Nein zu Tierversuchen an Nachtigallen!

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Wir, Ines Krüger und Claudia Hämmerling, engagieren uns im Tierschutzverein für Berlin seit vielen Jahren gegen Tierversuche und für die Entwicklung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Vergangenes Jahr haben wir diese Petition gestartet, um zu verhindern, dass an der Freien Universität Berlin (FU) Hirnexperimente mit geschützten Nachtigallen durchgeführt werden. Im Juli 2018 waren über 125.000 Unterschriften zusammen gekommen; diese haben wir dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller im Roten Rathaus  übergeben. Die Vorbereitungen für den geplanten Tierversuch wurden jedoch nicht abgebrochen, deshalb geht unsere Unterschriftensammlung weiter.

Bei dem Tierversuch sollen männlichen Nachtigallen die Köpfe aufgebohrt und Elektroden in ihren Gehirnen implantiert werden, um Hirnströme zu messen. Die Versuchsleiterin begründete ihr Vorhaben unter anderem damit, dass sie Erkenntnisse über Autismus beim Menschen gewinnen wolle. Etliche Wissenschaftler hielten diese Begründung für nicht stichhaltig.

Bis Mitte Juli 2019 haben die Nachtigallen-Versuche nicht stattgefunden. Völlig überraschend wurde jedoch bekannt, dass die Versuchsleiterin mit elf Nachtigallen von der FU Berlin ans Max-Planck-Institut für Ornithologie nach Oberbayern gewechselt ist.

Das ändert nichts an unserem Ziel: Die Experimente müssen verhindert werden. Um das zu erreichen, haben wir jetzt einen neuen, starken Partner: Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund Landesverband Bayern, vertreten durch dessen Präsidentin Nicole Brühl, kämpfen wir weiter für einen Stopp dieses ebenso grausamen wie überflüssigen Tierversuchs.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Argument der Autismusforschung nur ein Vorwand war, um den Versuch in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Eine Parlamentarische Anfrage der Bayerischen Grünen zu den Hintergründen der geplanten Experimente ergab u.a.: Das Max-Planck-Institut kommt zur Einschätzung, dass ein Beitrag zum besseren Verständnis in Richtung Autismus „wünschenswert“ sei. Als primäres Forschungsziel wird jedoch „Grundlagenforschung“ genannt, genauer: „Das Ziel ist es zu verstehen, wie neuronale Schaltkreise im Gehirn vokale Kommunikation ermöglichen.“ Damit ist klar: Der Nachtigallen-Versuch dient lediglich der Neugier-Forschung.

Zudem versuchen die Nachtigallen-Forscher erneut, die mit dem Tierversuch verbundenen Belastungen für die Vögel kleinzureden. Die Hirnoperation ist für die Nachtigallen laut Versuchsantrag mit mittelschweren Belastungen verbunden. Darunter sind Manipulationen zu verstehen, die entweder langanhaltende und leichte oder kurzanhaltende und mittelschwere Belastungen (Schmerzen, Leiden oder Schäden, schwere Angst oder erhebliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens) bewirken. Zwar verursacht die Elektrode im Gehirn an sich keine Schmerzen, die hierfür erforderliche Operation stellt jedoch einen schweren Eingriff dar, bei dem die Kopfhaut durchtrennt und der Schädelknochen sowie die hochempfindliche Hirnhaut durchbohrt werden müssen.

Das Gerät, das den Tieren für die Experimente auf dem Schädelknochen befestigt wird, wiegt nur 1,6 Gramm. Aus menschlicher Sicht klingt das harmlos. Setzt man aber das durchschnittliche Gewicht einer erwachsenen Nachtigall von 20 Gramm in Relation zu dem eines erwachsenen Menschen, sieht die Sache schon anders aus. Der Mensch müsste rund um die Uhr einen etwa 5 kg schweren Apparat auf dem Kopf tragen, von dem aus eine Elektrode in sein Gehirn hineinragt. Von einer geringen Belastung kann kaum die Rede sein. 

Wir werden nicht aufgeben, diesen grausamen Tierversuch zu bekämpfen. Wir akzeptieren nicht, dass Tiere leiden müssen, um den Wissensdurst von Experimentatoren in der Grundlagenforschung zu stillen. Deswegen fordern wir den Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (Freie Wähler), dazu auf, dem Nachtigallen-Versuch endgültig einen Riegel vorzuschieben. Und wenn Sie, liebe*r Leser*in, es noch nicht getan haben: Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Stimme, die Nachtigallen dort singen zu lassen, wo sie hingehören: in freier Natur – ohne Geräte auf dem Kopf und Elektroden im Gehirn.

Vielen Dank im Namen der Tiere!

Herzlichst,

Ines Krüger und Claudia Hämmerling (Vorstand, Tierschutzverein für Berlin)

Nicole Brühl (Präsidentin, Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern)