
Liebe Unterstützer:innen,
diese Woche haben wir einen großen Erfolg zu feiern: Nachdem Uniper die Pläne für sein Fracking-LNG-Terminal in Wilhelmshaven im November auf den Prüfstand stellte, hat der Konzern das Vorhaben nun endgültig aufgegeben! Stattdessen möchte die Firma den Standort zum Wasserstoff-Knotenpunkt machen und grünes Ammoniak importieren. Auf dem Erfolg können wir uns aber nicht ausruhen, wie eine andere Mitteilung von Uniper heute zeigt. Unterstützt uns, damit wir die Aktionen des Unternehmens weiterhin kritisch begleiten könnten!
Es ist also geschafft. Nach Monaten des Bangens und des Fragens, ob es mit dem geplanten LNG-Terminal doch noch irgendwie weitergehen wird, hat Uniper diese Woche klargemacht: die Planungen für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven werden nicht weiterverfolgt. Damit beerdigt der Konzern seine lange gehegten Pläne für fossiles LNG an der Küste – und gibt uns einen Grund zum Feiern! Das Signal ist auch ein Weckruf für die Terminal-Pläne in Brunsbüttel und Stade, denn auch diese fossilen Vorhaben sind aus der Zeit gefallen und müssen für die Einhaltung der Klimaziele unbedingt abgesagt werden. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.
Trotzdem ist unsere Arbeit auch in Wilhelmshaven nicht getan, denn Uniper hat nun angekündigt, ein Anlandeterminal für grünes Ammoniak sowie einen Elektrolyseur am Standort zu errichten. Beides soll zur Herstellung von grünem Wasserstoff – entweder aus dem angelandeten Ammoniak oder aus EE-Strom – dienen. Eine Machbarkeitsstudie soll zunächst bewerten, inwiefern all das umsetzbar ist.
Die Nachrichten stimmen uns enthusiastisch – doch wir bleiben auch vorsichtig. Zwar hat Uniper mit der Absage des Terminals definitiv einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, und auch gegen die neuen Pläne für ausschließlich grünen Wasserstoff ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch gleichzeitig ergeben sich hierzu jetzt viele neue Fragen, auf die noch niemand so richtig eine Antwort weiß.
So muss Ammoniak im Herkunftsland erst aus Wasserstoff und Stickstoff gewonnen werden, bevor es zu uns verschifft werden könnte. Dieser Wasserstoff muss wiederum aus Grünstrom produziert werden, wenn er irgendeinen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll. Das Problem dabei: für das Klima ist nichts gewonnen, wenn lokal produzierter Grünstrom in den Export von Ammoniak fließt, vor Ort dadurch aber weiter die fossilen Kraftwerke qualmen. Kurz: grünes Ammoniak darf nur aus Ländern exportiert werden, die bereits einen Überschuss an EE-Strom haben. Stand heute ist das aber noch fast nirgendwo der Fall. Zudem hängt die Produktion mit hohen Umwandlungsverlusten zusammen, und Ammoniak selbst ist sehr toxisch.
Wir werden Uniper also weiter genau auf die Finger schauen. Dass die Zeichen der Zeit trotz der positiven Entscheidung in Sachen Wilhelmshaven LNG dort noch nicht erkannt wurden zeigte sich leider heute erneut: der Konzern kündigte eine Klage gegen die Niederlande an, weil dort im Rahmen des Kohleausstiegs eines seiner Kraftwerke eher schließen soll. Solche Klagen sind keine Seltenheit und führen neben der Verhinderung von wirksamer Klimapolitik oft zu hohen Entschädigungszahlungen, für die letztlich die Steuerzahler:innen aufkommen müssen. Auch andernorts treibt die Firma weiterhin große Investments in Erdgas- und LNG-Infrastruktur voran, zum Beispiel im kanadischen Goldboro und in Australien.
Es bleibt also noch viel zu tun. Wir fordern Uniper auf, die Entscheidung gegen LNG in Wilhelmshaven zum Anlass nehmen, um den Ausstieg aus fossilem Erdgas konzernweit einzuleiten und konsequent auf Erneuerbare zu setzen. Bis es soweit ist werden wir gemeinsam mit euch weiter Druck machen – in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Stade und darüber hinaus. Damit wir auch an den anderen Standorten bald Erfolge feiern können freuen wir uns, wie immer, über eure Unterstützung – und sagen noch einmal: Danke. Denn ohne euch wären Erfolge wie dieser nicht möglich.
Lili, Gustav und
Constantin von der Deutschen Umwelthilfe