Petition updateKein Gift in Brandenburgs Wäldern!Katastrophengeschrei der Forstbehörden
Karl Tempel
Jul 3, 2019

 

Am 27.06.2019 titelte die Märkische Allgemeine "Förster warnt: Ohne Gift gegen den Nonnenschädling drohen Waldbrände in Beelitz". Im Artikel dürfen die Förster und "Experten" vom Landeskompetenzzentrum Forst weitschweifig erläutern, welch fatale Folgen der Stopp des hochgiftigen "Karate Forst flüssig" hätte - jetzt drohen deswegen nämlich Waldbrände. Ah ja ...

Und die Potsdamer Neuesten Nachrichten fragen sich ebenfalls am 27.06. "Warum braucht der Wald Gift durch den Menschen?"

Eine wunderbare Antwort darauf hat die Biologin Dr. Ricarda Voigt parat - aus ihrem Leserbrief an die MAZ:

"Es wäre schön gewesen, wenn Sie die Aussagen der Forstverwaltung nicht so einseitig dargestellt hätten. Ich möchte jetzt einiges aus dem Artikel richtig stellen und bitte Sie, dies auch zu veröffentlichen.

Ich war am 25.6.2019 in den Wäldern bei Borkwalde. Es stimmt, dass ein Teil der Wälder sehr schlecht aussieht, fast völliger Kahlfraß. Interessant ist jedoch, dass direkt daneben, in den Waldumbauflächen von
Herrn Tempel, die Kiefernkronen frischgrün sind, also kaum Nonnenschäden zeigen (siehe Foto). Auch der dort vorhandene Kiefernjungwuchs ist wesentlich weniger betroffen als in den reinen Kiefernstangenhölzern. Das
zeigt deutlich, dass das Problem nur dort auftritt, wo in den letzten 30 Jahren der Waldumbau versäumt wurde. Wenn man sein Unternehmen nicht gut führt, kann es zu wirtschaftlichen Schäden kommen.

Zur Waldbrandgefahr: Die Waldbrandgefahr ist, wie wir zuletzt gesehen haben, in allen Kiefernstangenhölzern sehr groß. Da macht es wohl kaum noch einen Unterschied, ob die Kiefern kahl oder nicht so kahl sind.
Einen großen Unterschied macht es aber, ob ein mit Karate gespritzter Wald brennt oder ein ungespritzter Wald. Wie bekannt sein dürfte, sind bereits sehr geringe Dioxinkonzentrationen äußerst gesundheitsschädlich.
Wenn Karate verbrennt, entstehen Dioxine. Ich habe Ihnen dies ja bereits in einer früheren Mail ausführlich dargestellt. Dieser Gefahr werden vor allem die Feuerwehrleute ausgesetzt. Überall dort, wo dagegen Laubholz in den Kiefernwäldern steht, ist die Waldbrandgefahr viel geringer.

Zu der Aussage "Der Befall geht erst jetzt los": Einerseits "tragen die Kiefern kaum noch Nadeln", andererseits geht, laut Frau Möller, das große Fressen jetzt erst richtig los". Wie aber sollen die Nonnenraupen an den
fast kahlen Bäumen noch 80 % der Nahrungsmenge finden, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Ich habe keine Informationen gefunden, dass Nonnenraupen in diesem Larvenstadium noch auf lange Wanderungen gehen, um
andere noch nicht kahle Bäume zu erreichen. Die Raupen werden also verhungern. Die meisten Raupen sind im Übrigen jetzt bereits kurz vor der Verpuppung.

Der Waldboden ist außerdem sowieso trocken und in Kiefernforsten liegen immer große Mengen an Kiefernnadeln auf dem Waldboden. Der Boden ist immer prädestiniert für Waldbrände, wenn es trocken ist. Richtig ist, dass ausgetrocknete, also abgestorbene Bäume besser brennen als lebende. Richtig ist auch, dass völlig entnadelte Kiefern meist absterben. Wenn 10 % der Nadeln erhalten bleiben, können die Kiefern dagegen überleben.

Klarer herausgestellt werden muss, dass Karate Forst flüssig nicht einfach nur andere kleine Arten tötet, sondern alle Insekten und Spinnentiere. Frau Möllers Behauptung, dass nach 2 Monaten kein Unterschied mehr bei
behandelten und unbehandelten Wäldern auszumachen ist, bedürfte wohl eines wissenschaftlichen Nachweises. Dieser fehlt bis heute. Wenn aber Frau Möller recht hätte, so würde ja auch die Nonne nach 2 Monaten in derselben Populationsdichte auftreten wie zuvor."

 

Foto: R. Voigt - Eine der Umbauflächen des Tempelwaldes mit gesunden Kiefern. Aufgenommen am 25.06.2019

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