Petition updateKeine Rechtsbeugung für Flächenverbrauch im Landkreis Heilbronn

Wilder Westen Zabergäu: Planungen des letzten Jahrhunderts für Layher hervorgeholt

Matthias BöhringerPfaffenhofen, Germany
Feb 22, 2018
Im Westen des Landkreises Heilbronn gibt es einen Landstrich, dessen liebreizende Landschaft hochgelobt, fotografiert und besungen wird. Das Zabergäu wird neben der Südpfalz und Kraichgau als eine der vielen „Toskanen“ Deutschlands etikettiert. Das Zabertal mit seinen verzweigten Seitentälern ist eingerahmt vom Naturpark Stromberg-Heuchelberg und öffnet sich V-förmig nach Osten Richtung Neckar. Putzige dörfliche Landstädtchen und Dörfer reihen sich entlang der Zaber, 2015 betrug die Einwohnerzahl der „Stadt“ Güglingen 6109 Einwohner in 3 Ortsteilen; für Karlsruhe wäre das grad mal ein halber Stadtteil. Das Landstädtchen Güglingen ist aber nicht minder selbstbewußt oder vielleicht gerade deswegen wie man es von kleinen Hunden kennt besonders aggressiv zur Landschaft. Natürlich hat man auch im eingemeindeten Ortsteil Eibensbach ein „dynamisch wachsendes Familienunternehmen“, das sich als Gmbh & Co KG dem lieblichen Zabergäu treu verpflichtet fühlt. Der Gerüsthersteller Layher ist, wie es sich für das Schafferländle gehört global aufgestellt und Weltmarktführer. Layher geht es gut, die Geschäfte laufen glänzend. Nun könnte man meinen, da kann man ja mal zufrieden sein. Niemand muss Weltmarktführer sein. Verzicht üben, wenn weiteres Wachstum für den Naturraum nicht verträglich ist. Nun hat die Heilbronner Stimme am 6.2.2018 einen halbseitigen Artikel über eine neue geplante Feuerverzinkerei rausgebracht, die auf 10 Hektar im interkommunalen Industriegebiet „Langwiesen“ des Zweckverbands Wirtschaftsförderung Zabergäu entstehen soll. Dieser Artikel ließ jeden journalistischen Anspruch vermissen, ungenügend, setzen. Denn er war mit der Lobpreisung der wirtschaftlichen Erfolge und Ambitionen der Firma Layher mehr ein Abschrieb aus dem Firmenprospekt. Nichts wurde hinterfragt. Vor allem, warum Wachstum? Hier im Zabergäu wird jede Meinungsbildung zur Wachstumskritik mundtod gemacht. Ich hatte an die Heilbronner Stimme am 11.2. einen Leserbrief geschickt, der noch immer nicht veröffentlicht wurde. Sie können ihn hier im Anschluss lesen. Ich habe zahlreiche Ohrfeigen an Layher, die Zeitung und den Zweckverband verteilt. Für den örtlichen NABU, der mit einem Gründach kooperieren will war kein Platz mehr. Ich war am Dienstag in der Gemeinderatssitzung wo unter TOP2 das Vorhaben vorgestellt wurde. Die Vorlage dazu ist ungenügend, auch hierzu müsste es Ohrfeigen geben. Auch hier hat niemand gefragt, warum Layher nicht gefragt wurde, ob die nicht mal zufrieden sein können. Denn Layher, der Zweckverband, die Stadt Güglingen mit Bürgermeister Heckmann und der NABU berufen sich beim Gebiet des Zweckverbands und die im Flächennutzungsplan eingetragenen Erschließungsflächen auf eine Planung von 1969/1970. Damals war der Sinn, die wirtschaftliche Aktivitäten und den Aufwand für Infrastruktur zu bündeln. Inzwischen haben aber die Verbandsmitglieder ihre „eigenen“ Gewerbe- und Industriegebiete wachsen lassen. Schunk ist groß in Brackenheim-Hausen und Layher ist groß in Güglingen-Eibensbach. Das Industriegebiet Langwiesen hat somit Sinn und Berechtigung verloren. Im Zabergäu ist die Zeit im Jahr 1970 stehen geblieben. Damals wurden noch mehrspurige Straßenschneisen in die Großstädte für die autofreundliche Stadt geschlagen, die „Stadtsanierungen“ führten nach dem Krieg zu weiteren Zerstörungen. In Karlsruhe wurde schließlich das „Dörfle“ in der östlichen Innenstadt gerettet. 1972 veröffentliche der Club of Rome den Bestseller „Die Grenzen des Wachstums“. Darin prophezeiten die Autoren, dass es bei anhaltendem industriellen Wachstum und Ausbeutung der Ökosysteme bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts zum Kollaps des Planeten kommt. 