
Der Abschlußbericht Oeder Weg, die wissenschaftliche Begleitung der „fahrradfreundlichen Nebenstraßen in Frankfurt am Main“, wurde am 25.4.2024 der Presse vorgestellt. Das erfolgte durch den Verkehrsdezernenten der Stadt Frankfurt am Main, Wolfgang Siefert, und durch Professor Dr.-Ing. Dennis Knese von der University of Applied Sciences in Frankfurt, der die Umgestaltung des Oeder Weges wissenschaftlich begleitet hat. Am gleichen Tag, dem 25.4.2024, erschien auf „Frankfurt.de“, dem offizielle Stadtportal von Frankfurt, eine Meldung über den Abschlußbericht des Oeder Weges.
Danach hat sich der Autoverkehr im Oeder Weg von 9000 Autos auf 4000 Autos vermindert, wird Denis Knese zitiert. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Fahrradfahrer im Oeder Weg von 2000 auf 4000 verdoppelt. Weder in der Pressemeldung, noch im Abschlußbericht, gibt es wissenschaftliche Aussagen über die Auswirkungen auf das Klima. Es war nicht Gegenstand der Begleitung.
Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger nehmen üblicherweise den kürzesten Weg, um ihre Ziele zu erreichen. Fahren jetzt die Autos nicht mehr durch den Oeder Weg, fahren sie dann einen Umweg? Das wurde im Abschlußbericht nicht untersucht. Nach Bildung der Sperren fahren 5000 Autos weniger durch den Oeder Weg. Wo sind die Autos hin? Laut wissenschaftlicher Begleitung der Umgestaltung des Oeder Weges fahren jetzt 2000 Autos mehr in der Eckenheimer Landstraße. Sie fahren einen Umweg belasten das Klima im Nordend stärker als vorher. Ob die anderen Autos über die Eschersheimer, die Friedberger, die Berger Straße oder den Sandweg fahren, hat Dennis Knese nicht untersucht. Die Zahl der Autos in Frankfurt hat zugenommen, der ÖPNV hat sich verschlechtert hat, Park+Ride-Parkplätze sind nicht entstanden. Daher kann man davon ausgehen, daß sich die Zahl der Fahrzeuge, die im Nordend zwischen dem Anlagen- und Alleenring fahren, nicht vermindert hat. Fahren Sie jetzt Umwege und belasten das Klima mehr als vorher?
Was sagen die 1943 Befragten, die in der wissenschaftlichen Begleitung zum Oeder Weg befragt wurden? In der Pressemitteilung ist davon nichts zu finden. Im Abschlußbericht wurde Seite 110 gefragt, hat sich ihre Einstellung seit der Umgestaltung des Oeder Weges geändert. 244 der 1943 Befragten gaben an, daß ihre Einstellung positiver geworden ist (z.B. wegen Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität, verbesserte Sicherheit und Verkehrsberuhigung, Förderung des Fahrradverkehrs und Reduktion des Autoverkehrs). Von den 1943 ausgefüllten Fragebögen sagten 292 Befragte, ihre Einstellung sei negativer geworden ist. 132 begründeten das mit der zunehmenden Rücksichtslosigkeit und Aggressivität unter den Verkehrsteilnehmern, besondere zwischen Radfahrern und Fußgängern. Und 101 Befragte beklagten Umwege und erhöhten Verkehr in angrenzenden Wohngebieten. 88 nannten die Verschlechterung der Erreichbarkeit (auch für Krankenwagen Feuerwehr und Polizei) und der Parksituation. Es sagen also mehr Befragte, daß ihre Einstellung negativer geworden ist.
Unter dem Punkt „Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge und Wünsche der Befragten“ gibt es ab Seite 60 folgende Angaben. 602 der 1943 Befragten begrüßen die Umgestaltung und wollen Sie erhalten und verbessern. 537 wünschen den Rückbau. 493 geben an, ihre Nutzung des Oeder Weges geändert zu haben und stellen die negativen Folgen des Umbaus fest. Das ist deutlich: 602 Befragte (31%) begrüßen die Umgestaltung des Oeder Weges, während sich 1030 Befragte (53% - mehr als die Hälfte) ablehnend äußern.
Es gibt also keinen Grund, aus dem Abschlußbericht herauszulesen, daß die Umgestaltung des Oeder Weges ein Erfolg ist. Es gibt keine wissenschaftlich belegte positive Auswirkung auf das Klima im Nordend. Wissenschaftlich belegt ist aber, daß deutlich mehr Befragte die Umgestaltung des Oeder Weges ablehnen.
Link zum Abschlußbericht Oeder Weg der wissenschaftlichen Begleitung der „fahrradfreundlichen Nebenstraßen in Frankfurt am Main“
Noch ein Hinweis: Am 6. Juni 2024 um 19.30 Uhr tagt der Ortsbeirat für den Ortsbezirk 3 Nordend im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum in der Rothschildallee 16a in Frankfurt am Main.
Unter anderem geht es dabei um TOP 16, dem Antrag der Grünen, der Linke, Volt und der ÖkoLinX-ARL für die „Verstetigung der Umgestaltung des Oeder Wegs“. Allgemein gesagt wird da gewünscht, die jetzige Umgestaltung des Oeder Weges soll beibehalten werden, sie soll Vorbild für weitere Umgestaltungen sein und Superblocks sollen entstehen.