Liebe Unterstützer*innen,
auch das RKI hat auf meine Kontaktaufnahme den erklärten Willen zur Weiterführung der AMELAG bestätigt, ebenso jedoch die fehlende Finanzierung. Im Wortlaut:
"In der Tat endet die Laufzeit von AMELAG zunächst am 31.12.2024. Ein Anschlussprojekt ist geplant und von allen Beteiligten gewünscht. Über die Finanzierung wird nun in den parlamentarischen Haushaltsverhandlungen verhandelt. Eine Entscheidung dazu wird im November erwartet."
Es gibt jedoch Hoffnung aus Brüssel ...
Neufassung der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser
Ende September haben das Europäische Parlament und der Rat die Neufassung der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser beschlossen. Und dieser Beschluss hat es im Sinne unseres Anliegens in sich. Denn er verpflichtet die Länder der Europäischen Union ab 2027 unter dem Artikel 17 zu Folgendem:
Die Mitgliedstaaten richten ein nationales System für die Zusammenarbeit und
Koordinierung zwischen den für die öffentliche Gesundheit zuständigen Behörden
und den für die Behandlung von kommunalem Abwasser zuständigen Behörden ein,
um relevante Parameter für die öffentliche Gesundheit zu ermitteln, die zumindest
im Zulauf kommunaler Abwasserbehandlungsanlagen zu überwachen sind,
unter Berücksichtigung der verfügbaren Empfehlungen unter anderem des
Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von
Krankheiten (ECDC), der Europäischen Behörde für die Krisenvorsorge
und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) und der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), beispielsweise:
SARS-CoV-2-Virus und seine Varianten ...
Hier findet sich das Originaldokument:
Einmal mehr zeigt sich - eine Lehre des europäischen Einigungsprozesses - dass es sinnvoll ist, die Umsetzung von Grundprinzipien zeitgemäßen Zusammenlebens und wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Daseinsfürsorge, supranationalen Institutionen zu übertragen, die nicht Gefahr laufen, in Zeiten des Wahlkampfes oder aus parteilicher oder nationalistischer Ideologie zum Schaden der Bevölkerung in dysfunktionales Handeln abzugleiten.
Im Klartext: Ab 2027 werden wir ein verpflichtendes Abwassermonitoring haben.
Das ist sehr gut!
Doch umso absurder erscheint es, dass die sich die Regierung bisher nicht zu einer Weiterführung ab dem Jahr 2024 entscheiden kann. Zwischendurch für zweieinhalb Jahre das Licht auszumachen erscheint grostek, wenn man danach ohnehin verpflichtet ist, das System wieder hochzufahren.
Doch täuschen wir uns nicht: Nur weil ein Herunterfahren der epidemiologischen Überwachung töricht und verantwortungslos wäre, heißt es nicht, dass es nicht geschehen kann! Erinnern wir uns an SentiSurv, die große, repräsentative, fortlaufende Kohortenstudie in Rheinland-Pfalz, die nicht nur wertvolle Daten für die reale Sars-CoV-2-Inzidenz lieferte, sondern als etablierte Kohorte mit großem Commitment die ideale Basis für eine Erweiterung zu Long-/Post-Covid-Nachsorgestudien bildete, anhand deren man die PASC-Prävalenzen, die Entwicklung von Krebserkrankungen, Demenz und anderen neurologischen Erkrankungen, Nierenleiden, Lymphozytopenien und Stoffwechselerkrankungen hätte repräsentativ überwachen können. Bevor es zu dieser von vielen Wissenschaftler*innen dringend geforderten Erweiterung kam, wurde die gesamte Kohortenstudie lieber beendet. Um weiterhin allen internationalen Daten zu den Folgen fortgesetzter Durchseuchung entgegnen zu können: "Aus Deutschland haben wir keine Daten, die diese Erkenntnisse bestätigen..."
Lassen wir nicht zu, dass sich ein solches Trauerspiel bei der epidemiologischen Abwasserüberwachung wiederholt!
Schreiben wir dem Gesundheitsminister!
Mein Vorschlag:
Sehr geehrter Herr Bundesminister Prof. Dr. Karl Lauterbach,
ich möchte Sie persönlich bitten, sich im Zuge der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags im November für eine nahtlose und vollumfängliche Fortführung des Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung (AMELAG) einzusetzen.
Das AMELAG ist nicht nur für die Zukunft ein Grundpfeiler zeitgemäßiger epidemiologischer Überwachung. In der laufenden Sars-CoV-2-Pandemie liefert die Surveillance wichtige Daten zur realen Infektionslage, die die Grundlage einer wesentlich aktiveren Informationspolitik der Öffentlichkeit sein müssten. Nur, wer weiß, wie die Realität ausschaut, kann informierte und verantwortliche Entscheidungen treffen. Die Daten der epidemiologischen Überwachung sollten die Basis der Pandemiebekämpfung in Eigenverantwortung bilden!
Das Bundesgesundheitsministerium kann natürlich nicht verhindern, dass in den Medien gegenüber postakuten Krankheitsverläufen unkundige Mediziner*innen als sogenannte "Expert*innen" persönliche Unwissenheit als wissenschaftliche Erkenntnis verkaufen. Aber für eine Aufrechterhaltung etablierter Strukturen epidemiologischer Überwachung sowie transparente und datenbasierte Information der Bevölkerung sollte das Ministerium und die ihm unterstellte Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einstehen.
Ich erwarte daher, dass Sie dem seitens des Umweltbundesamtes, des Robert-Koch-Instituts und allen am Projekt beteiligten Institutionen erklärten Willen zur Fortführung des AMELAG politischen Nachdruck verleihen und der Sache Ihre Stimme verleihen.
Im Vertrauen auf Ihre Unterstützung danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Einsatz!
Mit freundlichen Grüßen
Selbstverständlich könnt ihr / können Sie natürlich auch eigene Worte finden. Eine weitere Selbstverständlichkeit sei zudem erwähnt: Bleibt trotz womöglich vorhandener Verzweiflung, Empörung oder Wut höflich und sachlich. Alles andere schadet unserem Anliegen.
Schreibt gern an diese Mailadresse:
Bleibt gesund!
Es lebe Europa ;)