
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,
liebe Freunde des Alten Mauerwegs,
Seit zwei Wochen durchdringen Kettensägen und Schredder die Parkanlage am Alten Mauerweg. Hunderte Bäume liegen herausgerissen und zersägt am Boden. Schmerz und Ohnmacht, Wut und Enttäuschung mischten sich in die Reaktionen vieler Anrainer, die die große Rodungsaktion aus nächster Nähe verfolgt haben oder nach dem Tagwerk der Fäller am Bauzaun entlang spazierten.
Die Bürgerinitiative hat in den vergangenen Wochen um jeden Baum gekämpft. Einige Verluste waren aus unserer Sicht völlig unnötig, andere haben wir infrage gestellt und Vorschläge gemacht, wie die Deutsche Bahn mit Sensibilität und Kreativität ihre Spielräume noch mehr ausnutzen könnte, um den gesunden Baumbestand zu erhalten, ohne die anstehenden Bauarbeiten zu behindern.
Ausgerechnet im Bereich der gemauerten Bögen konnte sich die DB leider nicht dazu durchringen, alternative Wege zu gehen. So wurden im Namen der uneingeschränkten Baufreiheit und für den geplanten Abbruch der historischen Bögen alle Bäume dort gefällt.
Kurz vor Abschluss der ersten Rodungsphase zeichnet sich ab: Es sind mehr Bäume gefallen als wir uns alle gewünscht hatten. Es sind auch weniger Bäume gerettet worden als sich mancher von uns erhofft hatte. Doch im Bereich der Böschungen soll laut DB der gesamte noch verbliebene Baumbestand erhalten bleiben. Das wäre ohne Eure Beharrlichkeit, Aufmerksamkeit und Rückendeckung so nicht passiert.
Auch deshalb noch einmal ein großer Dank an Euch alle, die Ihr Euch in den vergangenen Wochen für die Bäume eingesetzt haben. Immerhin fast die Hälfte der Bäume bleiben stehen, das sollten wir festhalten, das lässt – bei aller Trauer in diesen Tage - für die nächsten Jahre hoffen! Damit sie die nächsten Jahre der Bautätigkeit unbeschadet zu überstehen, müssen diese Bäume von der DB auf der Stelle entsprechend geschützt werden.
Wenn die Rodung beendet ist, werden wir den Prozess der letzten Wochen und Monate für alle nachvollziehbar rekapitulieren und für Euch dokumentieren.
Im Anschluss wird es nun darum gehen, den Dialog nicht abreißen zu lassen. Wir Bürgerinnen und Bürger müssen bei der Neugestaltung und Wiederbegrünung dieses besonderen Stücks Stadtnatur aktiv mit einbezogen werden. Diesmal ernsthaft und mit Vorlauf. Die letzten Wochen haben gezeigt: Im Pankower Süden gibt es eine rege Bürgerschaft, die eine nachhaltige Verkehrswende und notwendige Großprojekte wie den Bahndamm am Alten Mauerwegs unterstützen. Mit Realitätssinn, Phantasie, Sachkunde und einer Ortskenntnis, von der eine Deutsche Bahn nur profitieren kann. Die DB wünscht sich verantwortungsbewusste Ansprechpartner vor Ort. Die soll und wird sie auch weiterhin haben.
Zu einem produktiven Dialog gehören aber immer zwei Seiten. Daran werden wir die Deutsche Bahn, unseren mächtigen Nachbarn in unserer Mitte, messen und in den nächsten Jahren immer wieder erinnern.
Nach den Erfahrungen der letzten Tage und Wochen: jetzt erst recht.