Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!Offener Brief an Herrn Woidke (Ministerpräsident) und Herrn Baaske (Brandenburger Bildungsminister)

Kathleen KomolkaGermany

Mar 13, 2017
Bereits am 27.02.2017 haben wir einen offenen Brief an den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und den für unser Anliegen -den Stop der geplanten Sorben-/Wenden Schulverordnung mit den Inhalten einer definierten Gruppenstärke und des jahrgangsübergreifenden Unterrichts- zuständigen Bildungsminister Günter Baaske gesendet.
Bis zum heutigen Tag liegt uns keine Antwort oder sonstige Reaktion von Herrn Woidke oder Herrn Baaske auf unseren Brief vor.
Darüber sind wir, die sorbischen Eltern enttäuscht und Fragen uns ob dies die Art und Weise des Landes oder des Bildungsministers ist mit uns umzugehen?
Gern möchten wir hier unseren Brief mit euch teilen:
Landesregierung Brandenburg
Herrn Ministerpräsidenten Dietmar Woidke
Herrn Bildungsminister Günter Baaske
Heinrich-Mann-Allee 107
14473 Potsdam
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dietmar Woidke,
sehr geehrter Herr Bildungsminister Günter Baaske,
am Dienstag, dem 21.02.2017, tagte der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden außerordentlich zum Thema „Sorbisch-/Wendisch-Unterricht und Witaj im Zusammenhang mit den Plänen des MBJS für eine neue Sorben/Wenden-Schulverordnung“. Wir Eltern waren mit unseren Kindern vor Ort, um unsere Stimmen gegen die Pläne des Bildungsministeriums zu erheben.
Nun wende ich mich heute an Sie und möchte eindringlich die Bitte an Sie herantragen, unsere Interessen als sorbische/wendische Minderheit im Namen unserer Kinder und des sorbischen/wendischen Volkes zu wahren und unsere Interessen zu vertreten. Bitte erheben Sie Ihre Stimme gemeinsam mit und für uns und helfen Sie uns, die geplante Verordnung zur Neuregelung des Sorbisch-/Wendisch- und des bilingualen Unterrichts (WITAJ) zu stoppen.
Wir Eltern der sorbischen Kinder finden es praktisch nicht vertretbar, dass die Klassenstärke von derzeit 5 auf 12 Schüler angehoben werden soll, damit Sorbisch/Wendisch in der Schule unterrichtet wird. So ist kein qualitativer Unterricht möglich. Um diesen zu gewährleisten, sollten vielmehr Teilungsklassen eingerichtet werden, um die Unterrichtsgruppen klein zu halten und qualitativ hochwertigen Sorbisch-/Wendisch-Unterricht erteilen zu können, statt eine vernichtende Gruppenstärke zu definieren!
Unseres Erachtens nach hat die geplante Verordnung gravierende Folgen für den Erhalt unserer Sprache und Kultur sowie unseres kulturellen Erbes. Wie soll es praktisch aussehen, wenn Klassen zusammengelegt werden, um die Stärke von 12 Kindern zu erreichen? Es kann nicht im Interesse unserer Kinder und der Sprachvermittlung sein, wenn Schüler der Klassenstufen 1 bis 3 gemeinsam in einer Sorbisch-/Wendisch-Klasse unterrichtet werden sollen, um die nötigen 12 Kinder irgendwie zusammenzukratzen! Und was wäre dann mit den Klassen 4 bis 6, die möglicherweise nur noch 5 oder 6 Kinder sind statt der nötigen 12? Wie sollen unsere Kinder so die Möglichkeit bekommen, ihre sorbische/wendische Identität zu entwickeln und leben zu können? Eine Identität, zu der Sprache ein wichtiger und unerlässlicher Schlüssel ist! Oder wie verhielte es sich, wenn plötzlich mehr Kinder in die "nächste Klasse", [so es sie denn gibt] wechseln als Kinder nachrücken? Damit bräche der Witaj- oder auch der Sorbisch-/Wendisch-Unterricht für alle weg, weil plötzlich die nötige Klassenstärke nicht mehr gegeben sein könnte!
