Ächtung M-Wort bundesweit

142

Steigern wir das auf 200 Unterschriften!
Petitionen mit mehr als 1000 Unterstützer*innen verbessern ihre Erfolgswahrscheinlichkeit um den Faktor 5!

Das Problem

Am 14. Juni 2021 erging in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel auf der Grundlage einer Bürgereingabe folgender Beschluss:  

"Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel wird die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Abstammung in Kassel umsetzen und insbesondere anerkennen, dass JEGLICHE Verwendung des M-Wortes rassistisch ist."   

Diesen Erfolg der Bürgereingabe zur Ächtung des M-Wortes in Kassel möchten wir gerne ausweiten und das M-Wort bundesweit ächten lassen. Zu diesem Zweck wurde unserer Initiative der Text dieser erfolgreichen Bürgereingabe zur Verfügung gestellt und wir richten ihn hier als Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.   

Jede Person, Gruppe oder Initiative, die versuchen möchte diesen Erfolg auch in der eigenen Stadt zu realisieren, kann hier den Text der Eingabe/Petition kopieren und ggf. ergänzen und verändern um ihn dann als Antrag in der jeweiligen Stadt einzureichen.

Antrag zur Ächtung der rassistischen Fremdbezeichnung Mohr (im folgenden Text “M-Wort“ genannt) für einen Menschen afrikanischer Abstammung.

„Der Bundestag wird die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Abstammung in Deutschland umsetzen und insbesondere anerkennen, dass jegliche Verwendung des M-Wortes* rassistisch ist.“

Begründung, bzw. Herleitung der Begründung:

Entstehungskontext des M-Wortes

Das M-Wort ist die älteste deutsche Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen, denn Schwarze Menschen haben sich selber nie so genannt. Es geht auf das lateinische Wort “maurus“ (schwarz, dunkel, afrikanisch) und den altgriechischen Begriff “moros“ (“µωρός“: töricht, einfältig, dumm, gottlos) zurück. Sein ursprünglicher Entstehungskontext ist die spanische Reconquista, wo alle Muslim*innen auf der iberischen Halbinsel als “moros“ bezeichnet wurden. In Deutschland wurde zwischen dem Wort “Maure“, konnotiert mit “Heidnisch-sein“, als Bezeichnung für muslimische Bewohner*innen Spaniens und Nordafrikas, und dem M-Wort, welches vom 16. bis ins 18. Jahrhundert als allgemeine Bezeichnung für Menschen afrikanischer Herkunft und Menschen of Color diente.

Das M-Wort war also, entgegen der Behauptung vieler “M-Wort-Verteidiger“, schon bei seiner Entstehung eine abwertende Fremdbezeichnung für Menschen afrikanischer Abstammung. Als Sklaverei und Kolonialismus, die ökonomische Ausbeutung sowie die politische Unterdrückung Afrikas einer moralischen (Schein-)Legitimierung bedurften, formierte sich der Rassismus als Rechtfertigungsinstrument und das M-Wort spielte diesbezüglich eine wichtige Rolle Menschen afrikanischer Abstammung zu entmenschlichen. Menschen die mit dem N-Wort bezeichnet wurden konstruierte man als Tiere, Menschen die mit dem M-Wort bezeichnet wurden konstruierte man als evolutionäres Bindeglied zwischen Mensch und Tier und weiße Menschen konstruierte man als überlegene Rasse.
Im folgenden beschreiben wir wie diese perfide Konstruktion vermittelt wurde und welche Rolle das M-Wort dabei spielte. Dabei wird deutlich mit welch rassistischem Ballast das M-Wort zu dieser Zeit weiter beschwert wurde. Auch der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch ist der Meinung, dass das M-Wort spätestens seit dieser Zeit “verbrannt“ ist und es hätte nicht so lange weiterverwendet werden dürfen. Es ist also verständlich, dass eine Konfrontation mit diesem Wort für die Betroffenen zutiefst entwürdigend und verletzend ist und eine offizielle Ächtung ist unumgänglich und längst überfällig. 

