Petition updateALTERSARMUT 43%Rente ist zu wenig !Änderung des GG 12a-wie es die AEMR in Art. 23 besagenBundesagentur für Arbeit Wie Datenhändler die Jobbörse missbrauchen
Marko KielingAL, Germany
May 2, 2019

SWR-Recherchen haben ergeben: Datensammler verkaufen persönliche Informationen aus der Jobbörse der Arbeitsagentur weiter - auch an eine Firma aus Baden-Württemberg.

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) gehört zu den größten Jobportalen Deutschlands. Wer sich auf eine der knapp 1,1 Millionen Stellenangebote bewirbt, erhofft sich viel davon. Und gibt viel von sich preis: persönliche Daten, den kompletten Lebenslauf, Schul- und Arbeitszeugnisse. Daten, mit denen sich Geld verdienen lässt, wenn sie in die falschen Hände geraten. Erkannt hat das offenbar auch ein Mann aus Berlin. Die Ergebnisse wochenlanger Nachforschungen von Reportern des SWR-Politikmagazins "Zur Sache Baden-Württemberg" und des Rechercheteams des SWR zeigen, dass er und mindestens eine weitere Person die Daten weiterverkaufen.

Täglich bis zu 3.000 Stellenangebote
Ob Mechatroniker, IT-Spezialist oder Bürokauffrau – Johann S. bietet für viele Arbeitssuchende die passende Stelle an. Und das deutschlandweit, über die Jobbörse der BA inseriert er täglich bis zu 3.000 Stellenangebote. Die Jobbeschreibungen sind allgemein gehalten, die Anforderungen an die Bewerber gering. Alles was der Bewerber tun muss, ist Lebenslauf und Zeugnisse an eine E-Mail-Adresse schicken.

Zeitarbeitsfirma aus Stuttgart erhielt Bewerber-Daten
Weitere Nachfragen zur ausgeschriebenen Stelle? Fehlanzeige. Unter der angegebenen Telefonnummer ist während der mehrwöchigen Recherchen von "Zur Sache Baden-Württemberg" und dem Rechercheteam des SWR niemand erreichbar. Auf Nachfragen per Mail erhalten die Reporter eine standardisierte Antwort, die um Erlaubnis bittet, die Bewerbung an "interessierte Geschäftspartner" des Hauses weiterzuleiten.

Die Reporter finden mehrere verdächtige Firmen und verschicken Test-Bewerbungen. Wenige Tage später meldet sich eine Zeitarbeitsfirma aus Stuttgart - hier hatten sie sich nie beworben. Auf Nachfrage teilt die Zeitarbeitsfirma mit, die Bewerber-Daten von einem Vertragspartner erhalten zu haben – eine der fünf Firmen von Johann S.

Johann S. bietet Bewerbermappen zum Kauf an
SWR-Reporter kontaktieren ihn verdeckt, wollen für ein fingiertes Unternehmen Bewerber-Daten kaufen. S. bietet ihnen am Telefon vollständige Bewerbungsmappen zum Kauf an – wohl für rund drei Euro je Datensatz. Alternativ sei auch eine "Flatrate" möglich. "Wir generieren jeden Monat zwischen 3.000 und 5.000 Datensätze von Bewerbern, auf die Sie dann zugreifen können", so S. in dem Verkaufsgespräch.

Die Journalisten schließen einen Vertrag mit ihm ab, erhalten von da an mehrmals täglich vollständige Bewerbungsunterlagen. Also Lebenslauf, Schul- und Arbeitszeugnisse. Und das, ohne eine Stelle ausgeschrieben zu haben oder überhaupt ein Unternehmen zu besitzen.

Handel mit Bewerberdaten verstößt gegen Datenschutz
Dass ihre sensiblen Daten gehandelt werden, schockiert alle kontaktierten Bewerber. Keinem von ihnen war bewusst, was mit ihren Daten geschieht – informiert wurden sie darüber nach eigenen Angaben nie.

Das Vorgehen der Datenhändler ist nicht nur ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen der Jobbörse. Darin weist die Bundesagentur für Arbeit darauf hin, dass das Aufbauen sogenannter "Bewerberpools" verboten sei und hinter jedem Jobangebot auch eine Stelle existieren muss. Vielmehr ist dieser Handel mit Bewerberdaten nach Ansicht von Datenschutzexperten wie dem baden-württembergischen Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Stefan Brink, ein "gravierender Verstoß" gegen geltende Datenschutzgesetze.

 

"Das ist schlicht und ergreifend illegal, was da gemacht wird."

02.05.2019

Quelle:

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Bundesagentur-fuer-Arbeit-Wie-Datenhaendler-die-Jobboerse-missbrauchen,jobboerse-arbeitsagentur-datenhaendler-100.html

 

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