Petition updateÄchtung M-Wort bundesweitIch heiße Mohr, will nichts verstehen. Text von Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch
Initiative M-Wort ÄchtungGermany
Dec 16, 2021

Der Nachname Mohr/Moor (die Schreibweise spielt dabei keine Rolle) hat, wie das für europäische Familiennamen nicht unüblich ist, mehrere etymologische Wurzeln. Er ist in Deutschland seit 1340 nachgewiesen: Zu dieser Zeit war Mohr in der Bedeutung „dunkelhäutiger/dunkelhaariger Mensch“ bereits etabliert (noch nicht auf Menschen beschränkt, die wir heute als „Schwarze“ bezeichnen, siehe meinen Beitrag von letzter Woche). Und so ist eine der wahrscheinlichen Quellen des Namens tatsächlich die schwarze Haarfarbe eines der ersten Träger des Namens. Eine zweite Quelle ist das heute mit oo geschriebene Moor: Wer in oder bei einem Moor lebte, musste damit rechnen, diesen Familiennamen zu erhalten, ebenso wie die Bewohner verschiedener Orte, die Mohr oder Moor hießen. Die dritte Quelle schließlich ist das inzwischen ausgestorbene Wort mo(h)r für „Mutterschwein“, das dazu führte, dass manche Schweinebauern den Familiennamen Mohr/Moor erhielten. Warum genau Reinhard also Mohr heißt, lässt sich ohne viel Ahnenforschung nicht mehr nachvollziehen.

Und es ist auch egal, denn Namen haben, anders als andere Wörter der Sprache, keine Bedeutung (zumindest nicht im sprachlichen Sinne). Sie dienen nicht dazu, Dinge (in diesem Fall, Menschen) zu einer Klasse zusammenzufassen, sondern dazu, Individuen zu bezeichnen. Es spielt deshalb kaum eine Rolle, woher ein Name ursprünglich kommt oder ob er lautlich mit einem Wort der Sprache übereinstimmt. Ich sage „kaum“, weil es natürlich Assoziationen geben kann, die so unangenehm sind, dass sie niemand mit seinem Namen verbunden wissen will. So gilt es u.a. als Grund für eine Namensänderung, wenn Namen „anstößig oder lächerlich klingen oder Anlass zu frivolen oder unangemessenen Wortspielereien geben könnten (z. B. Fick)“ (Quelle). Das liegt aber zu recht in der Entscheidung des Namensträgers, denn der Name Fick heißt eben nicht „Fick“ im Sinne eines Geschlechtsaktes, sondern klingt nur so (tatsächlich ist es ursprünglich eine Kurzform von Friedrich). Ob der Name Mohr im Einzelfall auf Wunsch des Trägers geändert werden könnte, kann ich nicht beurteilen, aber mit Sicherheit fordern wir Gutmenschen niemanden zu einer solchen Namensänderung auf.

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