Petition updateKeine Rechtsbeugung für Flächenverbrauch im Landkreis Heilbronn
Pfaffenhofen erweitert mit Patchwork – Bplan liegt bis 17.8. aus

Matthias BöhringerPfaffenhofen, Germany

Jul 25, 2017
Liebe Unterstützer,
heute schreibe ich in lokaler Angelegenheit. Der Gemeinderat meines Wahlheimatdorfs Pfaffenhofen hat den Bebauungsplan „Gehrn Erweiterung West“ zur Auslegung gebracht. Alle Bürgerinnen und Bürger können den Vorentwurf bis 17.08.2017 im Rathaus Pfaffenhofen einsehen und sich schriftlich oder mündlich dazu beim Bauamt äußern (http://www.pfaffenhofen-wuertt.de/website/de/kontakt). Gleichzeitig können der Plan mit Textteil, Begründung, Faunistische Untersuchung und artenschutzrechtliche Prüfung, Schalltechnische Untersuchung und der Geruchs-Immisionsprognose von Käser-Ingenieure runtergeladen werden
https://kaeser-ingenieure.de/stadtplanung/aktuelle-verfahren/pfaffenhofen-gehrn-erweiterung-west.html
Diese geplante Erweiterung von Pfaffenhofen am südwestlichen Rand am Wohngebiet Gehrn anschließend enttäuscht in mehrfacher Hinsicht.
Zunächst sage ich mit Blick auf den Plan mit den Ringstraßen und dem einen Anschluss an die mittlere Gehrnstraße, dass diese 2,9 ha Wohngebiet ein weiterer introvertierter Irrgarten sein wird, wie er typischerweise aus dem Baukasten der Planungsbüros kommt und von Kommunen als ausreichende Ortsentwicklung angenommen wird. Diese langweiligen Wohngebiete haben kaum Durchlässe zu Nachbarwohngebieten, schotten sich gegen Gäste ab, einmal dort ausgesetzt, bleibt man in den Ringstraßen gefangen. Nicht selten erging es mir schon so auf Radtouren wenn ich in Neubaugebiete gerate.
Der Ort wird mit üblichem unsinspiriertem Patchwork fortgesetzt. Nie gibt es für die Straßen in den Erweiterungsgebieten ein Gesamtkonzept zu Straßenverläufen, einem verständlichen Grundriß, eine Planung wird an die nächste geklebt. Gedanken zur lebendigen Weiterentwicklung von Strukturen des Ortskerns in die Neubaugebiete mit Plätzen und Kleinstrukturen (z. B. inhabergeführte Geschäfte) bleiben außen vor. Die Erweiterung setzt entgegen der Begründung dieses Bebauungsplans eben nicht das östlich liegende Baugebiet Gehrn fort.
Im November 2015 konnten sich die Bürger (auch ich) in einer Planungswerkstatt am „Strategieplan Pfaffenhofen 2030“ beteiligen, der von Büro Reschl erarbeitet wurde. Dabei ging es auch um die Frage, wie sich Pfaffenhofen erweitern soll und welche Bevölkerungszuwächse erwartet wurde. Entgegen dem Gemeinderat war das Gebiet westlich Gehrn kein Favorit. Wenn gebaut werden soll, sollten Eigentümer von Baulücken aktiviert werden. Die beteiligten Damen und Herren votierten bei der Bevölkerungsentwicklung eher für den Bestandserhalt.
http://www.pfaffenhofen-wuertt.de/website/de/freizeit_kultur/gemeindeentwicklungskonzept
Diese Bürgerbeteilung war wohl einmal mehr eine Beschäftung für die Katz, denn der Gemeinderat überstimmte das Votum mit Punkten zwischen Bestandserhalt und „Stabilisierung Plus“. Aus dem Wunsch nach mehr Zuwachs wurde nun für diesen Bebauungsplan der Bedarf nach mehr Wohnraum abgeleitet (Rundung der Stimmen auf „Szenario Plus“ mit 140 Einwohner mehr zu 2297).
Einmal mehr geht Freifläche verloren. Davon im südlichen Teil auch ausgerechnet Wiesen mit Obstbäumen. Dies wird den in dieser Petition genannten Strategien und Gesetzen nicht gerecht. In einer Zeit wo über Insektensterben und Vogelschwund berichtet wird, ist es anachronistisch ein Brutgebiet z. B. der Goldammer umzubrechen. Auch suchen viele Vögel aus dem Umkreis dort Nahrung. Siehe die artenschutzrechtliche Prüfung.
Ein Blick von oben (google-Maps) zeigt eine schöne Kulturlandschaft mit einem gebogenen Streifen Obstwiese. Dieser würde nun abgeschnitten. Dürftig ist dann die Maßnahme „zusätzliche Pflanzangebote sollen streifenförmige Struktur der überbaubaren Grundstücksfläche unterstützen“. Die Zerstörung einer zusammenhängenden Freifläche im Offenland wird nicht gewertet
Die Neupflanzungen ersetzen nicht die gewachsenen Strukturen des Altbestands (28 artenschutzrelevante Bäume)
In den Unterlagen wird die Störung sogar zugegeben „Während der Bauphase können durch die Rodung von Obstbäumen und durch die Eingriffe in diese Vegetationsstrukturen, durch den Baubetrieb (Menschen und Maschinen), die Umgestaltung des Geländes sowie durch Baustelleneinrichtung und -verkehr, vor allem durch Lärm und Erschütterungen, Beeinträchtigungen verursacht werden, die sich durch Lebensraumverlust, Störungen und Verdrängungseffekte negativ auf seine Bewohner auswirken.
Auch anlage- und betriebsbedingt können Störungen durch regelmäßige oder wiederkehrende Nutzungen eintreten, etwa durch die Bewohner des neuen Wohngebiets, sportliche Betätigung, Erholungsnutzung, Hunde, Katzen u.a.
Wenn Sie nun genug Anregung für eine Eingabe erhalten haben, schreiben Sie dem Bauamt in Pfaffenhofen ihre Stellungnahme. Oder verwenden Sie es für ein Vorhaben in ihrem Ort.
Viele Grüße,
Matthias Böhringer
P.S. Bitte werben Sie weiter fleißig für diese Petition. Wäre echt toll, wenn das erste Hundert voll wird. Dazu gibt es am rechten Seitenrand den Link „Link kopieren“ zum speichern in die Zwischenablage
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