Vollumfänglicher Erhalt des Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen


Vollumfänglicher Erhalt des Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen
Das Problem
Wir sind ein Zusammenschluss aktueller und ehemaliger Studierender am „Studio Literatur und Theater“ (SLT). Die Leitung des SLT, Dagmar Leupold, geht zum 31.07.2021 in den Ruhestand. Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht aufgenommen, dass mit dem Fortgang Dagmar Leupolds das SLT im kommenden Wintersemester in der bestehenden Form nicht weitergeführt wird.
Das SLT ist im deutschsprachigen Raum die einzige Einrichtung im Bereich Literarisches Schreiben, die Studierenden aller Fachrichtungen als Zusatzangebot zur Verfügung steht. Im Unterschied zu den Institutionen in Leipzig, Hildesheim, Wien und Biel, geht es nicht allein um die Förderung künstlerischer Talente, sondern auch um ein Seminarkonzept, das ein grundlegenderes Nachdenken über die Rolle des Weltmediums Sprache im Kontext akademischer Bildungsbiographien einschließt. In Zeiten ubiquitärer Erosion im Bereich Kunst und Kultur sendet die Universität ein fatales Signal, wenn sie den Betrieb einer erfolgreichen, lebendigen und äußerst nachgefragten Einrichtung wie das SLT einstellt.
Die Vermutung liegt nahe, dass es dem SLT wie dem alteingesessenen Zeicheninstitut ergehen wird, das zwar nominell noch existiert, tatsächlich aber im Programm des Studium Professionale nur mehr in Schrumpfform auftritt. Die Tatsache, dass die zum 01.08.2021 zu besetzende Stelle der SLT-Leitung immer noch nicht ausgeschrieben ist, gibt allen Grund zur Besorgnis. Die Universitätsleitung hat auf Nachfragen der Studierenden, der Studioleiterin und der Presse keine klare Aussage zum Verbleib der Einrichtung gegeben. Es handle sich um unabgeschlossene strukturelle Überlegungen, getragen von dem Wunsch, das SLT möge „stärker in die Universität hineinwirken“.
Unser Gesprächsangebot vom 25.03.2021, in dem wir gerne mit Herrn Rektor Engler und Frau Prorektorin Amos darüber gesprochen hätten, was das bedeuten soll und wie wir als engagierte Studierende in einen Veränderungsprozess eingebunden werden können, ist bis heute leider unbeantwortet.
Für uns ist deshalb klar: Das SLT soll möglichst still und leise de-institutionalisiert und marginalisiert werden. Einige wenige Creative-Writing-Kurse im Programm überfachlicher Qualifikation können allerdings nicht annähernd die Kontinuität und Vertiefung leisten, die in einer institutionalisierten Struktur – künstlerisch qualifiziert besetzte Leitungsstelle, schlankes Sekretariat und ein Budget für vier bis sechs Gastdozenturen im Jahr – wie der des SLT möglich war. In den jüngsten Bildungsstudien werden die "Modi der Welterfahrung", die durch ästhetische Bildung ermöglicht werden, als unverzichtbares Korrelat zu einer wissenschaftlichen und technischen Weltaneignung hervorgehoben. Diese Erfahrungen lesend und schreibend zu vermitteln, war das Kerngeschäft des SLT. Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen haben den künstlerischen Abschluss, das Zertifikat, am SLT abgelegt und sind mittlerweile im eigenen Recht Autorinnen und Autoren in renommierten Verlagen, etliche haben Preise und Stipendien gewonnen.
Wir verstehen nicht, warum dieses vitale und produktive "Habitat" stillgelegt werden soll; wir bitten daher die Universitätsleitung, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und das SLT in seiner bisherigen Form weiterzuführen. Das bedeutet konkret:
- Die institutionelle Würdigung des SLT als eigenständige zentrale Einrichtung der Universität Tübingen;
- die Besetzung der zum 01.08.2021 frei werdenden Stelle der SLT-Leitung mit einem/einer hinreichend künstlerisch qualifizierten Schriftsteller/in;
- den Erhalt fester und adäquater Seminarräume, eines Sekretariats und Budgets für 4-6 Gastdozenturen pro Jahr.
Update vom 25.04.2021: Die Universität Tübingen hat am 23.04.2021 eine Pressemitteilung zum Verbleib des SLT veröffentlicht. Wir haben eine Neuigkeit dazu verfasst.
Im Zuge dessen hat die Prorektorin der Universität Tübingen auf unser Gesprächsangebot reagiert und einen Dialog in Aussicht gestellt.
