Petition updateStippbachtal Sinn: Geschützte Tiere werden überfahren

Es geht nicht nur um Amphibien. Es geht um den ganzen Sommer. Ende der Vogel-Strauß-Taktik.

Martin SommerSinn, Germany
May 24, 2026

Update: Es geht nicht nur um Amphibien. Es geht um den ganzen Sommer. Keine Vogel-Strauß-Taktik.


Viele von euch kennen den Stippbachweg als Schauplatz dokumentierter Tode: Feuersalamander und Kröten, plattgefahren aus purer Bequemlichkeit. Was bisher kaum öffentlich diskutiert wurde: Das Problem hört nicht mit der Amphibienwanderung im Frühjahr auf.


Der Stippbachweg ist auch Reptilienlebensraum. Den ganzen Sommer lang.


Im Bereich des Stippbachtals leben Zauneidechse, Ringelnatter und Blindschleiche, drei besonders geschützte Arten nach BNatSchG. Die Zauneidechse ist von Ende März/Anfang April bis in den Oktober aktiv, die Eiablage erfolgt zwischen Ende Mai und Anfang August an sonnenexponierten, vegetationsarmen Stellen. Die Ringelnatter ist von April bis Oktober aktiv und nutzt feuchte Lebensräume genau wie das Stippbachtal als Jagdrevier, Paarungsgebiet und Eiablageplatz. Junge Ringelnattern schlüpfen erst Ende August bis September. Die Blindschleiche, oft fälschlicherweise für eine Schlange gehalten, ist ebenfalls den ganzen Sommer über aktiv und besiedelt Weg- und Waldränder genau wie den Stippbachweg.


Das bedeutet: Wenn das Gros der Autofahrer meint, nach der Krötensaison sei wieder freie Fahrt, sind Eidechsen und Schlangen mitten in ihrer sensibelsten Lebensphase.


Was bisher passiert ist: Zu wenig, falsch getaktet, nicht kontrolliert.


Die bisherigen Sperrungen beschränken sich auf wenige Wochen im März und April und orientieren sich nicht an den tatsächlichen Aktivitätszeiten der Tiere. Sie wurden ohnehin zu früh aufgehoben, noch bevor die Wanderung abgeschlossen war. Weder Witterung noch Jahreszeit wurden systematisch berücksichtigt. Die Umsetzung wird kaum kontrolliert. Und selbst das Wenige, was geregelt war, wird in erheblichem Maß ignoriert: Nächtliche Sperrungen sowie Sperrungen an Sonn- und Feiertagen werden beharrlich missachtet. Die laufenden Anzeigen sprechen eine klare Sprache. Wir haben das dokumentiert. Wir haben Aufsichtsbeschwerden eingereicht. Wir haben Widerspruch eingelegt.


Und noch immer fahren Autos durch. Noch immer sterben Tiere.


Was wir fordern:


Ein ganzjähriges, nachhaltiges Schutzkonzept für den Stippbachweg. Konkret bedeutet das:


 1. Physische Absperrung (Schranke oder Poller) mit definierten Ausnahmen für berechtigte Nutzer. Nicht Schilder, die ignoriert werden. Physische Hindernisse.
 2. Schutzkonzept von April bis Oktober, das die Aktivitätszeiten aller betroffenen Arten abdeckt, nicht nur die klassische Krötenwanderung im März/April.
 3. Artenschutzrechtliche Prüfung durch die zuständige Behörde für das gesamte Areal, inklusive Reptilienerfassung.
 4. Verantwortung der Gemeinde Sinn und des Lahn-Dill-Kreises: Die rechtliche Grundlage besteht längst. §44 BNatSchG schützt alle hier nachgewiesenen Arten. Wer handlungsfähig ist und nicht handelt, macht sich mitverantwortlich.


Wo es funktioniert hat:


In Baden-Württemberg läuft seit Jahren das Projekt “220 Amphibiengewässer”, getragen von BUND, NABU und Amphibien-Reptilien-Biotopschutz BW, mit dem klaren Befund: Selbst früher häufige Arten wie Erdkröte und Grasfrosch sind stark zurückgegangen, weil Lebensräume zerschnitten werden und Straßen verheerende Wirkung haben. Der Unterschied zu Sinn: Dort hat die Politik zugehört. In Bayern koordiniert der LBV Fürstenfeldbruck seit Jahrzehnten Amphibienzäune mit klarem Erfolg, einschließlich physischer Infrastruktur entlang kritischer Wegstrecken. Und das Ergebnis des ABS Baden-Württemberg zu Waldwegen ist eindeutig: Wenn ein Waldweg gesperrt ist, muss kontrolliert werden, wer fährt. Wenn viele Unbefugte fahren, braucht es eine Schranke.


Das ist keine Raketenwissenschaft. Das ist Naturschutz. Der funktioniert, wenn man ihn ernstnimmt.


An die Politik: Wir warten nicht mehr. Keine Vogel-Strauß-Taktik.


Wir haben Briefe geschrieben. Wir haben Aufsichtsbeschwerden eingereicht. Wir haben Widerspruch eingelegt. Wir haben dokumentiert, fotografiert, gezählt. Jetzt ist Eure Aufgabe: Handelt. Nicht nach der nächsten Saison. Jetzt.


Offenbar glaubt man in den zuständigen Behörden und in der Politik, das sei ein Sturm im Wasserglas, der sich von selbst legt. Dass man mit Vogel-Strauß-Taktik, also Kopf in den Sand und Augen zu, das Problem einfach aussitzen kann. Das ist ein Irrtum. Untätigkeit, Hinhaltetaktik und das Schieben von Verantwortung auf andere werden nur eines bewirken: dass unser Protest organisierter und nachhaltiger wird. Wir werden das hartnäckig weiterverfolgen, mit jedem rechtlichen Mittel, das uns zur Verfügung steht, und mit jeder Stimme, die ihr uns gebt. Diese Petition ist nicht das Ende. Sie ist ein Werkzeug.


Und an alle, die den Stippbachweg während der Sperrzeiten nutzen: Ihr wisst, was ihr tut. Bequemlichkeit ist kein Recht, das auf Kosten von Wildtieren existiert. Ihr tötet keine Schädlinge. Ihr tötet streng geschützte Tiere, und ihr müsst mit Anzeigen rechnen.


Teilt dieses Update. Jede Unterschrift zählt. Schreibt den Bürgermeistern und den politisch Verantwortlichen. Jede Stimme macht Druck. 


#stippbachtal #wirwerdenlaut #behördenversagen #tieretötenausbequemlichkeit

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X