Petition updateVerhindert die Auslieferung von Julian Assange an die USA!Heute Assange, morgen JEDERMENSCH, der sich nicht systemkonform verhält!
Thilo HahnPF, Germany
Feb 25, 2020

Wer in Württemberg lebt und mit der Landesgeschichte „a weng“ vertraut ist der hat es ggf.etwas leichter im Falle des Julian Assange auf die „springenden Punkte“ gebracht zu werden, denn der/diejenige kennt die Geschichte des Dichters Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 -1791), der immerhin 10 Jahre seines Leben auf der Festung Hohen Asperg eingekerkert wurde und in allerlei Hinsicht wie eine ‚Blaupause‘ für den Fall des Julian Assange anmutet; dazu verkürzt Auszüge des Schubart Biografen Heiner Jestrabek:

Von der Unschädlichmachung eines Freigeistes
Der unbequeme Journalist Schubart sollte unschädlich gemacht werden. Und es begann ein Komplott mit der herzoglichen Order vom 18. Januar 1777. Die von langer Hand vorbereitete Intrige, auf Geheiss Herzog Karl Eugens und die, als wahrscheinlich geltende, Mitwirkung der Jesuiten bei der Denunziation und Verhaftung, lockte Schubart unter einem Vorwand nach Blaubeuren ins Württembergische. Dort wurde er verhaftet und zum Hohenasperg geschafft. So begann seine über zehn Jahre dauernde Zeit auf dem Asperg, ohne Anklage, ohne Prozess. der mutige Schubart sollte mundtot gemacht werden und dies sollte zu Abschreckung für alle Freigeister im Land dienen. Schubarts Haft begann zunächst mit 377 Tagen Totalisolation. Karl Eugen hielt Schubart für eine Art "deutschen Votaire" und wollte an ihm ein Exempel statuieren: seine Freigeisterei unter allen Umständen austreiben, um den Widerstandswillen seines Volks zu brechen. Er bediente sich hierzu eines pädagogischen Experiments: Schubart sollte zu einem frommen und kirchentreuen Untertanen umerzogen werden. Ein so gewandelter Schubart sollte wohl mehr nützen, als ein hingerichteter Freiheitsmärtyrer.

Von der religiösen Gehirnwäsche
Die Umerziehung wurde eingeleitet von dem brutalen Festungskommandanten Oberst Rieger und einem alten Bekannten, Schubarts Ludwigsburger Widersacher, Dekan Zilling. Diese beiden Leuteschinder führten einen bezeichnenden Briefwechsel über die Frage, wann und wie der Sünder wieder an Tröstungen der heiligen Religion herangeführt werden sollte. Der sich als geistiger Beistand tarnende religöse Drill muss einer Gehirnwäsche gleichgekommen sein. Schubart wurde zermürbt und verfiel in grässliche Reueschwüre und Selbstanklagen. Er litt an Depressionen und kam sogar so weit, Gott für die Gefängnishaft, als Chance zur Einkehr, zu danken. Vieles davon drückt sich in Schubarts später geschriebenen Lebenserinnerungen aus, die voll von deprimierenden Selbstanklagen und Selbstzweifeln sind. Schubart war schliesslich weitgehend isoliert und zermürbt. Jahrelang durfte ihn noch nicht einmal seine Frau besuchen. Wer wollte ihm da seine Schwäche vorwerfen? Von der Fürstengruft 1780 hoffte Schubart auf die Zusage zu seiner Entlassung, wurde aber enttäuscht. Seine trotzige Reaktion war das gleichnamige Gedicht. Zur gleichen Zeit ging das Gerücht um, Schubart könnte nach seiner Entlassung Lehrer an der Carlschule werden. Nach der Aufhebung des Schreibverbots schrieb Schubart über dieses Ansinnen seiner Frau:

7. Januar 1781: "Im übrigen dank ich Gott, dass ich nicht in die Akademie komme. Dieser Posten hat für mein Temperament und jetzigen Grundsätzen so viel Widerliches, dass ich meinen Ekel nicht beschreiben kann. Ich taug in keine Sklavenfabrik. Lieber als Dorfschulmeister für's Reich Jesu arbeiten als mit dem Titel eines Professors Sklav sein und Sklaven machen. Unterwürfigkeit werd' ich mir überall gefallen lassen, und das hab' ich gewiss in meiner vierjährigen Gefangenschaft gelernt, aber meinem Geist Fesseln anlegen lassen und selbst Geister in Ketten legen helfen, dafür behüt mich, lieber Herre Gott!"

Dieser Brief und die schnell populär gewordene "Fürstengruft" klangen natürlich ganz anders, als die Bekenntnisse eines reuigen Sünders. Schubart hatte sich wohl wieder gefangen und seine Peiniger genarrt. Die Nachwelt mag sich selbst darüber ein Urteil bilden, ob Isolationshaft und religiöse Gehirnwäsche bei Schubart nachhaltig gewirkt hatten, oder ob er sie nicht alle an der Nase herumgeführt hatte.

...

Auf diesen eher schwachen Trost sollte es im Falle des Julian A. nicht hinauslaufen.

Besonders gewichtig muss im Falle Assange wirken, dass wir heutzutage in so genannten Demokratien und Rechtsstaaten leben und somit ein großer Unterschied zu einem absolutistischen Herrscher wie dem historischen Herzog Karl Eugen markiert sein müsste! Müsste - denn in der Realität finden wir davon eigentlich n i c h t s  vor! Wir könnten jetzt darüber streiten, ob der „Grundimpuls“, der zu der Verschleppung aus der Botschaft Ecuadors führte, von der (aktuellen) amerikanischen Administration oder ihrem („demokratischen“) Vorgänger ausging? Diesen Streit können wir uns sparen, denn wesentlich wichtiger und bedenklicher ist es gewahr zu werden, wie sehr die „allgemeine Presse“ -wie in einer Art von Dauer-Karneval- hinter dem amerikanischen Anklagewagen her-schwadroniert und ins gleiche Horn bläst, wonach Assange das alles nämlich gar nicht durfte, weil er nie ein wirklicher und echter Journalist war! Wer solchen – pardon- Mist heute noch schreibt, der ist komplett fern von der Brisanz der Situation, die nämlich ein schwergewichtiger Versuch ist, nicht nur die „Freie Presse“ endültig abzuschaffen! Denn es gilt: Heute Assange, morgen JEDERMENSCH, der sich nicht systemkonform verhält! Dieser schlichte Gedanke sollte endlich verstanden werden: Die Vernichtung Assanges ist auch der Versuch der Vernichtung der freien Individualität! Deshalb hoffe ich darauf, dass an diesem heutigen weiteren „Verhandlungstag“, jeder der diese Zeilen liest und sich zu Herzen nimmt, auch die richtigen Schritte für eine adäquate Aktion zu FREE ASSANGE findet!

(Thilo A. Hahn, 25.2.2020)

 

Literatur:

1. http://www.schubbi.org/cfd/lebenslauf.html

2. https://de.m.wikisource.org/wiki/Ein_Opfer_deutscher_F%C3%BCrstenwillk%C3%BCr

3. SWR2 Musikstunde, “Das turbulente Leben des Christian Friedrich Daniel Schubart“ (1),Von Stephan Hoffmann

4. https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/geschichte/870261-Der-verfolgte-Journalist.html

5. Schubart, Die Fürstengruft: https://www.zgedichte.de/gedichte/christian-friedrich-daniel-schubart/die-fuerstengruft.html

 

 

 

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