Bettina B.Germany
Aug 11, 2025

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, 

es gibt eine erste Reaktion von der Pressestelle der Marine, die ich angeschrieben hatte.

Marinekommando

Presse- und Informationszentrum der Marine

Kopernikusstraße 1 | DE 18057 Rostock

Auszug aus der E-Mail Antwort :

"Zu Ihren Fragen:

1. Klärung, ob derzeit maritime Übungen, Sonareinsätze oder sonstige militärische Aktivitäten in der Region Rügen stattfinden oder stattgefunden haben, die das Tier desorientieren oder stressen könnten.

Zum Zeitpunkt Ihrer Anfrage (31. Kw) fanden seitens der Deutschen Marine keine maritimen Übungen im Seegebiet Rügen statt.
Daher können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass das von Ihnen angesprochene Tier durch Aktivitäten der Deutschen Marine in den letzten Tagen gestresst oder desorientiert wurde.

 

2. Koordination mit anderen Bundesbehörden, insbesondere dem BMUV, dem BSH, dem BMEL und dem Bundesamt für Naturschutz, um Maßnahmen zum Schutz des Tieres einzuleiten.

Die Deutsche Marine hat im Zuge der Vorbereitung und Ausgestaltung eigener Vorhaben, die für die Verteidigungsfähigkeit essenziell sind und auch nicht auf Simulation oder Ähnliches ausweichen können, initiativ den Kontakt mit zuständigen Behörden und Organisationen gesucht. In enger Kooperation wurden und werden diese Vorhaben entlang höchster Standards ausgestaltet. Insofern kann auch hier sicher ausgeschlossen werden, dass Aktivitäten der Deutschen Marine ursächlich für die Orientierungslosigkeit dieses Buckelwals sind.

 

3. Sichtbare Verantwortung des Bundes, auch in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass Deutschland aktiv für den Schutz von Meeressäugern in seinen Gewässern eintritt.

Wir bitten um Verständnis, dass die Bundeswehr und damit auch die Deutsche Marine hier keine unmittelbare Zuständigkeit für sich erkennen kann. Gleichwohl nimmt die Marine diese Verantwortung gegenüber der Natur und kommenden Generationen sehr ernst. Neben den unter 2.) beschriebenen Maßnahmen werden weitere Instrumente genutzt, die auf eine Verbesserung des Zustandes der Meere abzielen. So beteiligt sich die Marine beispielsweise u.a. am Monitoring von Schweinswalen und potenziell schädigenden Ereignissen sowie mit Fachpersonal in nationalen und internationalen Gremien, die sich mit den potenziellen Auswirkungen von anthropogenen Einflüssen (insbesondere Unterwasserschall) auf Meeressäuger und Meeresfauna beschäftigen. Daneben sind in der Bundeswehr einige Dienststellen fachlich damit befasst.

 

4. Einleitung oder Unterstützung konkreter Hilfsmaßnahmen, z. B. durch Biologen, Tierärzte, Forschungsinstitute oder NGOs mit Erfahrung in der Begleitung und Rettung gestrandeter oder verirrender Wale.

Die Marine verfügt über eigene Organisationselemente, u.a. Meeresbiologen, die die Vereinbarkeit von operativen Erfordernissen und der Bewahrung der Natur zum Ziel haben. Hier erfolgt auch ein enger Austausch mit zivilen Institutionen betreffs neuer Erkenntnisse der möglichen Auswirkungen anthropogener Aktivitäten auf die Arten im Lebensraum Meer, insbesondere bei den marinen Säugetieren. Auch wurden Schulungen / Sensibilisierungen der Besatzungen und Stäbe vollzogen. Wenn ein derart desorientierter oder gestrandeter Meeressäuger gefunden würde, nehmen diese Stellen Verbindung mit den zuständigen Behörden / Stellen auf."

***

Hierzu folgende Fakten:

 In der Vergangenheit ist es bereits mehrfach zu fatalen Vorfällen zwischen militärischer Aktivität und Schweinswalen gekommen:

Im September 2019 wurden mitten im Ostsee-Schutzgebiet Fehmarnbelt 42 britische Seeminen durch die Bundesmarine gesprengt – kurz darauf 41 tote Schweinswale angespült, vielerorts mit nachweisbaren Explosionstraumata (Quelle: NABU, BfN, ITAW) .

Schutzalternative wie akustische Pinger wurden von der Bundeswehr blockiert, da sie angeblich militärische Sonarsysteme stören würden – ein massiver Rückschlag für Naturschutzpläne (Quellen: DUH, WWF) 

Laut öffentlich zugänglichen Informationen fand vom 5. bis 20. Juni 2025 das NATO-Manöver BALTOPS 25 in der Ostsee statt, bei dem auch deutsche Marine- und Luftwaffeneinheiten beteiligt waren.
In dieser Zeit wurden intensive Flugmanöver sowie umfangreiche Marineoperationen durchgeführt, die erfahrungsgemäß erhebliche Unterwasserschall- und Lärmemissionen erzeugen. Meeressäuger wie Wale und Schweinswale sind nachweislich besonders empfindlich gegenüber solchen Einwirkungen.