Die rassistische Rolle des M-Wortes in Verbindung mit dem N-Wort

Im Zuge des transatlantischen Handels mit versklavten Menschen wurde das N-Wort in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen. Dieses diente spätestens mit dem Aufkommen des verwissenschaftlichten Rassismus im 18. Jahrhundert in Verbindung mit dem M-Wort dazu, eine rassifizierte Nord-Süd-Teilung Afrikas an Hand einer “imaginäre[n] Hell-Dunkel-Trennlinie“ entlang der Sahara vorzunehmen. Die Bewohner*innen des afrikanischen Kontinents nördlich der Sahara wurden mit dem M-Wort, jene südlich derselben mit dem N-Wort betitelt. Die Historikerin Fatima El-Tayeb verweist hinsichtlich der Abspaltung eines “uneigentlichen“ nördlichen Afrikas entlang der Sahara vom restlichen Kontinent auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Frantz Fanon als einer der bedeutendsten Wegbereiter dekolonialen Denkens spricht von einer anhaltenden dichotomen Unterscheidung Afrikas in eine “weiße Region und eine schwarze Region“. Letztere, gemeinhin als “Subsahara Afrika“ beschriebene, werde als “vermeintlich wilde, unzivilisierte und leblose Region dem weißen Afrika“ gegenübergestellt – letzteres verstanden als am Mittelmeer gelegener Fortsatz Europas graeco-romanischer Zivilisation.

Angesichts dieses Hintergrundes der Differenzierung zwischen N-Wort und M-Wort scheinen Argumente verfehlt, die dem M-Wort insbesondere in Abgrenzung zum N-Wort eine durchweg positive Bedeutung zuschreiben. Auch in einer verhältnismäßigen Höherstellung der mit dem M-Wort bezeichneten Menschen, gegenüber den Menschen die mit dem N-Wort bezeichnet wurden, steht dieses zweifelsfrei in einer rassistischen Tradition der Abwertung Schwarzer Menschen. Diese Unterscheidung zwischen dem N-Wort und dem M-Wort im deutschen Sprachgebrauch hielt sich nicht, da heute beide Worte Schwarze Menschen bezeichnen, wobei das M-Wort als zunehmend veraltet gilt und als Vorreiter des N-Wortes anzusehen ist.  

Wie die Etymologie des M-Wortes zeigt, ist das Wort als Fremdbezeichnung aus einer weißen historisch dominanten Position heraus geprägt. Es diente dabei stets der Beschreibung von und Abgrenzung zu Gruppen von Menschen, die aus dieser Position heraus als nicht-zugehörig, anders, fremd wahrgenommen wurden. Seien es die muslimischen Eroberer der iberischen Halbinsel, Bewohner*innen der nicht-westlichen Welt oder Schwarze Menschen in Deutschland. Viele Schwarze Selbstorganisationen, z.B. die ISD Bund e.V. Berlin, aber auch viele Schwarze Aktivist*innen sind sich einig in der Tatsache, dass das M-Wort ausschließlich negativ besetzt ist. Ebenso viele Wissenschaftler*innen, z.B. Prof. Dr. Susan Arndt, Dr. Ulrike Hamann oder Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch schließen sich dem an. Deutlich wurde dies auch in einer Befragung, die Studierende der Europäischen Ethnologie an der FU Berlin 2006 mit deutschsprachigen Passant*innen der M-Straße in Berlin durchführten.

M-Wort in der Historie der Stadt Kassel (die erste Kommune in Deutschland die am 14. Juni 2021 das M-Wort ächtete)

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war Kassel Residenz- und Hauptstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel und zu dieser Zeit dürfte Kassel die Stadt im damals sogenannten alten Deutschen Reich gewesen sein, in der die relativ höchste Anzahl Schwarzer Menschen lebte die zu jener Zeit mit dem M-Wort bezeichnet wurden. Allein diese Tatsache ist ein guter Anlass dafür unserer Stadt eine Vorreiterstellung und Vorbildfunktion durch die Ächtung des M-Wortes zu verleihen.

