

Hurra ich bin ein Schulkind! Gestern feierten wir in Südbrandenburg die Einschulungen unserer Kinder.
Voller Freude blicken auch wir niedersorbischen Familien in der Lausitz diesem neuen und so wichtigen Abschnitt im Leben unserer Kinder entgegen. Eine Einschulung oder Schuleinweihung ist immer auch eine Initiation, vergangenes möchte losgelassen und die Zukunft willkommen geheißen werden.
Auch wenn ein wenig Wehmut (vor allem bei uns Eltern) mitschwingt. Unser sorbischer Kindergarten hat unsere Kinder von Anfang an konsequent, mit Liebe und Begeisterung in unserer Sprache nach der Immersionsmethode gefördert und die Kinder wuchsen dort in der heilen sorbischen Kindergartenwelt behütet heran.
Immersion steht für das Sprachbad, das die Kinder permanent genießen konnten und das den Erfolg des WITAJ-Konzepts des Sorbischen Schulvereins ausmacht. Dieses Sprachbad ist so unglaublich wichtig für die Kleinen, denn es legt den Anker für unsere Sprache, die die Kinder spielerisch und quasi als zweite Muttersprache im Kindergarten erlernen können.
Als zweite Muttersprache -und das ist das Paradoxe daran- denn in einem Großteil unserer Familien ist die Niedersorbische Sprache bereits ausgestorben. In Sprachkursen erobern wir Eltern die Sprache unserer Vorfahren Wort für Wort zurück. Dank unserer Kinder, die wir verstehen und mit denen wir Niedersorbisch sprechen wollen.
Mit der Einschulung tritt sprachlich gesehen ein erster großer Einschnitt ein: Von der „Sorbischen Welt“ gehen unsere Kinder in das „Deutsche Schulsystem“ über, in dem Sorbisch in Brandenburg als Unterrichtsfach und im Rahmen des Witaj-Projekts teilweise im bilingualen Sachfachunterricht vermittelt werden kann.
Das ist schon an der Pforte zum Schulhaus zu spüren: Während im Kindergarten sorbische Begrüßungen und Verabschiedungen auf für uns Eltern ganz natürlich wurden, verändert sich dies oftmals mit dem Schuleintritt und das „Dobre zajtšo“ weicht oft unmittelbar dem „Guten Morgen“.
Ich wünsche uns und unseren Kindern von Herzen, dass es uns dieses Jahr gelingt die „sorbische Atmosphäre“ aus der Kita an die Grundschule „rüberzuretten“ und eben nicht an der Pforte abzugeben. Zugleich bin ich voller Hoffnung, dass es uns gelingt, denn wir sind in den Kindergartenjahren zu einer wunderbaren Gemeinschaft herangewachsen, die sich gemeinsam zu unserer Sprache bekennt: Ein Zeichen dafür ist, dass alle Vorschulkinder aus unserem Kindergarten Witaj (also den bilingualen Sachfachunterricht) in der Schule fortführen.
Dies ist auch ein Zeichen unseres Vertrauens unsere Bildungsministerin Britta Ernst und die künftige Sorben/WendenSchulverordnung (SWSchulV). Aber auch eine klare Botschaft der Familien: Wir wollen, dass unsere Kinder konsequent vom Kindergarten bis zum Abitur Niedersorbisch lernen und sprechen können!
Im Ministerium wird derzeit am 3. Entwurf der SWSchulV gearbeitet und wir erwarten diesen Entwurf voller Zuversicht.
Doch die Schule ist nicht der einzige Sprachraum in dem sofort sprachliche Einschnitte gegenüber dem Kindergarten spürbar sind: Auch unsere (WITAJ-) Horte haben hier im außerschulischen Bereich teilweise noch recht große Reserven die Sprache zum Leben zu erwecken und stärker in den Hortalltag zu integrieren. Das Witaj-Sprachzentrum ist hier stärker als Partner und Unterstützer gefragt, aber zum Beispiel auch die Stadt und der Landkreis als Träger der kommunalen Horte.
Denn: Die Schüler verbringen hier mehrere Stunden am Tag und dieser Sprachraum will dringend belebt und erschlossen werden. Das ist wichtig, auch um den Kindern zu zeigen, dass sie die Sprache außerhalb der Schule ganz selbstverständlich anwenden können.
Eine Sprache lebt davon gesprochen zu werden.
Doch damit nicht genug: Was unsere Kinder dringend brauchen sind zweisprachige Niedersorbische Ferien- und Freizeitangebote. Der Mangel an solchen Angeboten ist eklatant und für uns so nicht und nicht länger hinnehmbar!
Liebe Domowina, insbesondere liebes Witaj-Zentrum: Wir müssen DRINGEND reden und handeln!
Hier müssen wir DRINGEND eine Lösung finden und Angebote für die Freizeit und Ferienzeit (vielleicht gemeinsam mit der Stiftung für die Sorbische Sprache und Kultur?) ins Leben rufen! (Diesem Thema, dass uns Eltern sehr sehr unter den Nägeln brennt, werden wir uns in einem späteren Beitrag einmal ausführlich widmen...)
Nun aber schauen wir wieder auf unsere Schulanfänger und Schüler, die dank EUCH und EURER Unterstützung in unseren Schulen in Südbrandenburg Niedersorbisch lernen können! Diesen und allen anderen Kindern wünschen wir einen leichten und unbeschwerten Schuleintritt, bzw. Beginn des neuen Schuljahres: wunderbare Lehrerinnen und Lehrer und viel viel Freude am Lernen!
Vielen Dank auch DIR, der/die diese Zeilen liest für deine Treue und Unterstützung und DU merkst es liegen noch viele Stolpersteine vor uns und wir brauchen DICH.
Deshalb bitten wir DICH im Namen der Kinder von Herzen: BITTE unterzeichne und teile diese Petition um gemeinsam mit uns den Wandel zu bewirken...