
Liebe Unterstützer*innen,
hier folgt die Fortsetzung sowie ein kurzes Fazit:
4. Ein Tempolimit behindert den Absatz stärker motorisierter PKW!
Wieder ein klares Lobbyargument. Der AvD widerlegt das Argument in einem gegen Befürworter eines Tempolimits gerichteten Zusammenhang ungewollt selbst: „Ein Blick auf die Autokäufe in Ländern wie Österreich oder der Schweiz widerlegt diese Annahme [dass Autokäufer im Falle eines Tempolimits verstärkt kleinere, schwächer motorisierte Fahrzeuge kaufen würden; M.G.] deutlich. In beiden Ländern existieren seit Jahren streng überwachte, generelle Tempolimits, die drakonische Strafen für Temposünder vorsehen. Trotzdem erfreuen sich leistungsstarke Modelle auf diesen Märkten einer großen Beliebtheit… In einer Reihe von Fällen liegen die absoluten Verkaufszahlen von Sportmodellen (…) über denen auf dem deutschen Markt.“ Das gilt übrigens auch für die USA, wo bekanntlich nur 113 Km/h erlaubt sind.
5. Wir brauchen zuerst Studien
Damit wollen sich der Bundesverkehrsminister und viele Autoclubs aus der Verantwortung stehlen. Allein der unstrittige Vorteil für die Umwelt reicht aus, um die Maßnahme endlich zu beschließen. Aber es gibt sogar schon Studien, die nachweisen, dass es bei Tempolimit 130 Km/h weniger Tote gibt:
In Brandenburg wurde 2003 auf einer Strecke der A 24 von 62 km ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt. Die Zahlen: Von 1996 bis 2002 1850 Verletzte und 38 Tote, von 2003 bis 2007 799 Verletzte und 19 Tote! Die Zahl der Unfälle hat sich halbiert (Quelle: spiegel.de vom 29.01.2019 nach einer begleitenden Untersuchung). Die gleiche Studie ergab auch, dass sich der Verkehrsfluss (weniger Staus!) verbessert hat. Ein ähnliches Ergebnis gibt es für einen Streckenabschnitt in NRW auf der A4, auf dem es bis 2017 9 Tote gab, und ab Einführung des Tempolimits von 130 keinen mehr.
Eine Untersuchung des DVR ergab für 2016 185 Todesopfer auf Autobahnen wegen nichtangepasster Geschwindigkeit, davon 66% auf Abschnitten ohne Tempolimit und 34% auf Abschnitten mit Tempolimit.
Eine Analyse des Spiegel (spiegel.de vom 23.02.2019) ergab eine Zahl von 0,95 tödlichen Unfällen pro Mrd. gefahrene Kilometer auf Abschnitten mit und 1,67 auf Abschnitten ohne Tempolimit, also 75% mehr. Eine Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes rechnet das hoch und kommt auf 268 Tote mit Tempolimit und 409 Tote ohne Tempolimit.
Eine Analyse des VCÖ (Quelle vcoe.at) aus 2018 kommt im Vergleich zwischen Österreich und BRD zu 51% mehr Unfällen, 65% mehr Verletzten und 25% mehr Toten pro 1000 Autobahn-Kilometern.
Also insgesamt eine eindeutige Tendenz! Wieviel vermeidbare Tote soll es denn noch geben, bis die immer-noch-gestrigen Lobby-Automobilclubs die Datenlage als ausreichend ansehen? Unser Vorschlag: Eine Feldstudie mit 130 Km/h auf allen Autobahnen. Dann die Daten auswerten. Sie werden begeistert sein, Herr Scheuer!
6. Autofeindliche Gruppen wollen die individuelle Mobilität der anderen so weit wie möglich einschränken!
Hallo? Damit diffamiert der Geschäftsführer eines Autoclubs (vgl. ACV Profil 1/20 S.3) mal eben alle Menschen, die sich wegen der mit einem Tempolimit verbundenen Umwelt- und Verkehrssicherheitseffekte gegen unbegrenzte Raserei auf Autobahnen aussprechen - und das tut sogar auch ein Großteil aller Autoclub-Mitglieder!
Fazit: Der Straßenverkehr ist wegen seiner vielfältigen Gefahren sehr detailreich reglementiert. Das ist notwendig, weil nicht zugelassen werden darf, dass sich Autofahrer nur nach ihren persönlichen Vorlieben richten. Seit den 1960er Jahren kamen immer weitere Regeln dazu, wie z.B. Tempolimit 50 Km/h innerorts, Tempolimit 100 auf Landstraßen, Promillegrenze 0,8, Richtgeschwindigkeit 130, Gurtanlegepflicht, Promillegrenze 0,5 , Handyverbot bis hin schließlich zur Erhöhung der Bußgelder im April 2020. Im Straßenverkehr gilt ganz besonders: Freiheit ist immer auch Rücksicht auf die (Freiheit der) Anderen!
Die meisten Automobilclubs (bis auf ACE und KS) übernehmen mit ihrer Ablehnung oder „Neutralität“ (der ARCD sieht sich mit dem ADAC in dieser Kategorie) in Sachen Tempolimit auf Autobahnen keine Verantwortung für mehr Umweltschutz und Verkehrssicherheit. Der Winter 2019/20 war viel zu warm und einschließlich Frühjahr 2020 viel zu trocken. Die Umwelt braucht jetzt große, aber auch viele kleine Entlastungen! Das Tempolimit 130 Km/h ist eine kleine Entlastung, verkehrspolitisch sehr effizient und eine überfällige Angleichung an die im restlichen Europa geltenden Verkehrsregeln. Die Niederlande haben kürzlich bewiesen, dass sie mit einem Tempolimit 100 Km/h sogar noch mehr für die Umwelt zu tun bereit sind. Wir appellieren an CDU und CSU: Nutzen Sie Vernunft und das C in Ihren Namen. Tempolimit 130 Km/h - sofort!
Bitte denkt weiter an Freunde und Bekannte! Wir sind weit mehr Befürworter*innen und sollten das auch demonstrieren. Und vor allem: Bleibt gesund!
Thomas und Matthias Geck