Petition update

Prof. Wolf Singer, beantworten Sie 20 Fragen zum wissenschaftl. Wert der Affenhirnforschung

Jocelyne Lopez, Sandra Lück, Gerlinde Wax

Sep 22, 2016 — Wir haben heute einen neuen Empfänger zu unserer Petition hinzugefügt, Prof. Wolf Singer, führenden Hirnforscher und seit 40 Jahren Tierexperimentator am Max Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt, insbesondere an Affen und Katzen:


Sehr geehrter Herr Prof. Singer,

wie Sie es sicherlich wissen, hat Ihr Kollege Affenhirnforscher Prof. Hans-Peter Thier 2015 einen Solidaritätsaufruf zur Befürwortung und Fortführung der Affenversuche in der Hirnforschung am Max Planck Institut Tübingen gestartet, der von mehr als 800 Wissenschaftlern unterzeichnet gewesen sein soll.

Wir gehen davon aus, da Sie selbst seit ca. 40 Jahren am Max Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt die gleichen Versuche an Affen durchführen, dass Sie diesen Solidaritätsaufruf von Prof. Hans-Peter Thier auch unterzeichnet haben.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, sehr geehrter Herr Prof. Singer, die 16 fachlichen Fragen über den wissenschaftlichen Wert dieser Forschung zu beantworten, die wir bis jetzt insgesamt an 7 wissenschaftlich qualifizierte Befürworter dieser Versuche gestellt haben und die Sie bitte dieser Petition entnehmen können: An Prof. Hans-Peter Thier, Prof. Stefan Treue, Prof. Almut Schüz, Prof. Peter Strohschneider, Prof. Bernd Engler, Prof. Martin Stratmann und Prof. Andreas Kreiter. Leider hat seit über 1 Jahr keiner der o.g. angesprochenen Wissenschaftler mit einem einzigen Wort eine einzige Frage beantwortet.

Wir gehen auch davon aus, dass Sie ganz besonders zur Beantwortung dieser 16 Fragen geeignet sind, da Sie mit dem „Communicator Preis 2003“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Ihre „herausragenden Leistungen in der Vermittlung [Ihrer] wissenschaftlichen Arbeit in die Öffentlichkeit“ geehrt wurden: http://www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/communicator-preis/2003/index.html .


Darüber hinaus erlauben wir uns, 4 zusätzliche Fragen anzuhängen:


17) Sie haben 1990 in einem Interview in der Zeitschrift GEGENWORTE „Wolf Singer und Leo Montada: Polemik oder Diskurs“ folgendes ausgesagt:

„Ich muß in meinen Anträgen den Nachweis antreten, daß die Ergebnisse einer geplanten Versuchsreihe von so großer praktischer Bedeutung sein werden, daß sie ethisch gerechtfertigt ist. Das zwingt mich fast zum Betrug, weil ich in der Tat in vielen Bereichen nicht angeben kann, ob das Versuchsergebnis wirklich in absehbarer Zeit Leiden vermindern wird. […] Ja, das sieht man deutlich daran, daß der Gesetzgeber zunehmend die Zuwendung von Mitteln davon abhängig macht, daß wir nachweisen können, welche umsetzbaren Erkenntnisse die einzelnen Untersuchungen erbringen werden. Das ist eine Katastrophe. Diese Vorgaben verführen die Forscher zum Schwindeln.“
http://www.gegenworte.org/heft-4/singer4.html

Jetzt unsere Frage Nr. 17: Können Sie ethisch und rechtlich rechtfertigen und verantworten, sehr geehrter Herr Prof. Singer, dass die Hirnforscher die bestehenden Gesetze und die Verfassung umgehen, indem sie in ihren Forschungsanträgen an die Genehmigungsbehörden „betrügen“ und „schwindeln“?




18) Sie haben 2005 in der Zeitung DIE ZEIT (10.03.2005 – Nr. 11) ausgesagt:

“Ich bin davon überzeugt, dass wir heute weniger wissen, wie das Gehirn funktioniert, als wir vor 20, 30 Jahren zu wissen glaubten.”

Jetzt unsere Frage Nr. 18: Wie rechtfertigen Sie 2016 die Befürwortung der Fortsetzung dieser Versuche am MPI Tübingen, wenn Sie bereits 2005 persönlich davon überzeugt waren, dass Sie nach 30 Jahren Experimente an Affen - sogar beim lebendigen Leib ohne Narkose am offenen Gehirn - keine neuen Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen Gehirns gewinnen konnten?



19) Sie haben 2010 in einem Interview mit Prof. Klaus Peter Rippe „Bonobos bauen keine Kathedralen“ in der Zeitschrift „Gehirn & Geist“ ausgesagt, dass Tierversuche „fast eins zu eins“ auf Menschen übertragbar seien: http://www.spektrum.de/magazin/bonobos-bauen-keine-kathedralen/1052993

Diese Aussage steht im diametralen Widerspruch zu zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Studien, die ganz im Gegenteil nachweisen, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen von Art zu Art nicht übertragbar sind, wie zum Beispiel u.a. diese von der Ärztevereinigung „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ referierte Studie, die dokumentiert, dass 95% der neuen Medikamente, die auf Tiere getestet wurden, durch die klinische Erprobung an Menschen durchfallen: Medikamente-Durchfallquote gestiegen: 95% https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/wissenschaftliche-studien/1924-medikamenten-durchfallquote-gestiegen-95

Jetzt unsere Frage Nr. 19: Mit welchen wissenschaftlichen Studien und Publikationen begründen Sie Ihre erstaunliche Aussage, sehr geehrter Herr Prof. Singer, dass Tierversuche „fast eins zu eins“ auf Menschen übertragbar seien?



20) Sie haben gemäß einer Pressemitteilung vom 12.08.2011 im Portal des hessischen Landtags (die inzwischen jedoch seltsamerweise gelöscht wurde) vom Staatsminister Michael Boddenberg das Bundesverdienstkreuz als „Gunsterweis“ des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff verliehen bekommen, u.a. für Ihr „überragendes Engagement im Bereich des Tierschutzrechts“.

Es ist seit 2012 anfragenden Bürgern leider nicht gelungen in Erfahrung zu bringen, weder beim Hessischen Landtag, noch bei der Ordenskanzlei des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff in Berlin, woraus genau Ihr überragendes Engagement im Bereich des Tierschutzrechts bestanden hat.

Jetzt unsere Frage Nr. 20: Bitte teilen Sie uns mit, sehr geehrter Herr Prof. Singer, woraus genau Ihr Engagement im Bereich des Tierschutzrechts besteht.



Wir danken im Voraus für die Beantwortung unserer 20 Fragen, auch im Namen der zurzeit mehr als 22.000 Unterzeichner dieser Petition


Jocelyne Lopez, Sandra Lück, Gerlinde Wax


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