
Liebe Fair-Friends,
ich hoffe, es geht euch gut und ihr bewältigt diese spezielle Zeit gut.
UTZ/ Rainforest (im Text zu UTZ verkürzt) haben nach ihrer Fusion einen neuen Standard veröffentlicht. Darin fehlen wie schon befürchtet garantierte Mindestpreise und Vorfinanzierungen. Eine geringe Prämie gibt es immerhin.
Konkret bedeutet das, dass UTZ den Bäuer*innen weiterhin den an der Börse gehandelten, schwankenden Kaffeepreis zahlt. Dieser lag für Arabica-Bohnen (Stand 29.06.2020) bei 100US$/ 100lb. Vor der Fusion lag die freiwillige Prämie bei 4-5 US$. Zusammen ergibt das: 105US$. Produktionskosten liegen durchschnittlich bei 160$/ 100lb. (100lg : 45kg).
Je nach Land sind verschiedene Mindestpreise nötig, um ein würdiges Leben als Kaffebäuer*in zu haben. Diese sind z.B.:
Mexiko 181 US$/ 100lb
Nicaragua 160-190 US$ / 100lb
Peru 180US$ / 100lb
Dazu kommt ggf ein Biozuschlag (25 – 30 US$). Diesen teilt sich die Kooperative. (Zahlen stammen vom Kleber Cruz García, Kaffeeeinkäufer, GEPA). Doppelte Siegelkosten fallen in Zukunft weg. Ebenso ist die Rückverfolgbarkeit hoch. UTZ bietet Schulungen zu modernen Anbaumethoden.
Kosten für die Umstellung müssen Kooperativen selbst tragen.
Im Juli 20 erfragte ich, wie IKEA zur Corona-Zeit mit seinen Zuliefern umgeht. Das Firmen in der Lage sind (weiterhin) Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen, belegte ich u.a. mit Dr Bronner´s und Gepa.
Ich schickte 2 Studien von Oxfam zu u.a. UTZ zertifizierten Tee- und Obstplantagen. In beiden Fällen konnten keine langfristigen Verbesserungen erzielt werden.
Den höchsten Standard bieten, meiner Meinung nach, Fairhandelsimporteure, wie z.B. Gepa, El Puente oder Globo. Ihr einziger Unternehmenszweck ist der Faire Handel.
Ebenso fragte ich nach Wirkanalysen zu existenzsicheren Löhnen bei UTZ.
Ich forderte das Einrichtungshaus dazu auf, sein Handeln an den UN-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte auszurichten:
-Geschäftsmodell strukturell ändern
-Risiken in allen Lieferketten analysieren, priorisieren und zentrale Aktivitäten, wie Einkaufspolitik, Preisdruck und Vertragslaufzeiten zu ändern
Des Weiteren bat ich um Positionierung zu einem Lieferkettengesetz.
Bisher sind sie sprachlos.
Zusammenfassend ist UTZ für Firmen kostengünstig. Geringfügige Erhöhungen des Durchschnittlichseinkommens ignorieren weiterhin die Folgen des Preisdrucks und sind weit entfernt von existenzsicheren Löhnen. Sie können höchstens ein Anfang sein.
Schreibt UTZ, wie ihr den neuen Standard findet!
Fragt IKEA nach ihrer Meinung zum neuen Standard, fordert sie auf Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen!
Hier noch 2 empfehlenswerte Petitionen von SumOfUs zur Zerstörung ukrainischer Wälder durch IKEA und von Inkota zu Kakaoanbau durch Rainforest Alliance.
Alles Gute für euch! Ich hoffe, wir sehen uns auf einer Veranstaltung zur Fairen Woche 2020! Liebe Grüße Melanie