Kein Aquarium in der Rummelsburger Bucht

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Diese Petition richtet sich gegen den Bau eines Aquariums im Norden der Rummelsburger Bucht in Berlin durch das Unternehmen „Coral World International“.

Der Wasserpark soll den marinen Lebensraum zur Schau stellen und jährlich 500.000 Besucher empfangen. Das bedeutet sowohl für Anwohner als auch für die in der Rummelsbucht heimischen Tiere Verschmutzung und Ruhestörung. Auch die Ausbeutung unserer Meere wird unterstützt. 

Wir möchten mit dieser Petition all die vielen Gründe öffentlich darlegen, die gegen dieses Projekt sprechen – und die Lokalpolitiker dazu auffordern, sie sich zu Herzen zu nehmen, denn eine Aufklärung über den »Lebensraum Wasser« wird ad absurdum geführt, wenn zerstört wird, was man aufklärerisch zu erhalten sucht: den Marinen Lebensraum.

Glaubt man dieser Tage den Suggestionen der lokalen Presse, so scheint der Bau längst beschlossene Sache zu sein. Tatsächlich aber ist die Liegenschaft, auf der der 16.000 qm große Park entstehen soll, noch gar nicht verkauft worden. Weiterhin mag man denken, dass mit dem Wasserpark etwas Gutes in unsere Stadt komme – maritime Informationsvermittlung und Artenschutz – ganz »im Sinne der Tiere«, da der Gründer von Coral World immerhin ein »engagierter Meeresbiologe« ist und es wissen müsse. Doch wie so oft ist nicht alles Gold, was glänzt. Und leider ist nicht überall, wo »Meeresbiologe« draufsteht, auch nur Meeresbiologe drin.

Lokale Betrachtung – Wohnqualität und Umweltschutz, Steuergelder und falsch verstandene Informationsvermittlung: Das Biotop am Rummelsburger See ist Heimstätte u. a. für viele Wasservogelarten, den Fischotter, den Biber und die Ringelnatter und somit als besonders schützenswert einzustufen. Durch die Nutzung der Coral World und die hohen Besucherzahlen muss von erheblichen Verschmutzungen sowie Ruhestörungen für Anwohner und die heimische Tierwelt ausgegangen werden – und somit von einer langfristigen Schädigung des Biotops.

Ferner steht das Konzept von Coral World International in direkter Konkurrenz zum Zoo Aquarium, dessen mehrheitlicher Aktionär das Land Berlin ist. Bei zukünftigen Mindereinnahmen des Zoo-Aquariums werden aufgrund des Zuwendungsvertrags erhebliche Steuermittel aufzubringen sein, um gegenüber Coral World konkurrenzfähig zu bleiben. Dies ist heute bereits abzusehen und somit nicht akzeptabel.

Das immer wieder zitierte Pro-Argument, mit dem neuen »Wasserhaus« einen Schulungsauftrag zum »Lebensraum Wasser« zu erfüllen, wie es auch in den Reihen des Senats Befürwortung findet, blendet den bereits existierenden Zoo Aquarium vollkommen aus. Anschaulichkeit und Erfahrbarkeit bedürfen keiner Einpferchung bedrohter Tierarten – heutige Technik (3D bzw. 4D oder die Entwicklung von Virtual Reality-Brillen) eröffnet längst fantastische Möglichkeiten, Wissen mit großem »Fun Faktor« und geringeren Risiken für Mensch und Tier zu vermitteln.

Globale Betrachtung – ökologische Zusammenhänge und ihre Folgen (auch für den Menschen!): Noch stichhaltigere Gegenargumente führt neben den genannten lokalen Gesichtspunkten der Tierschutz ins Feld: Das Konzept von Coral World International schliesst das Halten verschiedener Tier- und Korallenarten ein. Dies war schon bei den bereits bestehenden Einrichtungen von Coral World International scharf zu kritisieren. Die Besucher dieser Einrichtungen können wortwörtlich in die Welt der gefangenen Wildtiere »eintauchen«. Durch Streichelbecken und Tauchgänge wird dem Besucher eine natürliche Nähe zu den Tieren suggeriert. Tatsächlich jedoch haben diese keinerlei Chance, sich zurückzuziehen und dieser Nähe auszuweichen. Der hier verursachte Stress bei Haien, Rochen und anderen Beckenbewohnern führt nachweislich zu Krankheiten bei den Tieren und begünstigt einen frühzeitigen Tod. Eine artgerechte Haltung im Sinne des Tierschutzes ist hier nicht erkennbar. 

Besonders kritisch ist das Entziehen der Tiere aus dem Kreislauf des Ökosystems. Wir möchten das gern am Beispiel des Haies erläutern, da dieser im Konzept von Coral World International einen zentralen Platz einnimmt:
Man kann sich das marine Ökosystem als eine Art Pyramide vorstellen, an dessen oberster Stelle in der Nahrungskette der Hai als Top-Jäger steht. Ganz unten finden wir Phytoplankton wie Kiesel- oder Grünalgen. In dieser Pyramide nehmen Artenbestand und natürliche Feinde nach unten hin zu. Das heißt also, der Hai hat die wenigsten natürlichen Feinde, aber auch die geringste Population.
Die meisten Haie, die sich in Aquarien befinden, sind Wildfänge. Der Fang dieser Tiere ist für diese mit sehr viel Stress verbunden, weshalb sie oft bereits während des Transports erkranken oder sterben. Aufgrund der geringen Platzmöglichkeiten werden eher kleinere Haie gefangen. Dabei handelt es sich häufig um Jungtiere. Da viele Haie erst mit 10 bis 12 Jahren geschlechtsreif werden, haben wir es mit einem bereits deutlich spürbaren Rückgang der Arten-Reproduktion zu tun. Im Nordpazifik beispielsweise hat sich der Hai-Bestand bereits um 95% verringert. Dieser Eingriff in die Haipopulation führt zu einer Regulationsstörung des gesamten Ökosystems und hat damit langfristig auch Auswirkungen auf den Menschen: Ohne ein intaktes Meer kann auch der Mensch langfristig nicht überleben.

Die Bedingungen, unter denen die Tiere nun gehalten werden, führen leider nicht – wie oft behauptet – zu einer gezielten und geschützten Reproduktion der Tiere sondern vielmehr zu Verhaltensstörungen, Krankheit und frühem Tod und damit zu einer sinkenden Reproduktionsrate. Das wiederum hat zur Folge, dass die Bestände der Aquarien ständig »neu aufgefüllt« werden müssen.

Ein Teufelskreis, aus dem wir jetzt die Möglichkeit sehen auszusteigen. Im Interesse der Anwohner, aber vor allem im Sinne der Tiere und Zukunft unseres Ökosystems muss die lokale Politik das Projekt »Wasserhaus« der Coral World International verhindern:

NEIN ZUR CORAL WORLD!  #neinzurcoralworld



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