Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!Mindestgruppenstärke 5 für Sorbisch? Drastische Folgen für unsere Kinder am Beispiel Straupitz!
Kathleen KomolkaGermany
Jun 28, 2017
Heute waren wir an der GS Straupitz vor Ort um einen Eindruck zur Situation des Sorbisch/Wendisch-Unterrichts zu gewinnen. Die Bilder unserer Hospitation in Sachsen zum geschlossenen und integrierten Bildungskonzept 2Plus (zweisprachige Förderung der sorbischsprachigen Kinder von der Kinderkrippe, bzw. dem Kindergarten, bis zum Abitur haben wir noch lebhaft vor Augen. Um so gravierender treten die Unterschiede zur Situation, wie wir sie an der Grundschule Straupitz vorfinden, zu Tage: Wir sind dankbar für die Gelegenheit eine bilinguale Unterrichtsstunde der ersten Klasse im Fach Mathematik begleiten zu dürfen. Wir erleben neun lebendige und begeisterte Erstklässler, die im Verlauf des sich dem Ende neigenden Schuljahres schon viel gelernt haben: Sowohl in den Sachfächern aber auch in der sorbisch/wendischen Sprache. Auch hier in Straupitz ist der Mangel an muttersprachlichen Familien deutlich spürbar: lediglich eines der neun Kinder bringt Vorkenntnisse der sorbischen Sprache aus dem Kindergarten mit. Jedoch verbindet alle Kinder eine große Freude am gemeinsamen erlernen unserer Sprache. Die Sorbisch/Wendisch-Lehrer leisten einen maßgeblichen und nicht hoch genug wertzuschätzenden Beitrag dazu! Sie sind die ganz zentrale Ressource unsere Kinder an die ursprünglich in die Lausitz vorherrschende niedersorbisch/wendische Sprache und Kultur heranzuführen: Dazu lassen sich Frau Kieper und ihre Kolleginnen und Kollegen an den anderen Schulen im Siedlungsgebiet täglich neue und kreative Elemente der Unterrichtsgestaltung einfallen um den Unterricht aktiv und lebendig zu gestalten und die Kinder tatsächlich für das Sorbisch-/Wendische zu BEGEISTERN. Die Sorbisch/Wendisch und Witaj-Lehrerinnen und Lehrer sind mit Herzblut dabei und leisten so viel mehr als bloßen Unterrichtsstoff zu vermitteln. Fleißige, motivierte Schüler mit strahlenden Augen sind der Lohn dieser Arbeit. Der WERT durch diesen Unterricht den Bestand unserer Sprache für unser Volk zu sichern ist UNERMESSLICH! Heute erleben wir in Straupitz, wie spielerisches Rechnen in Ecken den Ehrgeiz der Schüler weckt und zum aktiven Sprachgebrauch unserer Minderheitensprache anregt oder ganz anschaulich: wie Subtraktion mit Bonbons tatsächlich die Konzentration erhöhen und zur Freude am Lernen beitragen kann. Dennoch ist deutlich SPÜRBAR, wie sehr uns hier in Brandenburg das Sprachbad und die Integration der Sorbisch/Wendischen Sprache in den Familien oder in der dörflichen Gemeinschaft FEHLT: Während Sorbisch in Sachsen für viele Menschen tatsächlich zur Alltagssprache gehört und oft nicht nur die Alltagssprache, sondern die MUTTERSPRACHE, nämlich die Sprache die maßgeblich in den Familien gesprochen wird darstellt, ist unsere Brandenburger Situation eine gänzlich andere! Um so bedeutsamer wird der Beitrag den Schule hier zum Spracherwerb leistet: gerade weil die Übernahme in den Alltag in Brandenburg oftmals fehlt. Trotzdem ist die Situation DRASTISCH. Der Lehrermangel für Sorbisch-Wendisch-Lehrer spürbar. Auch hier sind es oft die Sorbisch-/Wendisch-Lehrer die zuerst als Vertretungsreserve herangezogen werden, was zum unmittelbaren Ausfall des bilingualen (WITAJ-) Unterrichts bzw. auch des Sorbisch/Wendisch-Unterrichts führt. Den Lehrern wird viel abverlangt: stetig werben Sie bei den Eltern um Kinder für das Unterrichtsfach Sorbisch-/Wendisch oder den bilingualen Unterricht, werben darum die bestehenden Kinder zu halten oder auch nach Jahren noch Quereinsteiger zu gewinnen. Auch bei der Vorbereitung des bilingualen Unterrichts leisten die Lehrern viel: oft mangelt es an passenden Unterrichtsmaterialien, der Lehrer muss inhaltlich den identischen Stoff vermitteln, wie die Kollegin oder der Kollege in derselben Unterrichtsstunde, welche/r die deutschsprachigen Kinder unterrichtet. Hinzu kommt die Vermittlung und das Erlernen eines den Kindern bis dato unbekannten Wortschatzes in einer anderen Sprache und zugleich auch der deutschen Fachtermini. Und woher kommen die dazu benötigten individuell angepassten Unterrichtsmaterialien? Zum Großteil erstellen die Lehrer diese selbst - natürlich alles in ihrer Freizeit! Wer ist dazu schon bereit? Auf Dauer? Über Jahre und Jahrzehnte? Der stetigen Anpassung an geänderte oder neue Rahmenlehrpläne unterworfen? Und wie wirkt sich die Einführung einer Mindestlerngruppenstärke an der Grundschule Straupitz aus? Auch die Grundschule Straupitz wäre von der Mindestzahl