Viele der Menschen afrikanischer Abstammung, die zu jener Zeit in Kassel lebten, mussten sich als sogenannte Kammer*M-Wort und Hof*M-Wort mit “Phantasie-Uniformen“ bekleiden um ihr “exotisches Aussehen“ zur Schau zu stellen. Dieser “Kleidungsstiel“ hatte nichts mit der Herkunft dieser Menschen zu tun, sie entsprang ausschließlich der kolonialen Fantasie weißer Menschen und deren damaliger Begeisterung für “Orientalische Mode“. Durch eine  anhaltende Reproduktion dieses Bildes eines Menschen afrikanischer Abstammung hat sich bis heute dieses Bild in den Köpfen der weißen Mehrheitsgesellschaft regelrecht eingebrannt. Es liegt also auch in der Verantwortung der Stadt Kassel, endlich diese seit hunderten von Jahren andauernde Reproduktion dieser rassistischen Darstellung und Beschreibung, die Schwarzen Menschen eine Vielzahl von rassistischen Stereotypen zuschreibt, durch die Ächtung des M-Wortes zu beenden.

Bedeutung des M-Wortes bei der Benennung von z.B. Firmen, Straßen oder Süßigkeiten

Die Beschreibung und Darstellung eines Menschen afrikanischer Abstammung mit der Fremdbezeichnung M-Wort schlug sich auch in den Werbestrategien der deutschen Firmen nieder. Als Beispiel sei hier der Sarotti*M-Wort genannt, der 1918 in der ausgehenden Kolonialzeit die wohl bekannteste Markenfigur in Deutschland war.

Bei vielen deutschen Firmen waren die Abbildungen und Beschreibungen von Afrikanern als “exotische und minderwertige Wilde“ mit dem M-Wort sehr beliebt, dies erinnerte die deutsche Bevölkerung damals mit “Stolz“ an ihre Kolonien und steigerte die Kauflust. Diese “positive“ Positionierung, durch die umgangssprachliche Benennung von Dingen und Firmen, beeinflusst bis heute die falsche Wahrnehmung des Begriffes in der weißen Mehrheitsgesellschaft. Berechtigte Kritik wird mit Vergleichen wie “Jägerschnitzel“ und “Hamburger“ ins Lächerliche gezogen, was erneut eine Demütigung und Herabwürdigung für die betroffenen Menschen bedeutet, denn dieser Vergleich übersieht den Unterschied zwischen Begriffen, die eventuell jemanden beleidigen könnten und Begriffen, deren beleidigende und rassistische Bedeutung vielfach festgehalten wurde. Ein*e Jäger*in wird aufgrund ihrer*seiner Aktivitäten Jäger*in genannt und ein*e gebürtige*r Hamburger*in wird sich selbst wohl auch als solche*r bezeichnen. Niemand wurde in der Geschichte der Menschheit von Außenstehenden als Jäger*in oder Hamburger*in fremdbezeichnet und unter diesen Begriffen rassenbiologisch als minderwertige Menschenrasse eingestuft und über hunderte von Jahren versklavt.

Heutige Bedeutung und Wirkung des M-Wortes

An der herabwürdigenden und verletzenden Wirkung für Schwarze Menschen hat sich bis heute nichts geändert, sie wird oftmals durch entindividualisierende bildliche Darstellungen Schwarzer Menschen in Firmenlogos und Stadtwappen sogar noch verstärkt. Das M-Wort schreibt Menschen afrikanischer Abstammung dauerhaft viele rassistische Stereotype zu und diese haben sich über hunderte von Jahren nachhaltig in die weiße Mehrheitsgesellschaft eingeschrieben. Würde man heute beispielsweise einem 20-jährigen weißen Menschen die Aufgabe stellen: „Zeichnen Sie einen M-Wort“ so würde unter Garantie ein Bild von einem Schwarzen Menschen mit Turban und Pumphose entstehen, ähnlich wie die bereits beschriebene Figur des Sarotti*M-Wort, der im Übrigen schon seit 2004 ein Sarotti-Magier ist.

