Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!Unser Appell an DICH: Warum wir sorbischen Familien dich JETZT so dringend brauchen!

Kathleen KomolkaGermany

Apr 2, 2017
Liebe Change.org-Community,
heute möchte ich die Gelegenheit nutzen und euch davon berichten, wie es dazu kam, dass wir diese Online-Petition ins Leben gerufen haben:
Stein des Anstoßes war ein Bericht in der wöchentlich erscheinenden sorbischen Zeitung Nowy Casnik. Dort erfuhren wir, dass unser Brandenburger Bildungsministerium den Erlass einer neuen Sorben-/Wenden-Schulverordnung plant und die Eckpunkte dazu – eine Gruppenstärke von 12 Kindern und jahrgangsübergreifender Unterricht von bis zu 3 oder mehr Jahrgangsstufen (!) – offenbar nicht verhandelbar seien und das Ministerium offenbar beabsichtige diese Verordnung so zu durchzubringen.
Als wir von diesen Eckpunkten erfuhren, waren wir fassungslos und bestürzt. Sofort war uns klar, dass wir gemeinsam handeln müssen, da wir nicht zulassen können, dass durch eine solche schulische Verordnung unsere Kinder ihres verfassungsmäßig geschützten Rechtes auf das Erlernen und Sprechen der sorbischen/wendischen Sprache im Rahmen des Schulunterrichts im Land Brandenburg, beraubt werden. Ferner können wir nicht zulassen, dass durch diese Verordnung das niedersorbische/wendische Volk seine Stimme verliert.
Doch die sorbische Stimme unseres Volkes ist es, die in der Vergangenheit schon öfters zum Verstummen gebracht werden sollte. Durch Maßnahmen, die tragischerweise fast zum Erfolg geführt hätten und unter deren Folgen unsere Familien heute noch leiden. Eine Stimme, die durch die stetige und unermüdliche Arbeit der letzten Jahrzehnte zusehends vernehmbarer wurde und nun insbesondere durch ihre Früchte wie das Witaj-Projekt und den Sorbisch-Unterricht in den Schulen wieder Anlass zum Hoffen gibt.
Durch eine vorgeschriebene und diskriminierende Mindestzahl pro Gruppe, sowie die Zusammenlegung von mehreren Jahrgangsstufen, würde die erfolgreiche Arbeit zum beleben der Sprache der letzten Jahrzehnte komplett zunichte gemacht.
Betroffen wären davon vor allem unsere mit der sorbischen Sprache aufwachsenden Kinder aber auch wir Familien. Familien in denen die sorbische Sprache dank unserer Kinder wieder in unseren Alltag (wieder)belebt wird.
Wir Eltern haben uns auf die Suche begeben und wollten herausfinden, welche Schule NICHT von den Folgen der geplanten Sorben-/Wenden-Schulverordnung betroffen wäre. Dazu waren wir umfassend im Siedlungsgebiet der Niederlausitz unterwegs und haben mit Direktorinnen, Lehrerinnen und Hortnerinnen, aber vor allem auch mit den Kindern gesprochen.
Die Botschaft der Kinder ist klar: Wir WOLLEN Sorbisch! Und auch die Pädagogen erleben wir als leidenschaftlich und begeistert - für unsere Kinder und für unsere Sprache!
Jedoch fanden wir keine einzige Schule, die NICHT unter den Folgen der Verordnung leiden würde. Im Ergebnis würden Sorbisch/Wendisch-Klassen nicht zustande kommen und damit der Sorbisch/Wendisch-Unterricht nahezu flächendeckend wegbrechen. Überall in der Lausitz, in der einen Schule unmittelbar, in der anderen mittelbar, aber unaufschiebbar.
Das wäre der Todesstoß, den unsere sorbische/wendische Sprache durch eine Sorben-/Wenden Schulverordnung mit restriktiven, ausgrenzenden Gruppenstärken und mehrere Jahrgangsstufen übergreifenden Sorbisch/wendisch-Unterricht, versetzt bekäme.
Das können und werden wir Eltern nicht zulassen und dafür brauchen wir DRINGEND EURE UNTERSTÜTZUNG!.
Seit wir uns mit der geplanten Verordnung und ihren Folgen für unser Leben, aber vor allem für das Leben unserer Kinder beschäftigen, wird uns klar, wie sehr wir Eltern unter den Folgen der Unterdrückung unserer sorbischen/wendischen Sprache in unseren eigenen Familien dauerhaft leiden. Auch und gerade deshalb ist es uns unglaublich wichtig, dass unsere Kinder ihre sorbische Identität entwickeln und leben können. Und zwar in einem Maße, in dem das Sprechen unserer sorbischen/wendischen Sprache für die Kinder alltäglich ist.