1992 fand in Rio de Janeiro der denkwürdige Erdgipfel statt, auf dem die Nachhaltigkeit verankert wurde. Die Agenda21 wurde auch nach Deutschland getragen, zumindest kam sie überall außerhalb vom Zabergäu an. Das Nachhaltigkeitsprinzip floss mit dem Flächenschutz in deutsche Gesetze ein (siehe Ausführungen in dieser Petition). Stattdessen wird es immer unmäßiger was man hier für die Totschlagargumente Arbeitsplätze, Standortsicherung und „Wohlstand“ der Landschaft abtrotzt: Industriegebiet „Langwiesen I“ 1973 bis 1992 ca. 16 Hektar Industriegebiet „Langwiesen II“ 1993 ca. 3 Hektar Industriegebiet „Langwiesen III“ 1993 ca. 23 Hektar (noch nicht vollständig bebaut) Industriegebiet „Langwiesen IV“ noch nicht erschlossen 30 Hektar daraus folgt IV > III > I + II Das Totschlagargument Arbeitsplätze kann auseinandergenommen werden und gehört verboten. Siehe Ausführungen in dieser Petition. Wenn Layher wirklich den Standort sichern möchte und sich zur Region bekennt, muss das Unternehmen von der expansiven Wirtschaftsweise abrücken. Denn weltweit stößt das Wachstum auf Grenzen, auf Menschen, auf Natur, auf Lebensressourcen und auch auf Protest. Wenn das Zabergäu nicht völlig entstellt werden soll, hat Layher mit wachsenden Tonnen von zu verarbeitendem Material und immer mehr Geschäften hier keine Zukunft. Das Argument mancher Naturschützer „da kann man nichts machen“, „ein Gründach für Bienen ist besser als Agrarindustrie“ ist idiotisch. Dann müsste halb Deutschland mit seinen Maiswüsten mit Hallen zugebaut werden. Ich fordere mit Mitstreitern in einer neuen Initiative die Agrarwende und vor allem, das Langwiesen IV aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen wird. Die Einbahnstraße dass Flächennutzungspläne nur für die Wirtschaft fortgeschrieben und geändert werden gehört endlich umgekehrt. Wir wollen mit kreativem Protest so laut werden, dass uns die Heilbronner Stimme nicht mehr ignorieren kann. Wir wollen auch diesen Wilden Westen zivilisieren, auf das die Gesetze der Bauleitplanung nicht mehr gebeugt werden. Wir wollen die Menschen zur Meinungsbildung anstoßen. Wenn Bürgermeister Heckmann hier Industriegebiete im großstädtischen Ausmaß haben will, kann er gerne auch großstädtischen Protest haben. Das nahe Ochsenbach hatte letzten Herbst schon mal eine Demo gegen den zunehmenden LKW-Verkehr. Fortsetzung folgt wenn es weiteres zur Bewegung gibt. P.S. mit der Antwort vom Landratsamt habe ich mich ans Regierungspräsidium gewendet. Auch hierzu wird es noch Informationen geben. Ich danke jedenfalls allen Unterstützern, die mich auf dem Weg bestärken. Gerade jährt sich zum 10. Mal die Bewegung gegen das EDEKA-Fleischwerk Rheinstetten. Links: Stimme 19.5.2009: Neue Feuerverzinkerei für 80.000 Tonnen http://www.stimme.de/heilbronn/wirtschaft/sonstige-Zabergaeuer-Geruesthersteller-Layher-weiht-Feuerverzinkerei-ein;art2088,1533736 aktueller Artikel: 170.000 Tonnen jährlich verzinkt. Neue Verzinkerei für mehr http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/Geruesthersteller-Layher-plant-grossen-Neubau;art140897,3980880 Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu: Schifffahrt als Option, Industriegebiet Langwiesen http://www.wf-zabergaeu.de/website/de/industriegebiet Vorlage zu TOP2 der Gemeinderatssitzung Güglingen vom 20.2.2018 mit der Geschichte des ZWZ und dem Brettspiel „Fabrik in der Landschaft verschieben“. Änderung FNP erforderlich! http://www.gueglingen.de/ris/V_20180209_105908_18_2018%20s.pdf +++++++ An Stimme, Zu neuer Standort Layher 10 ha neben WG 11.2.18 Es geht nicht, dass ein Unternehmen immer mehr Geschäfte an Land zieht und sich keine Gedanken darüber macht, wie die expansive Wirtschaftsweise mit dem Naturraum verträglich ist. Niemand muss Weltmarktführer sein. Der Bericht über die Ambitionen und Erfolge der Firma Layher scheint aus dem Firmenprospekt entnommen zu sein. Wenn Layher mit der jährlichen Verarbeitung von 170.000 Tonnen zu verzinkendes Material zitiert wird und damit noch nicht satt ist, erwarte ich, dass diese Zeitung hinterfragt, wohin das führen soll und wie all dieses Material nach Güglingen kommt. Arbeitsplätze und Standortsicherung sind routinierte Argumente, um den in den Gesetzen verankerten Flächenschutz wegwägen zu können statt Phantasie walten zu lassen. Der Zweckverband gibt sich der Illusion guter Erreichbarkeit des interkommunalen Industriegebiets hin und erwähnt auf der Homepage sogar allen Ernstes die Schifffahrt als Option. Wunderbar, wir haben jetzt Taxis-LKWs in Ortsdurchfahrten und auf Landsträßchen. Wie weinromantisch wird es künftig sein, wenn neben der WG die neue Feuerverzinkerei auf 10 Hektar steht. Der neu aufgelegte Bildband „Zabergäu“ von 2017 suggeriert mit geschickten Blickwinkeln einen noch nicht entstellten Lebensraum. In der Vergangenheit gab es Zieländerungen der Bauleitplanung für Layher. Warum sollte es dann unmöglich sein, die für Langwiesen IV vorgesehenen Flächen herauszunehmen und für die Landwirtschaft, ökologische Ideen, Natur und weite Blicke bei der Radtour zu sichern? ++++++
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