Offener Brief: Schutz der Berliner Schulgemeinschaft

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Sehr geehrte Frau Scheeres,

sehr geehrte Frau Geißler,

sehr geehrte Frau Kalayci,


wir als LehrerInnen möchten coronabedingte Schulschließungen unbedingt verhindern. Die Erfahrungen aus dem Frühjahr haben gezeigt, dass die meisten Schulen nicht ausreichend für digitales Lernen ausgestattet sind. Außerdem ist das soziale Umfeld der Schule wichtig für die Entwicklung der SchülerInnen (Quelle). Dabei muss jedoch gleichzeitig der gesundheitliche Schutz aller Beteiligten bestmöglich sichergestellt werden. Bei Inzidenzwerten von mehr als 100 ist dies unserer Meinung nach durch die Beibehaltung der Stufe “gelb” nicht möglich. Wir fordern deshalb den sofortigen Wechsel auf Stufe “orange” bei Inzidenzwerten größer 50, um Präsenzunterricht so risikoarm wie möglich aufrechterhalten zu können.


Das Robert-Koch-Institut (RKI) als zentrale Einrichtung zur Einschätzung der Infektionslage in Deutschland gibt klare Empfehlungen für Schulen. Demnach sollen Schutzmaßnahmen präventiv und nicht reaktiv eingesetzt werden. Bei 7-Tages-Inzidenzen größer 50 empfiehlt das RKI für alle Altersstufen eine Kohortenbildung, Einstellung von Schulaktivitäten mit besonderem Infektionsrisiko, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht und im Schulgebäude sowie die Verkleinerung der Klassen oder eine Prüfung von Schulschließungen (Quelle). Diese Maßnahmen entsprechen den Stufen “orange” und “rot” im Berliner Stufenplan der Senatsverwaltung. Besonders die Einschränkungen der Stufe “orange” stellen dabei keinen massiven Einschnitt in den Ablauf des Präsenzunterrichts dar.


Trotz 7-Tages-Inzidenzen von 104 in Marzahn-Hellersdorf bis hin zu 348 in Neukölln (Stand 07.11.2020; Quelle) werden die meisten Schulen als “gelb” eingestuft. Die Gesundheitsämter begründen dies u.a. damit, dass sich das konkrete Infektionsgeschehen an Schulen in Grenzen halte. Diese Einschätzung ist kritikwürdig, da SchülerInnen häufig nur schwache oder keine Symptome zeigen und dabei infektiös sein können (Quelle). Screenings von SchülerInnen finden nicht statt und Gesundheitsämter stoßen schon bei der allgemeinen Nachverfolgung der Infektionen an ihre Grenzen (Quelle).


Dies hinterlässt bei LehrerInnen den Eindruck, dass die Senatsverwaltung die Empfehlungen des RKI nicht ernst und dadurch billigend COVID-19-Erkrankungen an Schulen in Kauf nimmt. Damit wird der Schutz von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vernachlässigt.


Wir fordern deshalb eine transparente Einstufung von Schulen, die sich an den Empfehlungen des RKI und dem realen Infektionsgeschehen in der Gesellschaft orientiert. 

Wir fordern dementsprechend aktuell mindestens eine Einstufung auf “orange”, sodass alle notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen werden, um einen Präsenzunterricht möglichst lange zu garantieren.

 

Oliver Jones und Benjamin Schlink, Lehrer