Melanie Yah (geb. Weigel)Berlin, Germany
Apr 17, 2021

Nachhaltigkeit ist vielen Menschen wichtig. Das weiß auch IKEA und startet eine neue Strategie: Auf tannengrünen Plakaten werden nachhaltig(er)e Produkte beworben. Gleichzeitig gibt der Konzern in den sozialen Medien Ökotipps. Schon für 6,81 € können Kund:innen mit gutem Gewissen faulenzen.

Baumwolle ist der Hauptbestandteil vieler IKEA-Produkte

Das Möbelhaus verbraucht 0,8 Prozent der weltweiten Baumwollvorkommen für die Herstellung von Sofas, Bettwäsche und Kissen. Konventioneller Baumwollanbau erfordert große Mengen Wasser und oftmals einen hohen Chemikalieneinsatz (Pflanzenschutz- und Düngemittel). Er findet zumeist in Gegenden statt, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden. Zusätzlich sind mit der Produktion oft soziale Probleme (Kinderarbeit, niedrige Löhne usw.) verbunden.

Ikea und Baumwolle

Seit 2015 nutzt IKEA Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen. Zu 77 Prozent setzt Ikea dabei auf Baumwolle von der Better-Cotton-Initiative (BCI). Die restlichen Anteile sind zu 17% recycelt und zu 6% mit Towards-BCI*1 gekennzeichnet. BCI wurde 2005 mit dem Ziel der Verbesserung von Umwelt- und Arbeitsbedingungen im Baumwollanbau gegründet. Die Bäuer:innen werden in nachhaltigem Anbau geschult und müssen Einstiegskriterien erfüllen.

BCI und Nachhaltigkeit

BCI-Baumwolle wird im großen Stil von Konzernen, wie IKEA oder H&M eingesetzt. Sie hat weder etwas mit Bio-Anbau*2 noch mit Fair Trade zu tun. Somit bleiben die Probleme, wie massiver Pestizid- und Wassereinsatz, gentechnisch verändertes Saatgut sowie Niedriglöhne bestehen. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen werden von BCI nicht angegangen oder kontrolliert. 

Laut Utopia ist der Anbau von BCI-zertifizierter Baumwolle lediglich etwas ressourcenschonender als der konventionelle. Die Weiterverarbeitung (Spinnen, Weben, Nähen usw.) wird von BCI nicht betrachtet. Hier setzt IKEA keine Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Vom Feld bis ins Regal legen Baumwollprodukte bis zu 18.000km zurück. (Eine Erdumrundung beträgt 40.000km) Die globale Lieferkette bleibt somit trotz Better-Cotton-Siegel ausbeuterisch für Mensch und Umwelt.

Nachhaltig ist vor allem die Verwirrung

Die kleinen Verbesserungen beim Baumwollanbau werden durch den massiven Greenwashing-Effekt zunichtegemacht. Konsument:innen erachten „nachhaltigere Baumwolle“ als nachhaltig genug und setzen sie mit bio-fairen Standards gleich. Schon heute hat BCI die Bio-Baumwolle vielfach verdrängt, da sie aufgrund niedrigerer Standards und Kosten von Firmen, wie IKEA oder H&M mehr nachgefragt wird als z.B. Bio-Baumwolle.

Ähnlich wie bei Kaffee wählt IKEA bei der Baumwolle ein Nachhaltigkeitssiegel, das dem Konzern ein grünes Image verleiht, was ihm nicht zusteht. Somit bleibt der Konzern für seine Hauptkund:innen, 29- bis 40-Jährige, attraktiv und täuscht sie gleichzeitig zum Zweck seiner Gewinninteressen.

Nachhaltigkeit muss in alle Aspekte integriert werden

Mit der Petition setzen wir uns für bio-fairen Kaffee ein. Im Sinne einer langfristigen und glaubwürdigen Nachhaltigkeitsstrategie sollte IKEA als größtes Möbelhaus der Welt langfristig und ganzheitlich Verantwortung für all seine globalen Lieferketten übernehmen und diese proaktiv auf Menschenrechts- und Umweltrisiken überprüfen und angehen. Im Bereich der Baumwolle würde das bedeuten, dass verlässliche Siegel*3 (Bio, GOTS, IVN, „Fairtrade Cotton“ , „Fairtrade Textile Production“) gewählt werden und der Konzern der Fair Wear Foundation beitritt.

Nachhaltigkeit ist heutzutage kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit geworden. Hier sind vor allem Politik und Wirtschaft gefragt, Maßnahmen zu ergreifen.

Was kannst du tun?

  • Engagiere dich bei der Initiative Lieferkettengesetz! Fordere die Abgeordneten in deinem Wahlkreis mit einem Klick dazu auf, sich für ein starkes Lieferkettengesetz einzusetzen! (Töchter ausländischer Unternehmen werden erfasst, wenn sie ihren Sitz in Deutschland haben und die Schwellen der Unternehmensgrößen überschreiten (ab 2023 3.000 Mitarbeiter:innen) Ikea Holding GmbH würde somit berücksichtigt werden.
  • Unterstütze und verbreite die (Inhalte dieser) Petition!
  • Kommentiere den Werbespot und die Ökotipps von IKEA auf Youtube, Facebook und Instagram!
  • Stell den Mitarbeiter:innen deine Fragen zu den nachhaltig(er)en Produkten und Siegeln und der langfristigen Strategie von IKEA!

 

*1 Towards-BCI: bedeutet Towards-Better-Cotton und bezieht sich auf Baumwollenbau, der sich am BCI orientiert, die Kriterien dieses Stands jedoch noch nicht vollständig erfüllt.

*2 Bio-Baumwolle braucht aufgrund nachhaltigerer Anbaumethoden meist weniger Wasser: Tröpfchen- und Regenbewässerung kann bis zu 90 Prozent Wasser sparen. Es dürfen weder synthetische Pestizide und Dünger noch Gentechnik eingesetzt werden. Das schont die Böden, Gewässer, Artenvielfalt, Arbeiter:innen und Gemeinden vor Ort.

*3 Bio-Baumwolle gewährleistet ökologischen Anbau, während GOTS und IVN beim Anbau soziale Mindeststandards garantieren. Der Verzicht von Pestiziden dient auch dem Schutz der Arbeiter:innen. Als verlässliche Aussage (auch zu den Arbeitsbedingungen in der Weiterverarbeitung der Baumwolle) dienen zusätzliche Zertifizierungen wie „Fairtrade Cotton“ oder „Fairtrade Textile Production“.  

Weitere Links zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=rdiizIDBMns&ab_channel=WALULISSTORY-SWR3 (10.2020)

https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/ohne-fraeulein-smilla-fuer-seine-nachhaltigkeitskampagne-macht-ikea-einen-mitarbeiter-zum-erklaerbaer-186055 (9.2020)

https://www.konsument.at/greenwashing022019?pn=5 (3.2020)

https://newfinance.today/ikea-investiert-in-nachhaltigkeit/ (05.2019)

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X