Frank Manfred SchröderFrankfurt, Germany
Dec 13, 2024

Vorab zur Klarstellung: Der Autor ist begeisterter Fahrradfahrer, genauso wie seine gesamte Familie. Er erfreut sich regelmäßiger Besuche seiner Schwiegermutter aus dem Norden Frankfurts mit dem Auto, die sich mittlerweile weigert, in die Stadt zu fahren. Seine Frau führt ein mittelständisches Unternehmen mit mehreren Standorten im Stadtgebiet und ist aufgrund der innerbetrieblichen Logistik auf das Auto angewiesen.

 

Autokalypse Now! - Frankfurt im Würgegriff der (Fahrrad-) Verkehrsideologen

Stau. Wieder einmal.

Mitten in der besinnlichen Weihnachtszeit. Ich sitze in meinem Auto, eingekeilt zwischen hupenden Blechlawinen, und starre auf die endlose Schlange roter Rücklichter vor mir. Willkommen in Frankfurt, der Stadt der unbegrenzten Unmöglichkeiten – zumindest was die Fortbewegung angeht. Während ich hier festsitze, komme ich ins Grübeln.

Denn in unserer einstmals pulsierenden Finanzmetropole Frankfurt am Main vollzieht sich ein bemerkenswertes Schauspiel: Unter dem Banner der "Verkehrswende" wird hier ein Feldversuch in Sachen urbaner Selbstzerstörung durchgeführt. Wie schafft es ein einzelner Mann, eine ganze Metropole lahmzulegen? Federführend: Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert, ein Mann, der es geschafft hat, den Begriff "Mobilität" in sein Gegenteil zu verkehren.

 

Ein Mann, ein Wort, ein Verkehrschaos.

Schauen wir uns doch mal an, was unser geschätzter Mobilitätsdezernent so alles auf die Beine gestellt hat in diesem denkwürdigen Jahr 2024:

  • Stau als Lebensgefühl: Unsere Hauptverkehrsadern sind verstopft wie nie zuvor. Der durchschnittliche Frankfurter verbringt mehr Zeit im Stau als beim Äppelwoi-Trinken – und das will was heißen. Ziel ist ein verkehrspolitisches Utopia mit einer autofreien Innenstadt. Kein intelligentes modernes Miteinander, sondern einfältige Fahrrad- und Lastenrad-Monokultur.
  • Parkplatzpoker: Das städtische Parkleitsystem? Abgeschaltet. Wer parken will, muss jetzt Glück oder hellseherische Fähigkeiten haben oder steht im Stau der Zufahrt und kommt nicht mehr weg. Wieviel Geld wurde in ein funktionsfähiges Leitsystem investiert? Heute ersetzt durch Irreleitung des Autoverkehrs

  • Die Baustellen-Blockade: Ah, das Meisterwerk der Immobilität! Über 50 Baustellen, strategisch platziert wie ein perfektes Schachmatt, blühen gleichzeitig in unserer Stadt. Früher ging es bei der Baustellenplanung darum, den Verkehrsfluss zu sichern. Heute ist die Baustellenplanung ein strategisch eingesetztes Instrument zur bewussten Blockade des Autoverkehrs.

  •  Diagonal-Straßensperren: Ursprünglich konzipiert als klimafreundlicher Abwehrwall gegen SUV-Pendlerströme aus dem Taunus, ist im Ergebnis ein verkehrspolitischer Wahnsinn entstanden: Verdopplung bis Verdreifachung des Mikroverkehrs und des CO2-Ausstoßes durch massive Umwege.
     
  • Schilderwahnsinn: Und als wäre das alles nicht genug, der Gipfel der Absurdität: Radwege, die von unübersichtlichen Schilderwäldern flankiert werden. Der Grüneburgweg: 566 Verkehrszeichen auf 1100 Metern – damit hat es die Stadt Frankfurt sogar deutschlandweit in die Funk- und Printmedien geschafft – als Negativbeispiel.

  • Denunziantentum: Als Krönung der neuen Verkehrspolitik hat Herr Siefert nun auch noch ein digitales Denunziantentum geschaffen. Über ein Online-Portal können Bürger Parkverstöße melden – und das tun sie fleißig: Über 19.000 Meldungen seit Februar, mehr als 100 pro Tag! Dabei trifft es nicht nur rücksichtslose Falschparker, sondern auch Lieferfahrzeuge, Taxis und Pflegedienste, die oft keine andere Wahl haben. Und das Beste daran? Für Fußgänger gibt es keine Möglichkeit, Behinderungen durch Fahrräder, E-Roller oder Lastenräder zu melden. Bürger gegeneinander aufzuhetzen – das ist wahre Verkehrspolitik!

