
Liebe Unterstützer:innen,
Ende vergangener Woche erreichte uns eine gute Nachricht von der anderen Seite des Atlantiks: Die bisherigen Pläne für das LNG-Terminalprojekt im kanadischen Goldboro wurden aufgegeben! Nach jahrelanger Kampagnenarbeit, der Bedrohung kanadischer und deutscher Aktivist:innen durch die Vorhabenträgerin und immer wieder verschobenen Deadlines ist das nach der Absage des LNG-Terminals Wilhelmshaven ein weiterer großer Erfolg, der auch den noch bestehenden Plänen für Terminals in Deutschland schaden dürfte – gemeinsam machen wir auch den verbleibenden Plänen in Deutschland den Garaus!
Derzeit überschlagen sich die Ereignisse in Sachen LNG-Terminals. Nachdem German LNG den Antrag auf Genehmigung der Hafenanlagen in Brunsbüttel vergangene Woche Mittwoch stellte, kam am Freitag die Nachricht, dass die kanadische Firma Pieridae ihre Pläne für ein Fracking-Export-Terminal in Goldboro aufgibt. Kurz zuvor hatte das Unternehmen die hauseigene Deadline – die zuvor bereits um ein Jahr verschoben wurde – für das Treffen der finalen Investitionsentscheidung zum 30. Juni verpasst. Entscheidend hierfür könnte eine Bitte des Unternehmens über Finanzhilfen in Höhe von nahezu einer Milliarde Dollar an die kanadische Regierung gewesen sein, die - auch dank des Drucks von Aktivist:innen aus Kanada und Deutschland - unbeantwortet blieb.
Die Stellungnahme des Unternehmens zu seiner Entscheidung bemüht sich natürlich trotzdem um Optimismus: Von einer „neuen Richtung“ für das Projekt ist da die Rede, und davon, dass „Kostendruck“ und mangelnde Zeit während der Covid-Pandemie die Errichtung des Projekts in seiner bisher geplanten Form „impraktikabel“ gemacht hätten. Nun sollen weitere Optionen geprüft werden, die ein LNG-Projekt „kompatibler“ mit dem derzeitigen Marktumfeld machen würden. Auch das fossile Märchen von Erdgas als Brücke und der verheißungsvolle „Netto-Null“-Emissionspfad fehlen natürlich nicht.
Aber Moment mal – kennen wir all das nicht schon von irgendwoher? Genau – Uniper hatte in Wilhelmshaven ganz ähnliche Töne einer „Neuausrichtung“ und „Überprüfung“ der Pläne von sich gegeben, bevor das LNG-Projekt im April 2021 dann endgültig abgesagt wurde. Der Grund hierfür war damals neben unserem massiven Protest auch das mangelnde Marktinteresse an den Kapazitäten des Terminals. Im Falle von Pieridae ist nun vom Fehlen eines Partners die Rede – etwas, auf das kanadische Aktivist:innen bereits vergangene Woche hingewiesen hatten.
Der PR-Sprech des Unternehmens kann uns also nicht täuschen – für eine Weiterführung des Projekts sieht es momentan schlecht aus. Der Telefonanschluss des Unternehmens-Büros wurde abgeschaltet, und auch der Finanzchef von Pieridae verließ das Unternehmen vor wenigen Tagen. Auch, wenn wir weiter wachsam bleiben müssen, ist die Nachricht also ein Sieg, der von uns und unseren Partner:innen in Kanada gefeiert werden darf! Denn er zeigt vor allem eins: Die Arbeit, die wir und ihr tagtäglich tut/n zeigt Wirkung.
Jetzt gilt es, unsere Arbeit auch gegen die hierzulande geplanten Terminals in Brunsbüttel und auch Stade fortzusetzen. Dafür gibt es demnächst gleich mehrere Anlässe: Das Aktionsbündnis Ende Gelände konzentriert seinen Widerstand Ende Juli in Brunsbüttel – parallel findet eine Demonstration statt, über die wir euch noch informieren werden. Außerdem wird der Genehmigungsprozess für die Hafenanlagen in Brunsbüttel bald losgehen, bei dem Einwendungen gegen das Projekt auch von Privatpersonen eingereicht werden können. Und wie immer gibt es auch die Möglichkeit, uns direkt in unserer tagtäglichen Arbeit zu unterstützen und so dafür zu sorgen, dass wir den Druck aufrechterhalten können. Es gibt also weiterhin viel zu tun - lasst es uns anpacken.
Lili, Gustav und
Constantin von der Deutschen Umwelthilfe