Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!Zum aktuellen Stand der neuen Sorben/Wenden-Schulverordnung – ein ewiger Kampf
Kathleen KomolkaGermany
Jul 26, 2017
Ich bin sehr froh und von Herzen dankbar heute Jana's Beitrag zum aktuellen Stand der Sorben-/Wenden-Schulverordnung mit euch teilen zu dürfen: Es ist ruhig geworden um unsere Proteste bezüglich der Überarbeitung der Sorben/Wenden-Schulverordnung. Es tat gut, so viel positive Unterstützung zu erfahren. Einige Landespolitiker haben sich interessiert und informiert. Nun könnte man ja denken, dass sich alles zum Guten gewendet hat, dass das MBJS unseren Forderungen gefolgt ist und es Politikern gelungen ist, ihre Eindrücke aus Vor-Ort-Besuchen und Erfahrungsaustauschen im Landtag in unserem Sinne weiter zu vermitteln. Sogar unser Bildungsminister Herr Baaske ließ es sich nicht nehmen, sich im Mai bei einem Besuch der Grund- und Oberschule Burg ein Bild vor Ort machen. Doch weit gefehlt – nichts ist gut. Hinter verschlossenen Türen arbeitet das MBJS weiter an der Verordnung. Im September werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen die Kröte schlucken, ob wir wollen oder nicht. Keine unserer Anfragen wurde beantwortet. Wir wissen nicht, ob unsere Forderungen zumindest im Ansatz Berücksichtigung in der Verordnung gefunden haben. Das Ministerium hüllt sich in Schweigen. Was können wir tun? Wie ist es um unsere viel gelobte Demokratie und unsere garantierten, europäisch verankerten Minderheitsrechte bestellt? Alles nur Phrasen? Irgendwann werden wir müde sein und keine Kraft mehr zum Kämpfen haben, zermürbt von Grabenkämpfen und ständigen Rechtfertigungen. Mein Eindruck ist, dass dies genau die Taktik und Hoffnung der Entscheidungsträger ist. Das macht mir Angst. Wie lange wird unsere Kraft noch reichen? Wenn an allen Ecken und Enden gespart wird, Lehrer und Lehrmaterialien fehlen und Unterricht ausfällt, wie es dann wohl um das Lernen der sorbische Sprache an unseren Schulen bestellt? Kann sich eigentlich jemand vorstellen, wie es sich anfühlt, ständig gefragt zu werden, warum und wofür wir denn eigentlich kämpfen? Häufigstes Argument: die Sprache ist doch eh tot und wird hier ja sowieso nicht mehr gesprochen, es sei denn man ist in der Schule oder arbeitet in einer der wenigen sorbischen Einrichtungen. Aber warum ist das wohl so? Es ist erschreckend, wie wenig Zeit es braucht, um eine Sprache zu vernichten. Und wenn man dann als Antwort darauf versucht, genau zu erklären, worin die Ursachen liegen, wird gleich abwinkend die Hand gehoben - weil doch kein Interesse und Verständnis für unsere Situation da und die Wahrheit definitiv zu anstrengend ist. Wie fühlt es sich an, wenn die AFD mit Plakaten wirbt, auf denen drei Frauen in Tracht (eine Frau davon in wendischer Tracht, die zudem nicht einmal richtig angezogen ist) und der Slogan „Bunte Vielfalt haben wir schon“ zu sehen sind? Zeitgleich aber äußert sich ein Vertreter der AFD im Landtag, dass man doch für die wenigen Sorben in Brandenburg nicht so viel Geld benötigen würde. Da kann doch gespart werden! (?) Wie fühlt es sich an, wenn man wieder einmal hochrangige Gäste mit Brot und Salz in wunderschöner „Spreewaldtracht“ begrüßen soll, weil das so ein medienwirksames Bild ergibt? Aber wer wir eigentlich sind, eine Minderheit mit Rechten, einer reichen Kultur und einer wunderschönen Sprache, interessiert dann doch nicht wirklich. Und auch, dass Begriffe wie „Spreewaldtracht“ im Dritten Reich von den Nationalsozialisten geprägt wurden, um sorbische Kultur zu leugnen, scheint nicht relevant zu sein. Wie fühlt es sich an, wenn im Land Brandenburg im MWFK ein Landesplan zur Stärkung der niedersorbischen Sprache verabschiedet wird, zeitgleich jedoch das MBJS diesen durch seine Sparmaßnahmen und Verhinderungspolitik torpediert? Es macht mich richtig stolz, wenn meine 7-jährige Tochter beim Stadtfest ein Hufeisen einfach mal in den sorbischen Farben bemalt und den anderen Kindern ganz selbstverständlich erklärt, was sie da macht. Oder bunte Pins zur sorbischen Fahne an unsere Pinnwand in der Küche steckt. Es macht mich stolz, wenn die Kinder meiner Kindertanzgruppe beim Tanz „Serbske barwy“ in ihren blau/rot/weißen Röckchen penibel darauf achten, in der richtigen Reihenfolge zu stehen. Dafür lohnt sich der Kampf: das Kinderlachen und der selbstverständliche Umgang der Kinder mit unserer sorbischen Sprache und Kultur geben mir wieder Kraft und Hoffnung und ich fühle, dass noch nichts verloren ist. Ich hoffe, dass sie zu jungen selbstbewussten Sorbeninnen und Sorben heranwachsen und es einfacher haben werden, als wir jetzt. Dass es für ihre Kinder dann einmal völlig normal sein wird, sorbisch zu lernen und zu sprechen. Daher kann ich nur noch einmal unsere, auch von der sorbischen Minderheit gewählten Landesvertreter, auffordern, die Rechte der sorbischen Minderheit zu beachten und unseren Forderungen nachzukommen: 1. Ein geschlossenes bilinguales Bildungskonzept von der Kita bis zum Abitur 2. keine Mindestzahl im Sorbischunterricht – jedes einzelne Kind hat einen Rechtsanspruch im sorbischen Siedlungsgebiet 3. ausreichende Ausstattung der Schulen im Siedlungsgebiet mit ausgebildeten Lehrern (inkl. ausgewogener und zielführender Personal- und Weiterbildungsplanung) 4. kein Jahrgangsübergreifender Unterricht 5. ausreichende Ausstattung mit entsprechenden Lehrmaterialien auch in höheren Jahrgängen (dazu gehören auch entsprechende personelle Ressourcen) 6. ehrliche und aktive Mitsprache der Sorben bei der Ausgestaltung der Verordnung ermöglichen
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