Liebe Freund*innen von Sea-Eye,
ein überfülltes Fiberglasboot, Menschen mit starken Schmerzen – und dazu zieht noch stürmisches Wetter auf: Diesen Seenotfall meldete uns das Rettungsschiff MARE*GO am Pfingstmontag. Auch am Feiertag macht unsere Crew keine Pause: Alles wird vorbereitet für die Evakuierung von 52 Menschen. Rettung naht!
Am Nachmittag erhielt die SEA-EYE 4 einen Notruf des Seenotrettungsschiffs MARE*GO der Zusammenland gUG, welches das seeuntüchtige Boot gefunden hatte. Dessen Besatzung konnte die Insassen mit Rettungswesten ausrüsten und das Boot stabilisieren. Da sich das Wetter zu verschlechtern drohte, rief sie unser Rettungsschiff zu Hilfe, das nach etwa zweistündiger Fahrt am Einsatzort eintraf.
„Als wir ankamen, fanden wir das Boot überfüllt und ungeeignet für die Überfahrt über das Mittelmeer vor. An Bord waren 52 Menschen, die meisten von ihnen aus Syrien. Unser schnelles Eintreffen am Einsatzort war dabei entscheidend, da sich die Wetterbedingungen in der Nacht deutlich verschlechterten”, berichtet Julie Schweickert, Einsatzleiterin an Bord der SEA-EYE 4.
Sofort begann die Crew mit der Evakuierung: Dabei waren zwei Personen aufgrund starker Schmerzen nicht in der Lage, selbstständig an Bord zu gelangen und mussten mittels Rettungssitz aus dem Rettungsboot gehievt werden. Bordärtzin Dr. Daniela Klein von German Doctors e.V. stellt fest: „Der anfängliche Verdacht auf Kopf- bzw. Wirbelsäulenverletzung hat sich bei der Untersuchung im Bordhospital glücklicherweise nicht bestätigt, und unter Schmerzmedikation besserte sich ihr Zustand im Verlauf der Zeit."
Mehrere weitere Patient*innen klagen über schmerzhafte Prellungen, die sie sich auf der unruhigen Überfahrt im überfüllten Boot zugezogen haben. Aufgrund des schlechten Wetters und hoher Wellen leiden viele der Geretteten zudem unter Seekrankheit. Die nächste Nachricht lässt uns daher fassungslos zurück: Obwohl wir schutzbedürftige Menschen an Bord haben, die jetzt einen sicheren Ort brauchen, wurde uns der Hafen von Ravenna zugewiesen, der unglaubliche 5 Tage (!) entfernt ist.
Dorthin ist unser Schiff nun unterwegs – mit voller Kraft! Die Ferngläser bleiben dabei weiter aufs Meer gerichtet: Falls in den stürmischen Wellen noch weitere Menschen in Seenot geraten. Denn unser Versprechen nach den vergangenen 2 Monaten der unrechtmäßigen Festsetzung steht: Es gibt für uns kein Innehalten mehr – wir geben alles, um so viele Menschen wie möglich zu retten: #LeaveNoOneToDie!
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Herzliche Grüße
Gorden Isler
- Vorsitzender von Sea-Eye e. V.
