künftige Studien zur Begleitung der Veränderungsprozesse mit Blick auf intensivste Bestrebungen zur Rettung unserer massivst bedrohten Sprache bilden!
Zum Umgang mít der Studie gehört auch Offenheit. Professor Werner vom Sorabistischen Institut der Universität Leipzig betonte deutlich, dass aufgehört werden muss die Zahlen der (Nieder- & Ober-)Sorbisch-Sprecher massiv und institutionell schön zu lügen.
Unsere Sprache ist bedroht wie nie zuvor und die Notwendigkeit zum Handeln ist absolut zwingend. Schule ist dabei eine tragende Säule im Prozess der Revitalisierung und muss befähigt werden diesen Auftrag erfüllen zu können.
Denn: Die Kinder haben Freude und Spaß am erlernen unserer Sprache und wunderbare, begeisterungsfähige Lehrer. Kinder sind die Multiplikatoren, die viele Eltern und Großeltern in der Niederlausitz nun wieder neu mit den eigenen familiären Wurzeln und der Sprache die einst in den Familien unserer Region gesprochen wurde, verbinden. Frei von der Last und Scham vorangegangener Generationen. Sorbisch ist für unsere Kinder auch gleichzusetzen mít Heimat und Familie und ein Teil ihrer und unserer Identität.
Auch wir Eltern spielen eine wichtige Rolle in diesem Kontext. Auch wir dürfen von der Sorbischer Schule mehr fordern, insbesondere von den Witaj-Schulen, in denen Zweisprachigkeit im Rahmen des bilingualen Sachfachunterrichts konzeptionell verankert und doch oft für uns Eltern kaum wahrnehmbar ist.
Da liegt für mich der Hase im Pfeffer: Eltern müssen (genau wie die Kinder) spüren, wir müssen wahrnehmen können wie wichtig unserer Schule „das Sorbische“ ist, um es mal so zu nennen. Der sorbische Schwerpunkt darf und muss für uns wahrnehmbar sein, wenn wir die Kinder zur Schule bringen oder Abholen und sei es “nur” in den Begrüßungen und Verabschiedungen am Rande.
A pro pros am Rande: Am Rand der Veranstaltung gab es Aussagen wie: „Aber wir sind eine deutsche Schule.” Ja, das ist Fakt. Aber eben welche mit Sorbischem Schwerpunkt! Genau das ist der Punkt. Wenn dies für Eltern und Kinder nicht spürbar ist und nicht gelebt wird, wie will ich die Eltern und Kinder motivieren dabei zu bleiben wenn es schwierig wird? Das Band, Verbundenheit, Beteiligung entsteht nicht von allein. Auch das sind Prozesse die begleitet und aufgefangen werden müssen und verlangen den Lehrern viel ab. Wir müssen DRINGEND aufpassen hier nicht als Minderheit unter die Räder des deutschen Schulsysthems zu geraten, um es mal etwas salopp zu formulieren.
Gerade weil wir eine Minderheit sind und weil die Minderheit immer der Überlegenheit der Mehrheit unterliegen wird.
Vielmehr dürfen wir uns trauen, darf Schule sich trauen, sich auch nach außen noch deutlicher zum sorbischen Schwerpunkt zu bekennen. DAS wäre eine Bereicherung für ALLE Beteiligten. Nur MUT, lasst es uns gemeinsam probieren.
Unsere Direktorin wandte in der Diskussion ein: “Es sind aber nicht alle Eltern so sehr für das Sorbische.” Das ist richtig, doch auch hier gibt es viele schlummernde Potentiale, aber auch verunsichert Eltern die begleitet und mitgenommen werden wollen.
Hier stehen wir vor der besonderen, schwierigen und herausfordernden Situation, dass Schule hier neu gedacht werden muss.
Gemeinsam schaffen wir das!
Veränderungsprozesse sind nicht einfach, stoßen auf Widerstände... doch da müssen wir alle durch! Das Ziel unsere Sprache zu revitalisieren ist ein wunderbares und nur zu erreichen wenn wir gemeinsam dafür stehen, zusammen halten, uns stark machen!
Dabei zählt jede Stimme! Jedes Kind, dass Sorbisch lernt und spricht & jeder Einzelne, der uns hierbei auf diesem Weg unterstützt. Bitte macht weiter so! Wir brauchen Euch und danken Euch von Herzen!
Ich freue mich besonders, Euch mitteilen zu können, dass die Studie auch über den Server des Sorabistischen Instituts der Uni Leipzig zum downloaden bereit gestellt und damit öffentlich zugänglich gemacht wird.
Das ist ein wichtiges Signal und ein Schritt in die richtige Richtung.