Die Vorstellungskraft des Menschen benötigt einen Begriff um Vorstellungen begreifbar zu machen und das Bild eines Schwarzen Menschen im Topos des minderwertigen, folgsamen und unterwürfigen Dieners ist fest mit der Begrifflichkeit des M-Wortes verbunden. Wie bereits zuvor beschrieben gilt das M-Wort zwar als veraltete Fremdbezeichnung, wird aber immer noch aktuell z.B. im Namen vieler Apotheken, verwendet. Durch diesen unbedachten Umgang mit dieser rassistischen Fremdbezeichnung für einen Menschen afrikanischer Abstammung werden koloniale Fantasien, alle Schwarze Menschen würden gleich aussehen und wären nur für niedere Tätigkeiten einsetzbar, wach gehalten und dauerhaft reproduziert. Das M-Wort entwürdigt Schwarze Menschen bis heute und beraubt sie dauerhaft ihrer Identität.

Dieser noch heute vorherrschende sorglose ignorante Umgang mit dem M-Wort als Namensbestandteil von Firmen, Straßen und Süßspeisen usw., verleiht dem M-Wort eine Scheinlegitimation und ignoriert die grausame und menschenverachtende Geschichte die sich hinter dieser rassistischen Fremdbezeichnung verbirgt. Dies stellt nicht nur eine maßlose Respektlosigkeit gegenüber Schwarzen Menschen und deren Geschichte dar, es baut auch eine Art Schutzwall vor dem M-Wort und schützt es dauerhaft vor Interventionen durch Betroffene. Kaum ein Mensch der weißen Mehrheitsgesellschaft kennt diese entsetzliche Geschichte, die sich hinter dem M-Wort verbirgt.

Die weiße Mehrheitsgesellschaft verbindet das M-Wort eher mit leckeren Süßigkeiten und positiven Kindheitserinnerungen, als es leckere M-Wort*köpfe auf dem Kindergeburtstag gab. So hat sich in der weißen Mehrheitsgesellschaft nie ein Bewusstsein für die massive rassistische und menschenverachtende Bedeutung des M-Wortes entwickelt, sondern es herrscht eher eine getrübte romantisierte Bedeutungswahrnehmung.

Versucht sich nun ein betroffener Mensch gegen diese rassistische Fremdbezeichnung zur Wehr zu setzen, scheitert dieser Versuch nicht nur an dem beschriebenen uneinnehmbaren Schutzwall, sondern die betroffene Person läuft zusätzlich der Gefahr entgegen der Täter-Opfer-Umkehr zu unterliegen und von der weißen Mehrheitsgesellschaft selbst der Verleumdung bezichtigt zu werden. “Ich bin doch kein Rassist!“ – im Sinne von: “Wie kannst du es wagen mich eines Fehlverhaltens zu beschuldigen, nur weil ich das M-Wort gesagt habe!“ -  ist eine häufige Reaktion. Der betroffene Mensch als Opfer der rassistischen Diffamierung fällt aus dem Blick und die Zumutung ist plötzlich nicht mehr für die Menschen afrikanischer Abstammung mit diesem rassistischen Begriff konfrontiert zu werden, sondern für die weiße Mehrheitsgesellschaft für die Verwendung dieses Begriffes kritisiert zu werden. “Das wird man (der weiße Deutsche) doch noch sagen dürfen“ schließt daran an. Andere weiße Menschen die nicht in der beschriebenen Weise an dieser rassistischen Fremdbezeichnung “hängen“ neigen vermutlich aus mangelndem Wissen dazu sich entweder neutral zurück zu halten, oder sich eher der Mehrheitsmeinung der weißen Mehrheitsgesellschaft anzuschließen. Viele ablehnende öffentliche Kommentare und Artikel in den Medien von mehr oder weniger prominenten weißen Menschen, die sich selber wenig bis gar nicht mit der Thematik befasst haben aber trotzdem Interviews zu diesem Thema geben, festigen die getrübte Mehrheitsbildung. Gegenteilige Einzelmeinungen von Betroffenen werden als Beweis zur “M-Wort-Unbedenklichkeit“ stilisiert und damit zementiert man die Ablehnung. Nicht selten folgt weitere Häme um die*den Betroffene*n abschließend mundtot zu machen.

