Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!Zur Landtagssitzung am 05.04.2017: Diese Kröte werden wir nicht schlucken!

Kathleen KomolkaGermany

Apr 4, 2017
Die Bilder des Froschkarren-Rennens, eines sorbischen Erntebrauches, den hier bereits die Kleinsten vorführen, vermitteln das Gefühl von Freude und unbeschwerter Leichtigkeit.
Leichten Herzens blicken wir auf unseren Besuch im Bildungsausschuss im Landtag zurück, noch ganz erfüllt der positiven Signale, die dort zu vernehmen waren. So wurde der damalige Antrag der Fraktion der Grünen gemeinsam mit der CDU mit der Begründung abgelehnt, dass dieser Antrag der Regierungskoalition inhaltlich nicht weit genug gehe und keine klare Zielrichtung und vor allem auch keine tatsächliche Verbesserung beinhalte, für die wir Eltern gemeinsam für unsere Kinder kämpfen. Den Kindern wurde versichert , versprochen gar,wie ernst und wichtig die Regierung den Auftrag den Spracherwerb unserer Kinder zum Erlernen der sorbischen/wendischen Sprache in der Schule nimmt. Dass die Regierung daher vor der nächsten Landtagstagung einen eigenen Antrag für das Plenum einreichen werde.
Dieser, von uns so zuversichtlich und voller Hoffnung erwartete Antrag liegt seit heute vor. Bereits morgen soll darüber ab 14:25 im Landtagsplenum beraten und abgestimmt werden. Doch leider will sich bei uns Eltern keine Freude über den Antrag einstellen.
Vielmehr herrscht das schale Gefühl, dass wir damit eine fette Kröte schlucken sollen!
Wir Eltern fühlen uns mit diesem Antrag nicht ernst genommen, um nicht zu sagen hintergangen und überrumpelt und können uns des Eindruckes nicht erwehren, dass hier mit einem Beschluss, der morgen durch die Regierungsmehrheit herbeigeführt werden soll, parlamentarische Rückendeckung und damit quasi die Legitimation für eine deutliche und drastische VERSCHLECHTERUNG der Rahmenbedingungen der geplanten Sorben-/Wenden-Schulverordnung eingeleitet werden soll.
Ich hoffe auch die Opposition teilt diese Ansicht und ist – ebenso wie wir – nicht gewillt eine solche Kröte zu schlucken.
Doch zunächst zum Antrag selbst: Wie schön lesen sich die einleitenden Worte und Bekenntnisse zur sorbischen Sprache, Identität und der Verfassung, die schon bei genauerer Betrachtung und Hinterfragung der Beschlusspunkte ad absurum geführt werden. Zumindest will es uns Eltern nicht gelingen die klaren Bekenntnisse im Antrag wiederzufinden.
Statt dessen öffnet der Antrag unseres Erachtens nach mehr als eine Hintertür für eine ECHTE VERSCHLECHTERUNG der Bedingungen zum Erlernen der sorbischen Sprache im Rahmen des Sorbisch/Wendisch-Unterrichts.
Gern möchte ich dabei auf die unserer Auffassung nach gravierendsten Punkte eingehen:
"Orientierung der Mindestgröße von Lerngruppen in Sorbisch/Wendisch an der Regelung in Sachsen"
Doch warum müssen wir uns in diesen Fragen mit Sachsen messen lassen? In Sachsen herrschen deutlich bessere Rahmenbedingungen: deutlich mehr sorbisch aufwachsende und sprechende Kinder (darunter ein vakant höherer Anteil an Muttersprachlern), ein von vorn herein bestehendes deutlich besseres Schulkonzept – ganzheitlich und geschlossen - und JA! Vom Kindergarten bis zum Abitur! Eine flächendeckende Ausstattung mit Sorbischlehrern, wodurch unter anderem sogar eine Leitungsdifferenzierung innerhalb der Klassen/Lerngruppen ermöglicht wird. Eine Leistungsdifferenzierung die eine Verbesserung darstellen würde, DIE WIR HIER DRINGEND BRÄUCHTEN, aber darum in diesem Antrag leider nicht: wohl aber um die eingrenzende Festschreibung einer Mindestzahl von 5 Schülern die bereits restriktiv und ausgrenzend ist!
