
Liebe Unterstützer*innen,
traurigerweise beenden wir genau heute, am Internationalen Tag der Pflege (12.05.), unsere Petition. Wir Pflegende schaffen es nicht, uns in der notwendigen Weise zu organisieren und öffentlichkeitswirksam längst überfällige Forderungen durchzusetzen.
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Woran ist unser Vorhaben gescheitert?
Zunächst einmal mussten wir feststellen, dass weder eine breite überregionale Kooperation noch eine Bereitschaft für eine aktive Unterstützung bei der Kampagnen-Planung von Seiten der Pfleger*innen zustande gekommen ist – trotz unermüdlicher Anstrengungen unsererseits.
Wir beobachten, dass sich ein Trend entwickelt hin zu klinikinternen Lösungen für mehr Entlastung in der Pflege über beispielsweise vertraglich festgelegte Bettensperren bei fehlendem Personal. Dies Konzept sorgt jedoch für eine finanzielle Mehrbelastung zulasten des Arbeitgebers ohne den notwendigen staatlichen Ausgleich. Es bedeutet zudem, dass Patient*innen nicht mehr adäquat versorgt werden können und viel zu lange auf Therapien warten müssen. Ein solcher Ansatz erscheint uns weder solidarisch noch nachhaltig durchdacht. Der Pflegeberuf würde dadurch kein Stück attraktiver, es gäbe für Interessent*innen keinen Grund, in der Pflege neu anzufangen geschweige denn zu verbleiben.
Wir sind der Ansicht, dass es 2021 deutlich spürbare Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Gehalt geben muss – und zwar bundesweit für alle Beschäftigten in der Pflege, vollständig refinanziert über das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz.
Sollte sich der gegenwärtige Trend ungebremst weiter fortsetzen, werden weitere Kliniken wegen fehlenden Personals geschlossen und weitere tausende Pfleger*innen dem Beruf den Rücken kehren.
"Wer nicht organisiert ist, ist politisch weder bedeutend noch sichtbar" (ZeitOnline)
Im Netz kursieren Äußerungen wie die des Zeit-Artikels "Helden der Selbstverzwergung" , dass die Pflege es nicht schafft, sich zu organisieren und für ihre Rechte gemeinsam und stark aufzutreten. Hierbei sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass es den Pfleger*innen nicht – wie Mitarbeiter*innen in der freien Wirtschaft - so einfach möglich ist, die Patient*innen im Stich zu lassen und für ihre Rechte gemeinsam auf die Straße zu gehen. Es geht hier schließlich um Menschenleben, nicht um stillstehende Produktionsbänder.
Da die Politik, insbesondere unser Gesundheitsminister Jens Spahn, gewillt scheint, diesen Umstand auch weiterhin auszusitzen, benötigen wir jetzt die breite Unterstützung aller aus der Bevölkerung.
Spätestens seit Corona wissen alle, dass wir Pflege*innen im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig sind. Doch wo bleibt die systemische Unterstützung, der solidarische Aufschrei? Wir sind für euch da, wenn ihr uns am dringendsten braucht. Wo seid ihr alle, wenn wir euch brauchen? Wir können den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen nicht alleine stemmen!
Was passiert mit den gesammelten Stimmen
Wir werden die Petitionsstimmen dem VerDi-Bundesvorsitzenden Frank Werneke zukommen lassen, um zu zeigen, dass unsere Forderungen die Unterstützung von über 119000 Sympathisant*innen gefunden haben.
Wir würden uns freuen, wenn die VerDi bis zu den kommenden Tarif-Verhandlungen die erhoffte kollektive Unterstützung aller Bürger*innen inklusive einer besser organisierten Pflege erhält, um deutliche Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Gehalt, wie wir sie gefordert haben, im Interesse aller bundesweit durchsetzen zu können.
Wir hoffen, dass der Druck auf die Bundesregierung wegen der anstehenden Bundestagswahlen entsprechend wächst und sich CDU und SPD vielleicht einmal aus menschlicher Überzeugung heraus für ernstzunehmende deutlich spürbare Verbesserungen der Bedingungen in der Pflege einsetzen – und wenn nicht aus menschlicher Überzeugung heraus, dann für die potentiellen Wählerstimmen.
Herzlichen Dank an alle
Wir bedanken uns herzlich bei allen, die uns Pfleger*innen über Stimme und Weiterempfehlung so tatkräftig unterstützt haben. Wir haben über unsere Petition Kontakt zum VerDi-Bundesvorstand Sylvia Bühler und einigen Gewerkschaftssekretär*innen herstellen können und viel freundliche Unterstützung erfahren. Im Zuge dessen möchten wir einmal betonen, wie eminent wichtig die Mitgliedschaft in einer starken VerDi ist, ohne die unsere Arbeitsbedingungen und Löhne weitaus schlechter wären. Unser besonderer Dank gilt der BAG Berlin sowie der Partei DieLinke, die uns vorbildlich und umfangreich unterstützt haben und sich auch weiterhin für die Pflege einsetzen.
Abschließend bedanken wir uns für das vorbildliche Engagement unserer Campaignerin Meike von Change.org. Damit Petitionen wie diese inklusive umfangreicher Unterstützung weiterhin für alle kostenfrei möglich bleiben, bitten wir euch um eine kleine Spenden an Change.org.
Michael
Krankenpfleger
VerDi-Mitglied
Mitinitiator der Petition