
Bis zum 25. Juni 2021 war es Bürgern und Bürgerinnen möglich, eine Stellungnahme bzw. Fragen zum geplanten Ausbau des Holstein-Stadions im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung abzugeben. Außer eines knappen Informationsschreibens aus der Verwaltung, dass “nach eingehender Beratung im Bauausschuss die Ratsversammlung entscheiden werde”, haben wir auf unsere Einreichungen keine Rückmeldung erhalten.
Abgesehen von der ‚Hurra‘-Berichterstattung der Kieler Nachrichten, die ihr eigenes Interesse in Sachen Stadion-Betreibergesellschaft angekündigt hat, ist seit mittlerweile 5 Monaten nichts mehr zum aktuellen Planungsstand an die Öffentlichkeit getragen worden.
Die Vermutung liegt also nahe, dass die öffentlichkeitswirksame Informationsveranstaltung zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung am 14. Juni sowie das Verfahren selbst lediglich als Feigenblatt dienen soll. Denn damit hat sich die Stadt nichts vorzuwerfen, da sie die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte einhält.
Eine transparente und ernst gemeinte Bürgerbeteiligung sieht in unseren Augen jedoch anders aus. So entsteht Bürgerfrust!
Wie von uns befürchtet, hat die Stadt Kiel unbemerkt seitens der Öffentlichkeit bereits Fakten geschaffen. Für den Ausbau des Stadions sollten Schrebergärten weichen und den Pächtern wurde bereits im Januar diesen Jahres zum 31.10.2021 gekündigt. Dies geschah also noch frühzeitiger als die frühzeitige (!) Bürgerbeteiligung!
Die letzten Ex-Pächter haben ihre Gärten Ende Oktober 2021 geräumt. Diese sind nun also, egal wie die weitere Planung voranschreitet, zerstört. Eine seitens der Stadt bewährte Taktik, die bereits beim Bauvorhaben Möbel Höffner/Prüner Schlag Anwendung fand.
Dazu findet ihr hier und hier zwei sehr interessante Artikel auf kielaktuell.com.
Die Uno-Klimakonferenz hält Bäume für unverzichtbar für unser Überleben. Dieses Argument führt die Stadt Kiel in ihrem Mobilitätskonzept “Ruhender Verkehr 2035” als maßgeblich für den “Masterplan 100% Klimaschutz” (S. 4) an.
Wie im bisherigen Planungsstand ersichtlich, wäre es also völlig widersprüchlich, für ein Parkhaus, eine Zufahrtsstraße und einen Fahrradbügel-Park Bäume bzw. die Reste des über Jahrzehnte gewachsenen Grüngürtels zu zerstören.
Eine unserer zentralen Forderungen an den Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer, der sich doch allzu gern in den Deckmantel der Ökologie wirft, ist gerade deswegen:
Der Grüngürtel um das Stadion soll erhalten bleiben!
Kein Baum soll für den Ausbau des Holstein-Stadions weichen!
Ein weiterer Fakt, der kaum Erwähnung findet:
Es fließen Steuergelder für den Profi-Fußball.
Gerade vor dem Hintergrund des seit Jahren anhaltenden Sanierungsstaus der Sporthallen im Kieler Stadtgebiet ist es daher besonders bitter, dass die aktuell zu 100% ausgelastete Holstein-Halle auf dem Stadiongelände ohne Aussicht auf Ersatz abgerissen werden soll und somit wieder mal der Schul- und Amateursport das finanzielle Nachsehen hat!
Und wenn wir schon über Steuergelder sprechen:
Es wäre nicht nur für den Bund der Steuerzahler und deren Schwarze Liste interessant zu erfahren, welche Kosten (Gehälter für Verwaltungsangestellte der Stadt Kiel, Gutachten, etc.) die bisherige Planung des Stadionausbaus verursacht haben.
Am 30.11.2021 hat uns Herr Kämpfer zu einem einstündigen Informationsgespräch eingeladen, an dem Angestellte der Stadtverwaltung sowie Vertreter Holstein Kiels und der Investoren teilnehmen werden.
Wir lassen uns gerne positiv überraschen.