Wir wissen von vielen Betroffenen, dass diese Menschen nach solchen entsetzlichen “Victim Blaming“ Erfahrungen resignieren und das Leid dieser Menschen sich insgesamt danach vergrößerte. Erfolgt das Victim Blaming aus Kreisen in denen sich diese Person bisher sicher und verstanden fühlte - und auf deren Rücksichtnahme und Verständnis dieser Mensch bisher blind vertraute - so kann man sich vorstellen wie schmerzlich und verletzend solch eine Erfahrung nachhaltig auf mehreren Ebenen wirkt. Aufgrund dieser negativen Erfahrungen wehren sich viele Betroffene danach nicht mehr und entschließen sich diese Demütigungen zukünftig lieber dauerhaft zu ertragen um nicht erneut der Täter-Opfer-Umkehr zu unterliegen.

Die Ächtung des M-Wortes würde keine Spaltung der Gesellschaft hervorrufen, eine weitere Ablehnung von diskriminierungssensibler Sprache würde diese jedoch vorantreiben

Ein Beispiel wozu eine weitere ignorante Verteidigung rassistischer Bezeichnungen führen kann, bzw. welche gesellschaftlichen “Nebenwirkungen“ bei einer weiteren Verharmlosung rassistischer Sprache entstehen können, zeigt das Beispiel des angestrebten Parteiausschlussverfahres des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer.

Palmer sagte: „Cancel culture macht uns zu hörigen Sprechautomaten, mit jedem Wort am Abgrund.“ Und weiter: „Der Furor, mit dem Stürme im Netz Existenzen vernichten können, wird immer schlimmer.“ Und eine letzte Äußerung Palmers: „Eine private Nachricht und eine unbedachte Formulierung, schon verschwinden zwei Sportler von der Bildfläche.“

Dies zeigt exemplarisch welche Sichtweise, wie die von Herrn Palmer, sich bei großen Teilen der weißen Mehrheitsgesellschaft bezüglich diskriminierungssensibler Sprache nachhaltig eingeschrieben hat. Die Meinung der Begriff “Quoten-Schwarzer“ wäre nicht so schlimm übersieht jedoch, dass die Menschenwürde von Schwarzen Menschen schon seit Jahrzehnten durch die Verharmlosung rassistischer Fremdbezeichnungen mit Füßen getreten wird und für die Betroffenen diesbezüglich ein unerträglicher Schmerzlevel erreicht wurde. Isoliert betrachtet mag so manch einer bei seiner Meinungsbildung der Sichtweise von Palmer folgen, denkt man aber unsere Ausführungen und den historischen Kontext von Kolonialismus und Rassismus bei der eigenen Meinungsbildung mit,  erscheinen die Reaktionen die Palmer als übertrieben beschreibt jedoch mehr als angemessen.

Darum ist die Ächtung des M-Wortes unumgänglich

Eine Ächtung des M-Wortes würde nun den zuvor beschriebenen Schutzwall vor dieser rassistischen Fremdbezeichnung durchbrechen und die betroffenen Menschen wären stattdessen vor der Täter-Opfer-Umkehr und allen beschriebenen negativen Folgeherabwürdigungen geschützt. Es müssen Menschen vor Entwürdigung durch Worte geschützt werden, nicht Worte vor Menschen. 

Menschen afrikanischer Abstammung verbinden das M-Wort mit Leid, Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung und vielen ihnen zugeschriebenen rassistischen Stereotypen wie Naturhaftigkeit, Kulturlosigkeit, Viktimisierung, Infantilisierung und Folgsamkeit. Es kennzeichnet sie dauerhaft als “Fremd“ (Othering) und bei jeder Konfrontation mit dem M-Wort im Namen einer Straße, Apotheke, eines Restaurants oder Cafés werden sie an Zeiten erinnert, zu denen Menschen afrikanischer Abstammung unter dieser Fremdbezeichnung in Menschenzoos ausgestellt wurden. All dies führt zu Ohnmachtserfahrungen mit psychischen Folgen.