Langfristige Studien zeigen einen besorgniserregenden Anstieg der Schweinswal-Strandungen – unter anderem durch Unterwassersprengungen, Lärm und militärische Manöver (ITAW, Tierschutzbund) .
Diese Vorfälle belegten bereits: Auch wenn kein Manöver am Tag der Walsichtung stattfand, reicht die zeitliche Nähe zu militärischer Aktivität aus, um stress- und schadensrelevant zu sein.

***

Folgendes Antwortschreiben habe ich an die Pressestelle der Marine verfasst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Anfrage betreffend der Sichtung eines Buckelwals vor Rügen am 16. Juli 2025.
Ich nehme Ihre Darstellung zur Kenntnis, dass am Tag der Sichtung kein militärisches Manöver im Schießgebiet stattfand. Dennoch möchte ich auf folgende Punkte hinweisen und um weitere Klärung bitten:

1. Zeitliche Nähe zu militärischen Aktivitäten
Laut öffentlich zugänglichen Informationen fand vom 5. bis 20. Juni 2025 das NATO-Manöver BALTOPS 25 in der Ostsee statt, bei dem auch deutsche Marine- und Luftwaffeneinheiten beteiligt waren.
In dieser Zeit wurden intensive Flugmanöver sowie umfangreiche Marineoperationen durchgeführt, die erfahrungsgemäß erhebliche Unterwasserschall- und Lärmemissionen erzeugen. Meeressäuger wie Wale und Schweinswale sind nachweislich besonders empfindlich gegenüber solchen Einwirkungen.
Bitte teilen Sie mit, ob in den vier Wochen vor der Sichtung weitere militärische oder trainingsbedingte Aktivitäten – insbesondere mit Luftfahrzeugen oder Sonarsystemen – in der Region Rügen stattfanden.


2. Erfahrungen aus der Vergangenheit
Bereits in der Vergangenheit kam es zu nachweisbaren negativen Auswirkungen militärischer Maßnahmen auf Meeressäuger:

Im September 2019 wurden im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt 42 britische Seeminen gesprengt. In den Wochen danach wurden 41 tote Schweinswale an den Küsten Schleswig-Holsteins gefunden, teils mit expliziten Anzeichen von Explosionstraumata (NABU, wissenschaft.de, Stiftung Meeresschutz).

Schutzmaßnahmen wie akustische Pinger wurden trotz fachlicher Empfehlung u. a. von WWF und DUH blockiert, da sie angeblich militärische Sonarsysteme stören würden (WWF, DUH).

 

3. Erforderliche Transparenz
Vor dem Hintergrund dieser Vorgeschichte halte ich es für unerlässlich, dass militärische Aktivitäten, die potenziell Einfluss auf Meeressäuger haben, zeitnah und vollständig offengelegt werden – auch wenn sie nicht exakt am Tag einer Tiersichtung stattfanden.
Nur auf dieser Basis können unabhängige Fachleute prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Sichtung des Buckelwals und vorangegangenen Manövern geben könnte.

Mein Anliegen:

Ich bitte Sie daher um eine schriftliche Übersicht aller relevanten Übungen, Manöver oder Einsätze (Marine und Luftwaffe) im Seegebiet vor Rügen und in angrenzenden Ostseebereichen im Zeitraum 16. Juni bis 16. Juli 2025 – inklusive Angaben zu Art der eingesetzten Technik (z. B. Sonar, Unterwassersprengungen, Tiefflugübungen).

Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und Ihr Verständnis und hoffe auf eine transparente und konstruktive Zusammenarbeit im Sinne des Schutzes unserer marinen Umwelt.

Mit freundlichen Grüßen

***

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

von Herzen danke ich euch für eure großartige Unterstützung und euer Engagement!
Gemeinsam setzen wir uns für den Schutz unserer einzigartigen Meere und ihrer faszinierenden Bewohner ein — wie den seltenen Besuch des Buckelwals vor Rügen. Eure Stimme, eure Zeit und eure Aufmerksamkeit sind der Schlüssel, um Veränderung möglich zu machen.

Lasst uns weiterhin dranbleiben, neugierig bleiben und mutig unsere Anliegen vertreten. Denn nur gemeinsam können wir die Verantwortung für unsere Natur und zukünftige Generationen wahrnehmen.

Ich bin dankbar, diesen Weg mit euch zu gehen — als starke Gemeinschaft, die nicht wegschaut, sondern handelt.

Mit viel Zuversicht und herzlichen Grüßen
Bettina

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