Pressestimmen
Peter Ertle: Aus für das Studio Literatur und Theater: Mangelndes Hineinwirken? In: Schwäbisches Tagblatt vom 09.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Mangelndes-Hineinwirken-496965.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Ingo Schulze: „Wer das Studio Literatur und Theater abschaffen will, begeht einen Frevel“. In: Schwäbisches Tagblatt vom 15.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Was-wir-wollen-497518.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Wolfgang Hegewald: Wider den Analphabetismus im Umgang mit den Hochschulen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.04.2021, S. 16. Online abrufbar unter: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/wider-den-analphabetismus-im-umgang-mit-den-hochschulen-17296876.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Studio Theater und Literatur der Uni Tübingen: Entsetzen über die drohende Schließung. Gespräch des SWR2 mit Dagmar Leupold. Geführt in der Sendung SWR2 Journal am Mittag vom 21.04.2021, 12:33 Uhr. Online abrufbar unter: https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/petition-gegen-die-drohende-schliessung-des-studios-theater-und-literatur-der-uni-tuebingen-100.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021)
Eva Menasse: Bazooka feuert rückwärts. Gegen die Schließung des Studio Literatur und Theater. In: Schwäbisches Tagblatt vom 23.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Bazookafeuert-rueckwaerts-498636.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Peter Ertle: Creative Writing an der Uni: Die Stelle wird neu besetzt. In: Schwäbisches Tagblatt vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Creative-WritingDie-Stelle-wird-neu-besetzt-499084.html (zuletzt abgerufen am 28.04.2021)
Peter Ertle: Die Straße und das Rektorat. Die Stelle wird neu besetzt. In: Schwäbisches Tagblatt vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Die-Strasse-und-das-Rektorat-499080.html (zuletzt abgerufen am 28.04.2021)
Christine Keck: Studio Literatur und Theater der Uni Tübingen: Wird die Wortwerkstatt zerschlagen? In: Stuttgarter Zeitung vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studio-literatur-und-theater-der-uni-tuebingen-wird-die-wortwerkstatt-zerschlagen.025ca470-0093-46a8-89d1-ad7e990f26c3.html?reduced=true (zuletzt abgerufen am 29.04.2021).

Das Problem
Wir sind ein Zusammenschluss aktueller und ehemaliger Studierender am „Studio Literatur und Theater“ (SLT). Die Leitung des SLT, Dagmar Leupold, geht zum 31.07.2021 in den Ruhestand. Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht aufgenommen, dass mit dem Fortgang Dagmar Leupolds das SLT im kommenden Wintersemester in der bestehenden Form nicht weitergeführt wird.
Das SLT ist im deutschsprachigen Raum die einzige Einrichtung im Bereich Literarisches Schreiben, die Studierenden aller Fachrichtungen als Zusatzangebot zur Verfügung steht. Im Unterschied zu den Institutionen in Leipzig, Hildesheim, Wien und Biel, geht es nicht allein um die Förderung künstlerischer Talente, sondern auch um ein Seminarkonzept, das ein grundlegenderes Nachdenken über die Rolle des Weltmediums Sprache im Kontext akademischer Bildungsbiographien einschließt. In Zeiten ubiquitärer Erosion im Bereich Kunst und Kultur sendet die Universität ein fatales Signal, wenn sie den Betrieb einer erfolgreichen, lebendigen und äußerst nachgefragten Einrichtung wie das SLT einstellt.
Die Vermutung liegt nahe, dass es dem SLT wie dem alteingesessenen Zeicheninstitut ergehen wird, das zwar nominell noch existiert, tatsächlich aber im Programm des Studium Professionale nur mehr in Schrumpfform auftritt. Die Tatsache, dass die zum 01.08.2021 zu besetzende Stelle der SLT-Leitung immer noch nicht ausgeschrieben ist, gibt allen Grund zur Besorgnis. Die Universitätsleitung hat auf Nachfragen der Studierenden, der Studioleiterin und der Presse keine klare Aussage zum Verbleib der Einrichtung gegeben. Es handle sich um unabgeschlossene strukturelle Überlegungen, getragen von dem Wunsch, das SLT möge „stärker in die Universität hineinwirken“.
Unser Gesprächsangebot vom 25.03.2021, in dem wir gerne mit Herrn Rektor Engler und Frau Prorektorin Amos darüber gesprochen hätten, was das bedeuten soll und wie wir als engagierte Studierende in einen Veränderungsprozess eingebunden werden können, ist bis heute leider unbeantwortet.
