

Liebe Freund*innen von Sea-Eye,
vor genau zehn Jahren stand Europa im langen Sommer der Migration an der Seite von Geflüchteten. Ein wichtiges Signal schallte von den Bahnhöfen hinaus in die Welt: Refugees welcome! 2025 sehen wir eine andere Realität: Abschottung, Entrechtung und erschütternde Vorfälle auf See. Über 30.000 Menschen sind allein in den letzten zehn Jahren im Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst.
Spende jetzt für Menschen auf der Flucht!
Die italienischen Behörden verschließen nicht nur die Augen, wenn Menschen in Lebensgefahr sind – sie halten uns auch aktiv vom Retten ab: Nachdem unsere Crew in den vergangenen zwei Wochen 115 Menschen aus Seenot retten konnte, wurden uns nach beiden Einsätzen Häfen zugewiesen, die mehrere Tage Fahrt bedeutet hätten. Das Perfide an der systematischen Behinderung: Die Behörden ignorierten nicht nur unsere wiederholten Hinweise, dass die SEA-EYE 5 technisch nicht auf solch weite Strecken ausgelegt ist und die Zeit an Bord gesundheitliche Risiken für die schutzsuchenden Menschen mit sich bringt – sie halten uns damit auch wissentlich aus dem Rettungsgebiet fern.
Stehen wir für Menschlichkeit und Solidarität ein, antwortet Italien mit einer bekannten Konsequenz: Die SEA-EYE 5 wurde Anfang der Woche im Hafen von Pozzallo festgesetzt.
Die Vorgeschichte? Genau wie nach der Rettung eine Woche zuvor - ein erneutes behördliches Tauziehen um den Ausschiffungshafen. Nach der Rettung von 65 Menschen wies das MRCC Rom zunächst den 390 Seemeilen entfernten Hafen Tarent zu – trotz unzureichender Reichweite und Wasserreserven an Bord. Erst nach massivem Druck und Berufung auf internationales Seerecht lenkte die Leitstelle dieses Mal ein und erlaubte die Anfahrt des näher gelegenen Hafens Pozzallo.
Aus kurzzeitiger Erleichterung wurde nur wenig später desillusionierte Ernüchterung. In Pozzallo angekommen, sollte zunächst nur ein sogenanntes Transshipment erfolgen: Die Crew sollte Schutzbedürftige für die Übergabe an ein Patrouillenschiff auswählen, der Rest sollte weiter nach Tarent gebracht werden. Nach einer weiteren medizinischen Evakuierung, einer stundenlangen Verhandlung und unter Verweis auf akute Notlagen durfte die SEA-EYE 5 schließlich gegen 20:30 Uhr in den Hafen einlaufen und alle Geretteten an Land bringen. Nach der Ausschiffung wurde das Schiff zunächst unter Quarantäne gestellt. Am Montagabend erfolgte schließlich die offizielle, 20-tägige Festsetzung – die erste seit Inbetriebnahme der SEA-EYE 5 im Dezember 2024.
Zum heutigen Weltgeflüchtetentag heißt unsere deutliche Antwort: Solidarität. ✊
Um möglichst wirksam für Menschlichkeit einzustehen und Schutzsuchenden in Seenot zur Hilfe kommen zu können, brauchen wir Dich und Deinen Support. Vor einer Woche haben wir eine Spendenkampagne gestartet, bei der Deine Spende dank einer großzügigen Unterstützerin verdoppelt wird.
Jetzt spenden und doppelt helfen!
Herzliche Grüße
Gorden Isler
– Vorsitzender von Sea-Eye e.V.