Update: Wo stehen wir? Initiativen, Antworten und offene Fragen


Die Saison ist nicht vorbei. Gerade gestern Abend wurden wieder Feuersalamander überfahren. Das Foto in diesem Update ist von gestern abend.
Und die Verantwortlichen? Schweigen, vertrösten, verwalten.
Hier ist der aktuelle Stand aller laufenden Initiativen.
1. Antwort des Lahn-Dill-Kreises
Der Landrat hat auf unseren inhaltlichen Widerspruch zu seiner Antwort auf die Dienstaufsichtsbeschwerde reagiert. Die Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Kreisverwaltung und Kommunen werden bedauert. Man habe die Defizite bereits zum Anlass genommen, Optimierungen zu prüfen. Auch die Länge der Sperrfristen soll künftig besser abgestimmt werden.
Klingt nach Einsicht? Ist es nicht. Denn gleichzeitig teilt der Kreis mit: Verlustdaten werden nicht erhoben. Niemand zählt die toten Tiere. Für die verkehrsrechtlichen Kontrollen seien die Ortsgemeinden zuständig. Eine Akteneinsicht wurde verweigert.
Immerhin wurden auf Basis des Umweltinformationsgesetzes drei Dokumente herausgegeben. Sie belegen schwarz auf weiß: Der genaue Sperrzeitraum ist zwischen den Kommunen und der Unteren Naturschutzbehörde jährlich abzustimmen. Diese Abstimmung hat in dieser Saison nachweislich zweimal versagt.
2. Fachaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium Gießen
Das Verfahren läuft. Das RP wird laufend über den Fortgang informiert und erhält alle relevanten Dokumente. Wir bleiben dran.
3. Anfrage bei Bürgermeister Krenos, Gemeinde Sinn
Ein zentraler Widerspruch ist bisher ungeklärt: Der Lahn-Dill-Kreis hat ausdrücklich festgestellt, dass die Abteilung Umwelt, Natur und Wasser nicht durch die Gemeinde Sinn über die fortdauernde Amphibienwanderung informiert worden sei. Bürgermeister Krenos hatte uns gegenüber jedoch bestätigt, dies noch vor seinem Urlaub angeregt zu haben.
Wir haben Herrn Krenos deshalb schriftlich um Klärung gebeten: An wen, wann, auf welchem Weg und mit welchem Inhalt diese Information weitergegeben wurde. Eine Antwort liegt bislang nicht vor. Die Frist läuft bis zum 26. Mai 2026. Sollte keine Rückmeldung eingehen, wird dies dem Regierungspräsidium mitgeteilt.
4. Anfragen an die Fraktionen der Gemeindevertretung Sinn
Eine engagierte Bürgerin hat alle vier Fraktionsvorsitzenden angeschrieben. Zwei von vier haben geantwortet. Die Antworten sprechen für sich: Das Thema soll wegdiskutiert und kleingehalten werden. Eine vollständige Zusammenfassung aller Stellungnahmen wird in Kürze veröffentlicht.
Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Es ist nicht die Aufgabe der Gemeindevertretung, Anfragen lediglich an den Bürgermeister weiterzuleiten. Die Gemeindevertretung ist das oberste Organ der Gemeinde und sie trifft die wichtigen Entscheidungen und überwacht die gesamte Verwaltung. Das ist kein Ermessen, sondern gesetzliche Pflicht. Wer sich hinter dem Bürgermeister versteckt, verweigert die eigene Kontrollfunktion.
Was das bedeutet und was als nächstes kommt:
Über 1.500 Menschen haben diese Petition unterzeichnet, mit einem klaren Schwerpunkt aus dem Lahn-Dill-Kreis und der unmittelbaren Umgebung Sinns. Der Druck kommt aus der eigenen Bevölkerung. Über 80 dokumentierte Tiertode und mehr als 20 Anzeigen bei Ordnungsamt, Polizei und zentraler Bußgeldstelle belegen das Ausmaß des Versagens. Die Anzeigen betreffen Verstöße gegen die Sperrung, Nötigung und Straßenverkehrsgefährdung.
Parallel laufen weiter: die Prüfung von Strafanzeigen gegen Fahrer mit vorliegenden Ordnungswidrigkeitsverfahren, rechtliche Schritte gegen UNB und Straßenverkehrsbehörde sowie die ausdrückliche Prüfung einer Garantenstellung der beteiligten Kommunen. Wer verzögert oder verschleiert, riskiert, Teil dieser Verfahren zu werden.
Die Gemeindevertretung Sinn muss vier Fragen beantworten:
1. Warum ist die Sperrung zweimal gescheitert? Wer trägt die Verantwortung?
2. Wie kommt ein verbindlicher Maßnahmenplan zustande? Ein Vor-Ort-Termin wurde bisher abgelehnt. Welche Rolle übernimmt die Gemeinde Sinn, damit bis zur nächsten Saison ein verbindlicher Plan vorliegt?
3. Wie wird die Einhaltung der Vereinbarung sichergestellt? Weder reguläre Sperrzeiten noch die Amphibiensperrung werden umgesetzt. Eine Vereinbarung ohne Wirkung muss durch eine neue Regelung mit klaren Zuständigkeiten und Konsequenzen ersetzt werden.
4. Ist der Gemeindevertretung das Konfliktpotenzial bewusst? Schutzvorrichtungen wurden mutwillig entfernt, es kam zu Nötigungen und tätlichen Übergriffen. Die Polizei hat das Gebiet bereits eigenständig unter verstärkte Überwachung gestellt.
Das hier ist nicht das Ende. Es ist der Anfang.
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird der Protest nicht leiser. Er wird sich organisieren, wachsen und das Thema auf der Tagesordnung halten. In der Gemeindevertretung. Im Regierungspräsidium. In der Öffentlichkeit. Bei der Staatsantwaltschaft.
Die Tiere können nicht warten. Wir auch nicht.
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