Eine Ächtung des M-Wortes würde sicherlich all diese Probleme nicht lösen, aber es wäre ein erster Schritt die Position von Menschen afrikanischer Abstammung in unserer Gesellschaft zu stärken und es würde sie vor rassistischen Verletzungen durch Sprache Schützen. Gleichzeitig sorgt die Ächtung des M-Wortes für einen offenen Diskurs in unserer Gesellschaft, allgemein über rassistischen Sprachgebrauch (s. Beispiel Palmer), und würde für Aufklärung sorgen. Ein wichtiger erster Schritt um ein Bewusstsein für die Lebensrealität Schwarzer Menschen in unserer weißen Mehrheitsgesellschaft zu schaffen.

Zu Beginn des Jahres 2017 kam ein Expertenteam der Vereinten Nationen zu der Feststellung, dass unser Grundgesetzt zwar die Menschenwürde für unantastbar erklärt, Gleichheit für alle Menschen garantiert und rassistische Diskriminierung verbietet, diese Rechte für Menschen afrikanischer Abstammung aber nicht durchgesetzt werden. Diese Feststellung des UN-Expertenteams bezog sich auch auf rassistische Fremdbezeichnungen, wie beispielsweise in Straßennamen, und deckt sich mit unseren Ausführungen. Anbei Schlagzeilen aus dem Februar 2017:

Taz: „Deutschland muss dagegenhalten.“

Westfalenpost: „UN-Experten beklagen Rassismus gegen Schwarze in Deutschland.“

Tagesspiegel: „Rassismus gegen Schwarze in Deutschland – vernichtendes Urteil der UN.“ 

SZ: „Besorgt über die Außmaße staatlicher Übergriffe.“

Die Ächtung des M-Wortes würde den Artikel 1. Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und den Artikel 1. der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ für Menschen afrikanischer Abstammung durchsetzen und damit auch die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Abstammung umsetzen.  

Zitate

Die damalige Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders sagte zum Start der UN-Dekade in Berlin:

„Die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung erinnert auch an die massive Diskriminierung, an Ausgrenzung und Rassismus, die viele immer wieder erleben. Wir sehen die Dekade darum als große Chance, für Aufklärung und Wissen zu sorgen und Menschen, die Diskriminierung erfahren, zu bestärken und zu unterstützen. Dafür ist es wichtig, die Perspektive afrikanischstämmiger Menschen ins Zentrum zu rücken: Ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung, ihre Forderungen an Politik, Gesellschaft und Kultur."

Unsere Bundeskanzlerin Merkel sagte nach den Anschlägen von Hanau:

„Rassismus ist ein Gift.“

Und unser Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier sagte am 16. Juni 2020:

„Neutralität ist keine Antwort auf Rassismus.“Ich bin doch kein Rassist" ist keine Antwort auf Rassismus und darf es nicht sein. Jedenfalls nicht für Demokratinnen und Demokraten!  
Solange es Rassismus gibt in unserer Gesellschaft, in unserem Umfeld, in unserer Nachbarschaft, vor allem aber in unseren eigenen Einstellungen, Vorurteilen, Denkmustern, können wir uns nicht teilnahmslos verhalten. Sondern wir entscheiden uns – jeden Tag, bewusst oder unbewusst, in unserem Handeln wie in unserem Nichthandeln –, wo wir stehen, auf welcher Seite wir stehen.“ 

Den Schlusssatz seiner Rede entlehnte er einem Zitat der berühmten Schwarzen Bürgerrechtlerin, Philosophin, Humanwissenschaftlerin und Schriftstellerin Angela Davis:

„Nein, es reicht nicht aus, "kein Rassist" zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!“

Petitionsupdate 1 - Scheinargument: Familienname Mohr

Petitionsupdate 2 - Das M-Wort war schon immer despektierlich gemeint

Petitionsupdate 3 - Historische Bedeutung des M-Wortes 

Petitionsupdate 4 - Dr. Ulrike Hamann über das M-Wort 

Die Entscheidungsträger*innen

Petitionsausschuss Deutscher Bundestag
Petitionsausschuss Deutscher Bundestag

Neuigkeiten zur Petition

Diese Petition teilen

Petition am 20. Juni 2021 erstellt