von 5 Schülern für Lerngruppen betroffen: Derzeit besuchen insgesamt circa 175 Schüler die Grundschule Straupitz. Ein nicht unerheblicher Anteil der Sorbisch-/Wendisch-Schüler könnte an dieser Schule NICHT mehr in dieser Sprache unterrichtet werden, sollte die Mindestzahl 5 in der neuen Sorben-/Wenden-Schulverordnung verankert werden: In Straupitz würde der Sorbisch-/Wendisch Unterricht in der 3. und 6. Klasse weg brechen, der Bilinguale WITAJ-Unterricht wäre ebenfalls in diesen beiden Jahrgangsstufen betroffen. Doch welche Konsequenzen zöge dies nach sich? Käme eine Jahrgangsstufe nicht zustande ist fraglich ob diese Klasse als Sorbisch-/Wendisch Klasse später erneut geöffnet werden kann, geschweige denn ob dieser Hick-Hack von den betroffenen Familien mit getragen wird. Damit steht insgesamt der Sorbisch-/Wendisch und der WITAJ-Unterricht von Jahr zu Jahr in Abhängigkeit von schwankenden Schülerzahlen in Frage: Da wäre die übliche Fluktuation durch Abmeldungen der Eltern aufgrund der bisher oftmals wenig günstigen Rahmenbedingungen in diesen Fächern, Angst die Kinder durch die Mehrbelastung zu überfordern, Wegzüge aber auch neu dazu geworbene Kinder für den Sorbisch-/Wendisch Unterricht oder im laufenden Schuljahr zugezogene Kinder und Familien, die sich ebenfalls für unsere Sprache und Kultur begeistern können, oder bereits mit Vorkenntnissen von anderen Schulen kommen. In der Folge der Einführung einer Verordnung mit einer Mindestgruppenstärke würde -nicht nur an der Straupitzer Grundschule - sondern an vielen Schulen im Siedlungsgebiet kein kontinuierlicher und durchgängiger Unterricht in unserer (Minderheiten-)Sprache sichergestellt werden können. Besonders schwerwiegend wären die Folgen von Jahrgangsstufe fünf bis zehn, bzw. bis zum Abitur. Die Frage der verfassungsmäßigen Vereinbarung der Definition einer Mindestgruppenstärke steht für uns noch immer im Raum. Garantiert die Brandenburger Landesverfassung doch in Artikel 25 (3) in herausgehobenem Maße das Recht der Sorben/Wenden "auf Bewahrung und FÖRDERUNG der sorbisch/wendischen Sprache und Kultur im öffentlichen Leben und ihre Vermittlung in Schulen und Kindertagesstätten". Auch die Rückendeckung für uns Minderheiten durch den Beschluss des Bundestages vom 02.06.2017, der auch für unser sorbisches/wendisches Volk maßgeblich ist, kann und darf - trotz Föderalismus im Bildungswesen - insbesondere aufgrund der spezifischen Situation im Land Brandenburg, welche uns Sorben/Wenden als Minderheit anerkennt, nicht unberücksichtigt bleiben! Deshalb halten wir daran fest, dass auf Wunsch der Eltern und Familien - oder auch auf eigenen Wunsch - JEDEM Kind im Siedlungsgebiet die Möglichkeit ERHALTEN bleiben muss unsere Sprache in Kindergarten und bis zum Abitur zu erlernen (unter Berücksichtigung des individuellen Sprachstandes des Kindes)! Eine Orientierung an Sachsen scheint im Hinblick auf ein ganzheitliches geschlossenes Bildungssystem sinnvoll, jedoch kann es nicht zielführend sein, lediglich ein an das sächsische System angelehntes Modell in Brandenburg einzuführen das unsere spezifischen Besonderheiten nicht detailliert und umfassend berücksichtigt! Vielmehr ist eine differenzierte Analyse der hiesigen Rahmenbedingungen, unserer Ausgangslage im Land im Hinblick auf Sprachdurchdringung, Sprachstand, die Ressourcen und Potentiale verfügbarer Lehrer, demographischer Aspekte und vieler weiterer Faktoren unerlässlich! Auch eine Einführung eines maximalen Gruppenstärke -analog der Situation in Sachsen- ist auch in Brandenburg unverzichtbar um die sprachliche Qualität innerhalb der Lerngruppen sichern zu können. Dies könnte die Basis für ein ganz eigenes brandenburgisches Bildungskonzept für den Sorbisch-Wendisch und bilingualen Unterricht, dass in Form einer Froschungsarbeit oder Studie wissenschaftlich begleitet, implementiert und auf eine solide und zukunftsweisende Basis gestellt und stetig evaluiert wird, bilden! NUR auf einer solchen Basis sollte die neue Sorben-/Wenden Schulverordnung und daran anknüpfend auch die GOST-Verordnung sowie die Verwaltungsvorschrift Bilingualer Unterricht erlassen werden! DIESE Basis ermöglicht einen aktiven Beitrag des Landes zur Stärkung und Förderung unseres Volkes: planvoll und zielgerichtet auch gesichert für die folgenden Generationen! DAFÜR stehen und kämpfen wir Eltern der sorbisch/wendischsprachigen Kinder an Brandenburger Schulen und Kindergärten gemeinsam! WIR brauchen DEINE Hilfe: bitte unterstütze unseren Kampf indem DU unsere Petition unterzeichnest und teilst! VIELEN DANK!
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