Wir haben so sehr auf das Sorben-/Wendengesetz gehofft, auf die Verankerung unserer Rechte als Minderheit. Wofür? Um jetzt in dem Recht, unsere Sprache auch in der Schule aktiv im Leben unserer Kinder zu verankern, unsere Sprache und Kultur am Leben zu erhalten, gravierend und schmerzlich beschnitten zu werden?
Dass lassen wir uns nicht nehmen! Jahrelang und mit irreversiblen Schäden der Vergangenheit wurde unser kulturelles Erbe als geringwertig erachtet, wir Sorben erniedrigt, verunglimpft und die Sprache unterdrückt. Wir lassen uns nicht schleichend in den Rechten, die wir uns gemeinsam seit Generationen hart und kontinuierlich zurückerkämpft haben, beschneiden!
Was sind die zwingenden Gründe, die Sie, Herr Bildungsminister Baaske, zu diesem Schritt bewegen? Diese wurden bisher nicht kommuniziert. Letztlich scheint es darum zu gehen, an unserer Sprache und damit am Fortbestand derselben zu sparen! Dies widerspricht jedoch unter anderem dem Sorben/Wenden-Gesetz von Brandenburg, § 8 Absatz 1: „Das Land erkennt die sorbischen/wendischen Sprachen, insbesondere das Niedersorbische, als Ausdruck des geistigen und kulturellen Reichtums des Landes an und ermutigt zu ihrem Gebrauch“.
Wie lange sollen wir unsere Sprache am Leben halten, wenn sie bald nur noch in den Büchern oder auf Straßenschildern zu finden ist? Und unseren Kindern die Basis des Witaj-Projekts oder des Sorbisch-/Wendisch-Unterrichts genommen wird? Ein trauriges Rechenbeispiel mit verheerenden Folgen für unsere sorbische/wendische Identität, für die wir kämpfen müssen!
Die systemische Verdrängung zugunsten von Budgeteinsparungen im Sorbisch-/Wendisch-Unterricht lassen wir Eltern nicht zu. Aus diesem Grund bitten wir um Ihre aktive Unterstützung unserer sorbischen/wendischen Interessen! Wir Eltern haben große Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der geplanten Verordnung und verweisen nochmals auf unseren -nicht nur in unserer Verfassung- sondern auch in der europäischen Charta geschützten Rechte als Minderheit!
Unsere Kinder liegen uns am Herzen, nichts mehr als das! Dazu gehört für uns Eltern in der Lausitz in jedem Fall auch die freie Entfaltung der Persönlichkeit unserer Kinder samt deren sorbischer/wendischer Identität, denn: Wir sind Sorben/Wenden und wir geben unser kulturelles und vor allem sprachliches Erbe an unsere Kinder weiter. Nur so kann unsere Sprache und Kultur für künftige Generationen unserer Kinder und Kindeskinder erhalten bleiben!
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dietmar Woidke, sehr geehrter Herr Bildungsminister Günter Baaske! Bitte überdenken Sie die genannten Fakten und öffnen Sie den Weg zu einer neuen Sorben-/Wenden-Schulverordnung, in der sich das Land Brandenburg als würdiges und unterstützendes Heimatland der Sorben-/Wenden auszeichnet! Zu einer Verordnung, die die nationalen und internationalen rechtlichen Verpflichtungen einhält und den Sorben/Wenden auch in zukünftigen Generationen eine positive Entwicklung ihrer Sprache und Identität ermöglicht.
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung und Unterstützung und verbleibe im Namen aller sorbischen/wendischen Eltern und Kinder mit herzlichen Grüßen – ja Was wutšobnje strowim -
Kathleen Komolka
Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X