Petition updateRÜSTUNSKONZERNE MÜSSEN FÜR FLÜCHTLINGE ZAHLENRolle des Hamburger Hafens als Drehkreuz für den Waffenhandel/Jemen
Ursula MathernMerxheim, Germany
Nov 26, 2018

Martin Dolzer, friedenspolitischer Sprecher der Fraktion von Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, machte am Freitag auf die Rolle des Hamburger Hafens als Drehkreuz für den Waffenhandel aufmerksam:

2.297,73 Tonnen Munition wurden in den letzten viereinhalb Monaten durch den Hamburger Hafen transportiert, durchschnittlich 17,5 Tonnen pro Tag. Die Exporte gingen unter anderem nach Dubai, Brasilien und Kolumbien, wie die Antwort des Senats auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft (Drs. 21/14944) belegt. Im Frühjahr 2018 waren es noch durchschnittlich zwölf Tonnen am Tag. »Jede Patrone und jede Waffe, die durch den Hamburger Hafen in die Welt geht, bedeutet potentiell Gefahr für Menschenleben«, erklärt Martin Dolzer. »Bisher und auch in der Antwort auf meine Anfrage gibt der Senat lediglich die Zielhäfen der Transporte an. Das allein sagt aber nur wenig aus. So ist zum Beispiel fraglich, ob die Munition, die in Häfen wie Dubai ankommt, auch im Land bleibt – und nicht etwa z. B. im Jemen-Krieg verwendet wird.«

(Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/344030.innenministern-den-marsch-blasen.html

 

Hintergrund: Reiches Armenhaus
In arabischen Medien ist seit längerem davon die Rede, dass der Jemen über größere Ölvorkommen als die Länder am Persischen Golf zusammen verfüge. Demnach verhindere ein seit 30 Jahren bestehendes Geheimabkommen zwischen Riad und Washington, dass die jemenitische Regierung diese Ressourcen fördert und sich damit der saudischen Kontrolle entziehen könnte. Jetzt hat auch der deutsche Geograph und Leiter des Mainzer Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt Günter Meyer unter Bezugnahme auf diese Berichte die Situation im Jemen als »Wirtschaftskrieg« bezeichnet.

Die Ölvorkommen sollen sich laut Experten insbesondere in den östlichen Regionen Al-Dschauf, Schabwa und Hadramaut sowie in Ma’rib befinden. Dazu passt, dass Riads Botschafter im Jemen ein Großprojekt des saudiarabischen »Entwicklungs- und Wiederaufbauprogramms für den Jemen« in Ma’rib erst kürzlich als »Bemühungen um eine Zusammenführung der Regionen Al-Dschauf, Schabwa und Hadramaut« bezeichnete – Zufall? Riad hat zudem damit begonnen, einen Ölhafen sowie eine Pipeline in der jemenitischen Provinz Al-Mahra zu bauen.

Für Riad würde die Existenz immenser Ölvorräte im Nachbarland eine gefährliche Konkurrenz bedeuten,…. Eine direkte oder über eine Vasallenregierung ausgeübte saudische Kontrolle über den Jemen könnte nicht nur Konkurrenz auf dem Ölmarkt verhindern, sondern vorübergehend gar eine saudische Ausbeutung der jemenitischen Ressourcen oder zumindest eine Beteiligung am Gewinn ermöglichen.

Es liegt auf der Hand, dass die Ansarollah – die mit dem Versprechen angetreten sind, den Jemen von der jahrzehntelangen saudischen Kontrolle zu befreien – zu keiner Unterordnung unter Riads Interessen bereit sind. Auf keinen Fall will aber Saudi-Arabien ihre langfristige Kontrolle über die Bab-Al-Mandab-Meeresstraße zulassen, einen der meistfrequentierten Schiffahrtskorridore weltweit, auf dessen Nutzung nicht allein Saudi-Arabien angewiesen ist. Der große Rückhalt der Ansarollah in der Bevölkerung und ihre Kontrolle über weite Teile des Landes stellen darum in den Augen des saudischen Königshauses eine reale Gefährdung der eigenen wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen dar. An Frieden mit ihnen hat Riad kaum ein Interesse. (wd)

(Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/344004.jemen-hintergrund-reiches-armenhaus.html

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