Für uns ist deshalb klar: Das SLT soll möglichst still und leise de-institutionalisiert und marginalisiert werden. Einige wenige Creative-Writing-Kurse im Programm überfachlicher Qualifikation können allerdings nicht annähernd die Kontinuität und Vertiefung leisten, die in einer institutionalisierten Struktur – künstlerisch qualifiziert besetzte Leitungsstelle, schlankes Sekretariat und ein Budget für vier bis sechs Gastdozenturen im Jahr – wie der des SLT möglich war. In den jüngsten Bildungsstudien werden die "Modi der Welterfahrung", die durch ästhetische Bildung ermöglicht werden, als unverzichtbares Korrelat zu einer wissenschaftlichen und technischen Weltaneignung hervorgehoben. Diese Erfahrungen lesend und schreibend zu vermitteln, war das Kerngeschäft des SLT. Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen haben den künstlerischen Abschluss, das Zertifikat, am SLT abgelegt und sind mittlerweile im eigenen Recht Autorinnen und Autoren in renommierten Verlagen, etliche haben Preise und Stipendien gewonnen.
Wir verstehen nicht, warum dieses vitale und produktive "Habitat" stillgelegt werden soll; wir bitten daher die Universitätsleitung, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und das SLT in seiner bisherigen Form weiterzuführen. Das bedeutet konkret:
- Die institutionelle Würdigung des SLT als eigenständige zentrale Einrichtung der Universität Tübingen;
- die Besetzung der zum 01.08.2021 frei werdenden Stelle der SLT-Leitung mit einem/einer hinreichend künstlerisch qualifizierten Schriftsteller/in;
- den Erhalt fester und adäquater Seminarräume, eines Sekretariats und Budgets für 4-6 Gastdozenturen pro Jahr.
Update vom 25.04.2021: Die Universität Tübingen hat am 23.04.2021 eine Pressemitteilung zum Verbleib des SLT veröffentlicht. Wir haben eine Neuigkeit dazu verfasst.
Im Zuge dessen hat die Prorektorin der Universität Tübingen auf unser Gesprächsangebot reagiert und einen Dialog in Aussicht gestellt.
Pressestimmen
Peter Ertle: Aus für das Studio Literatur und Theater: Mangelndes Hineinwirken? In: Schwäbisches Tagblatt vom 09.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Mangelndes-Hineinwirken-496965.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Ingo Schulze: „Wer das Studio Literatur und Theater abschaffen will, begeht einen Frevel“. In: Schwäbisches Tagblatt vom 15.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Was-wir-wollen-497518.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Wolfgang Hegewald: Wider den Analphabetismus im Umgang mit den Hochschulen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.04.2021, S. 16. Online abrufbar unter: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/wider-den-analphabetismus-im-umgang-mit-den-hochschulen-17296876.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Studio Theater und Literatur der Uni Tübingen: Entsetzen über die drohende Schließung. Gespräch des SWR2 mit Dagmar Leupold. Geführt in der Sendung SWR2 Journal am Mittag vom 21.04.2021, 12:33 Uhr. Online abrufbar unter: https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/petition-gegen-die-drohende-schliessung-des-studios-theater-und-literatur-der-uni-tuebingen-100.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021)
Eva Menasse: Bazooka feuert rückwärts. Gegen die Schließung des Studio Literatur und Theater. In: Schwäbisches Tagblatt vom 23.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Bazookafeuert-rueckwaerts-498636.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2021).
Peter Ertle: Creative Writing an der Uni: Die Stelle wird neu besetzt. In: Schwäbisches Tagblatt vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Creative-WritingDie-Stelle-wird-neu-besetzt-499084.html (zuletzt abgerufen am 28.04.2021)
Peter Ertle: Die Straße und das Rektorat. Die Stelle wird neu besetzt. In: Schwäbisches Tagblatt vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Die-Strasse-und-das-Rektorat-499080.html (zuletzt abgerufen am 28.04.2021)
Christine Keck: Studio Literatur und Theater der Uni Tübingen: Wird die Wortwerkstatt zerschlagen? In: Stuttgarter Zeitung vom 27.04.2021. Online abrufbar unter: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studio-literatur-und-theater-der-uni-tuebingen-wird-die-wortwerkstatt-zerschlagen.025ca470-0093-46a8-89d1-ad7e990f26c3.html?reduced=true (zuletzt abgerufen am 29.04.2021).

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Petition am 15. April 2021 erstellt