WIR WOLLEN KEINE ZAHL IN UNERER NEUEN SORBEN-/WENDEN SCHULVERFASSUNG! Bisher haben wir keine und kommen damit in der Praxis auch wunderbar klar. Bereits das festschreiben einer Zahl 5 stellt eine DRASTISCHE VERSCHLECHTERUNG gegenüber der jetzigen Verordnung dar, die für uns Eltern nicht hinnehmbar ist! WIR ELTERN SEHEN DIES AUCH NICHT KONFORM MIT DEM BESTEHENDEN RECHTSANSPRUCH UNSERER KINDER UND MIT DER VERFASSUNG! Darüber hinaus überarbeitet auch Sachsen die hiesige und nunmehr veraltete Verordnung, (welche dem Land Brandenburg die Richtung weisen soll, welch Treppenwitz, bei dem uns das Lachen im Halse stecken bleibt!). Und zwar deutet vieles darauf, dass Sachsen die Zeichen der Zeit und die Notwendigkeit erkannt hat EINE NEUE VERORDNUNG OHNE ZAHL ANZUSTREBEN.
WIR sind BRANDENBURGER, sprechen nicht nur eine ANDERE SPRACHE (NIEDERSORBISCH) sondern sind aus diesen und vielen weiteren Gründen aufgrund der absolut unterschiedlichen Ausgangslagen und Rahmenbedingungen eben NICHT mit Sachsen vergleichbar. Nicht zuletzt weil die Rahmenbedingungen dort von vorn herein andere und zwar DEUTLICH BESSERE sind!
"Begrenzung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts in Sorbisch/Wendisch auf möglichst zwei benachbarte Jahrgangsstufen"
MÖGLICHST! Was für ein dicker Fallstrick! Bereits dieses eine Wort öffnet einer echten und bedrohlichen Verschlechterung im Hinblick auf die neue Verordnung Tür und Tor. Dann ist es leider (aus Kosten- oder Unterrichtsorganisatorischen Gründen nicht anders möglich und Schwuppdiwupp haben doch 3 oder gar 4 Jahrgänge übergreifend miteinander in einer Lerngruppe gemeinsam Unterricht?)
"Sicherung von bilingualem Unterricht an Grundschulen wie bisher in mehreren Fächern"
Auch hier fehlt eine tatsächliche und spürbare Verbesserung der Bedingungen: Den bestehenden Status quo einfach nur zu halten reicht bei Weitem nicht aus!!! Wir kämpfen für unsere Kinder um echte und spürbare Verbesserungen! Und: wenn diese Verordnung jetzt schon einmal angefasst wird, dann soll das Ganze doch bitte wirklich zum Besseren sein: zukunftsweisend und nachhaltig, Existenzsichernd und tatsächlich förderlich und fördernd für unsere Sprache, unsere Kinder und unser sorbisches Volk im Land Brandenburg! Warum ergreift die Regierung nicht die Gelegenheit statt leerer Worthülsen ein tatsächlich positives Signal zum Erhalt und für die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur im Land uns darüber hinaus zu senden? Die Sicherung des Status quo bildet dabei lediglich den untersten Mindeststandard ab und sollte selbstverständlich sein! Um echte Reformen und Verbesserungen zu erreichen sollten die Bestrebungen die sorbische/wendische Sprache über unsere Kinder als Multiplikatoren auch in den Familien zu revitalisieren ganz aktiv und deutlich gefördert, geöffnet, intensiviert werden!
"Schaffung von Regelungen zur Qualifizierung und Fortbildung von Lehrkräften für den Sprach- und den bilingualen Unterricht"
Dieser Punkt stellt an vielen Lausitzer Schulen in der Praxis eine echte Katastrophe dar! Dort gibt es große Defizite. Aber: Ist die Qualifikation und Ausbildung von Sorbischlehrer(inne)n nicht per se eine originäre Aufgabe des Landes? Dann möchte die Landesregierung dieser Aufgabe doch BITTE ENDLICH VOLLUMFÄNGLICH GERECHT WERDEN! Dies geht nur über die aktive (An-)Werbung von Referendar(in)en und die Qualifizierung von Sorbischlehrern. Und dieses Problem ist nicht neu: Es besteht seit JAHREN, fast JAHRZEHNTEN. Gut, dass die Regierung endlich erwacht und dieser VERPFLICHTUNG endlich nachkommen möchte!
Als wir unsere Demonstration zum Sorbenrat am 21.02.2017 gemeinsam in der Elternschaft vorbereiteten zierte ein Plakat in sorbischer Sprache sinngemäß die Aufschrift: Land Brandenburg: Schöne Worte und grausige Taten! Genau das ist es was hier morgen auf der Plenumstagung stattfindet! Dagegen müssen wir uns gemeinsam zur Wehr setzen und dafür brauchen wir DRINGEND DEINE UNTERSTÜTZUNG! BITTE TEILE UND UNTERZEICHNE DIESE PETITION UND ZEIG DAMIT, DASS DU AN UNSERER SEITE STEHST!
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