Eine Sprache, die seit Generationen zu uns gehört und mit unserem eigenen Leben verwurzelt ist. Mit Liedern, die uns selbst aus unserer Kindheit erinnerlich sind, mit Legenden und Sagen, die zu uns in die Lausitz gehören und die Zeiten überdauern sowie mit Bräuchen, die die Dorfgemeinschaft einen und ohne eine lebendige Sprache hohl in sich zusammenfallen.
Liebe Change.org-Nutzer: bitte lasst es NICHT dazu kommen und unterstützt uns, indem ihr diese Petition unterzeichnet und mit euren Freunden und in euren sozialen Netzwerken teilt, unsere sorbische Sprache zu erhalten.
Die niedersorbische/wendische Sprache ist eine der weltweit am stärksten bedrohten Sprachen. Und deshalb besonders schutzwürdig.
Der Schlüssel zum Erhalt unserer Sprache liegt einzig und allein bei unseren Kindern. Bei den Kindern, die von den Folgen Ihrer geplanten Verordnung unmittelbar betroffen wären. Bei den Kindern, die von ihren Eltern die sorbische/wendische Sprache nicht mehr erlernen können. Deshalb können wir gar nicht anders, als heute hier für unsere Kinder und deren Sorbisch-/Wendisch Unterricht einzustehen.
Im gemeinsamen Austausch miteinander haben wir Eltern festgestellt, dass uns oftmals das gleiche Schicksal eint. Während für unsere Urgroßeltern sowohl die Tracht im Alltag und natürlich die wendische Sprache die MUTTERSPRACHE war, die oftmals besser beherrscht wurde als die deutsche, litt bereits die folgende Generation unter der UNTERDRÜCKUNG, der ANGST, der SCHAM, der SCHANDE, die mit der Anwendung der sorbischen/wendischen Sprache in der Öffentlichkeit einhergingen. Dies führte flächendeckend dazu, dass die Sprache nach und nach in den Familien starb. Und nunmehr zu einer Sprache der alten Generation wurde, die damit unter sich blieb. Die Sprache wurde nicht mehr an die folgenden Generationen weitergegeben.
Auch meine eigene Familie ist von diesem Schicksal betroffen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Emotionen in mir aufwallen, oder wie mein Herz bebt, wenn ich meine kleinste Tochter die Lieder singen höre, die meine Großmutter mir einst sang.
Dieses Geschenk, das auch mich in meiner eigenen sorbischen Identität stärkt, verdanke ich dem Witaj-Projekt und dem Sorbischunterricht. Dieses Geschenk empfangen mit mir viele andere Eltern, deren Kinder in diesem Rahmen der Zugang und Schlüssel zu ihrer eigenen Identität ermöglicht und von den Familien auch bewusst so wahrgenommen und wertgeschätzt wird.
Liebe Change.org-Community, bitte helft uns gemeinsam dazu beizutragen, dass mit diesem Schatz und Geschenk sehr sorgsam und verantwortungsbewusst umgegangen wird. Bitte schützt diesen Schatz für unsere Kinder und die Zukunft unseres Volkes gemeinsam mit uns.
Doch dieser Schatz ist nicht nur unser Schatz. Wir als sorbische Minderheit wünschen uns sehr, dass er im gesamten Land Brandenburg als lebendige Bereicherung angesehen wird. Und als etwas, das im Land Brandenburg als ureigenstes Anliegen verstanden wird. Ein Schatz, der unser Land bereichert und mit Stolz erfüllt, ohne jedes Mal auf die Erfüllung von Minderheitenrechten pochen zu müssen. Dafür brauchen wir eine Politik, die eine kontinuierliche und verlässliche Basis für den Sorbisch-/Wendisch-Unterricht bildet und damit den Fortbestand unserer Sprache sichert.
Wir bitten euch um eure Unterstützung, damit wir gemeinsam ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für eine zukunftsweisende und nachhaltige Sorben-/Wenden-Schulverordnung, die ganzheitliche und geschlossene Bildunskonzepte vom Kindergarten bis zum Abitur zum Erwerb der sorbischen Sprache (analog des sächsischen Konzept "2plus") integriert und fördert und insgesamt eine deutliche Verbesserung auch der Unterrichtsrahmenbedingungen für unsere Schüler und Lehrer darstellt.
Bitte unterzeichnet und teilt deshalb diese Petition und unterstützt uns auf dem Weg zu einer solchen Verordnung. Einer Verordnung mit der Bildungsminister Baaske ein positives Signal für den Erhalt und die Förderung der sorbischen Sprache setzen würde. Ein Signal, das deutlich macht, dass Minderheitenschutz in Brandenburg ein Anliegen oberster Priorität darstellt. Ein Signal, dass weit über unsere Landesgrenzen hinaus leuchtet.
Wir Eltern danken euch im Namen unserer Kinder und von ganzem Herzen für eure Unterstützung!
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