  • Der "ehrliche" Fahrplan: Anfang 2024 hat unser Mobilitätsdezernent einen sogenannten "ehrlichen Fahrplan" für den ÖPNV eingeführt. Die Taktzeiten wurden zum Teil deutlich verschlechtert, angeblich um Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen zuverlässiger fahren zu lassen. Das Ergebnis? Nicht nur, dass die versprochene Zuverlässigkeit ausblieb, nein, jetzt wird das Angebot ab Dezember 2024 sogar noch weiter verschlechtert. So gelingt Verkehrswende nicht, Herr Siefert.

Aber vielleicht ist das ja genau Ihr Plan? Aber Siefert wäre nicht Siefert, wenn er sich mit dem Erreichten zufriedengeben würde. Oh nein, für 2025 hat er noch Großes vor:

  • Fußgängerzone Innenstadt: Einzelhandel ist sowieso überbewertet. Amazon liefert ja bis vor die Haustür – sofern der Lieferwagen durchkommt. In den sozialen Medien und im Historischen Museum sind bereits ein Fahrrad-Utopia am Eschenheimer Turm visualisiert. Auto sind nicht mehr da, es sieht aus wie in Kronberg in der Fußgängerzone oder wie im Freizeitpark, hat nur nicht mehr mit einer gewerbesteuerproduzierenden und wohlstandsgenerierenden Großstadt zu tun.

  • "De-gentrifizierung": Verdrängung von attraktiven mittelständischen Nahversorgern und der urbanen Infrasktruktur, dafür Etablierung gastronomischer Monokulturen mit hohem Erlebnis- und Lärmfaktor.

  • Tempo 30 überall: Weil Schneckentempo einfach zu viel des Guten wäre. Natürlich begleitet mit strengsten Verkehrskontrollen, bei denen man auf dem Alleenring mit 33 km/h geblitzt wird und womöglich seinen Führerschein verliert: wieder einen Autofahrer aus dem Verkehr gezogen.

Ein Mann, eine Mission

Man muss unserem Mobilitätsdezernenten eines lassen: Er schafft es, was kein Politiker vor ihm geschafft hat. Statt sozialem Zusammenhalt, Wachstum und Wohlstand erleben wir ein Klima der Aggression, Umwelt- und Lärmverschmutzung und sinkende Gewerbesteuereinnahmen. Chapeau!

Während ich hier im Stau stehe und die Weihnachtsbeleuchtung in den

Schaufenstern der geschlossenen Läden bewundere, frage ich mich: Ist das die Zukunft, die wir wollen? Eine Stadt, in der Krankenwagen im Verkehr stecken bleiben, wo Baustellen wie Geisterstädte wirken und wo man für eine Parkhauseinfahrt mehr Zeit braucht als für einen Mittelstreckenflug?

 

Aufruf zur Vernunft

Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, es ist Zeit aufzuwachen!

2025 steht vor der Tür, und mit ihm die Chance auf Veränderung. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass unser Mobilitätsdezernent endlich seinem Titel gerecht wird – und zwar in Bewegung Richtung Arbeitsamt.

Die Petition der Bürgerinitiative unter dem Namen „Frankfurt-gemeinsam-unterwegs„ - https://www.frankfurt-gemeinsam-unterwegs.de - steht im Netz.

Verteilt sie, unterschreibt sie, lebt sie! Von Holzhausen bis Bergen-Enkheim, von Dornbusch bis Sachsenhausen – lasst uns Frankfurt wieder zu einer Stadt machen, in der man nicht nur steht, sondern auch fährt.

Wir sind fast ALLE auch Fahrradfahrer und Fußgänger in einer Person, und ich nutze so oft es geht das Fahrrad. Wir haben Kinder, die einen sicheren Schulweg haben wollen, und wir wollen weniger Auto- und Pendlerverkehr, aber nicht zu jedem Preis.

Denn eines ist sicher: Wenn wir jetzt nicht handeln, wird der einzige Verkehr, den wir noch erleben werden, der Abverkauf unserer einst so lebendigen Innenstadt sein.

In diesem Sinne: Engagieren Sie sich und unterstützen sie die Petition!

Frohe Weihnachten und gute Fahrt – falls Sie es jemals aus diesem Stau herausschaffen sollten.

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