
Etwas mehr als ein Monat ist die neue Bundesregierung nun im Amt. Unter dem selbsternannten Klimakanzler Olaf Scholz möchte sie “Fortschritt“ versprühen und den Aufbruch in eine klimaneutrale Gesellschaft wagen. Große Worte, große Taten? Wir werfen einen Blick auf die ersten Positionierungen der neuen Regierung im Hinblick auf die Holzverbrennung und Bioenergie insgesamt.
Die Vermerke zu Bioenergie und der Holzverbrennung sind im Koalitionsvertrag schnell rausgesucht, denn es sind genau zwei Stellen: Im Kapitel „Klima, Energie, Transformation“ ist von einer nachhaltigen Biomasse-Strategie die Rede, um eine neue Zukunft für die Bioenergie sicherzustellen. Das Kapitel „Umwelt- und Naturschutz“ wiederum adressiert die Holznutzung. Dort beschreibt die neue Regierung die Absicht, die Kaskadennutzung, also die mehrfache Nutzung des Rohstoffs Holz als Grundsatz festzulegen. Bevor Holz verbrannt oder vergoren wird, soll es also beispielsweise in Form von Bauholz oder als Spanplatte genutzt werden, um so eine möglichst lange stoffliche Nutzung sicherzustellen. Diese Versprechen klingen zwar noch recht vage und unverbindlich, könnten aber Schritte in die richtige Richtung sein…
Was sich genauer hinter den Aussagen zur Biomassestrategie verbirgt, das hat Vizekanzler Robert Habeck bei seiner vorgestrigen Eröffnungsbilanz in der Bundespressekonferenz glücklicherweise etwas näher erläutert: Die Biomassestrategie solle die energetische Nutzung auf das nachhaltig verfügbare Potenzial (1.000 bis 1.200 PJ pro Jahr) begrenzen. Dafür brauche es eine „sektorübergreifende Strategie“, die die stoffliche Nutzung z.B. in Form von zunehmendem Holzbau, die CO2-Senkenleistung von Wäldern und die verbleibenden Mengen an energetisch nutzbaren Reststoffen zusammendenkt. Na das ist doch schon einmal etwas konkreter!
Vergleicht man/frau die Zahlen von Herrn Habeck mit denen des vergangenen Jahres, so lässt sich feststellen, dass im Jahr 2021 bereits umgerechnet 882 PJ an Bioenergie bereitgestellt wurden. Große Mengen davon wurden allerdings nicht aus nachhaltigen Quellen erzeugt, sondern aus Anbaubiomasse wie Mais und Holz, welches nicht kaskadenartig genutzt wurde. Statt neue Potenziale an Bioenergie zu erschließen, sollte die Bundesregierung also zunächst dafür sorgen, dass auch wirklich nur nachhaltig verfügbare Mengen genutzt werden. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes sind das nicht 1.000 bis 1.200 PJ, sondern maximal 900 PJ, die aufgrund einer zunehmenden Kreislaufwirtschaft weiter abnehmen werden. Damit dies im Rahmen der Biomasse-Strategieerarbeitung berücksichtigt wird und die Ambitionen der Bundesregierung nicht durch die Lobbyeinflüsse von Kohlekraftwerksbetreibenden verwässert werden, behalten wir den Prozess genauestens im Blick und werden ihn kritisch mitbegleiten.
Klar ist für uns:
Dass Verbrennen von Holz in umgerüsteten Kohlekraftwerken kann kein Bestandteil einer neuen Biomassestrategie sein. In solchen Anlagen gigantischen Mengen an Holz für eine ineffiziente Strom- oder Wärmebereitstellung zu verfeuern, ist klimaschädlich und naturzerstörend. Mit Energie aus Wind, Sonne und Erdwärme haben wir bessere Alternativen zur Hand!
Unterstützt uns, damit wir der Umrüstung bestehender Großkraftwerke auf Holzverbrennung dieses Jahr eine endgültige Abfuhr erteilen.
Eure Deutsche Umwelthilfe, ROBIN WOOD und Peter Wohlleben