Petition updateStoppt die Zersiedelung des Außenbereiches des Ostseebades Göhren auf der Insel Rügen!Wir werden weiter kämpfen!

BI Lebenswertes Göhren

Apr 21, 2018
Liebe UnterstützerInnen,
auch wenn Bürgermeister Pester und die Göhrener Gemeindevertreter uns trotz unseres Protestes ignorieren, werden wir weiter gegen das Bauvorhaben am Stabenweg und die Zersiedelung des Außenbereiches unseres Ortes kämpfen!
Am B-23 wurden nun Krötenzäune errichtet. Wie intelligent und ignorant man vorgeht, könnt ihr auf den Bildern sehen: Man hat die Zäune nur auf dem B-23 hinter der Straße errichtet, d. h. man "sperrt" die Kröten auf die viel befahrene Straße aus! Das hat man wirklich wieder toll hinbekommen. Da hilft auch nicht, dass unser Göhrener Diskothekenbesitzer "der Klaus" (zitiert von der ZEIT) nun scheinbar beauftragt wurde, die Krötendokumentation durchzuführen. *lach* Wir von der Bürgerinitiative haben uns organisiert und schauen in wechselnden Gruppen regelmäßig nach den Tieren, damit möglichst wenig auf ihrer Wanderung ihr Leben lassen müssen. Die grausigen Bilder der toten Tiere möchten wir euch ersparen.
Am kommenden Montag, 23. April ist wieder Gemeindevertretersitzung. Seid euch sicher, dass wir vertreten sein werden. Und da uns die gewählten Bürgervertreter trotz der Vielzahl unserer hier gesammelten Stimmen ignorieren, werden wir einige eurer unzähligen tollen Kommentare dort laut und für alle hörbar vorlesen. Nochmals vielen Dank dafür!
Eure BILG
P.S. In der Zwischenzeit möchten wir euch aber auch nicht den Text von Patrick Geisler, der den Aufruf auf change.org gestartet hat, vorenthalten und veröffentlichen hiermit seinen gesamten Text für euch:
"Einige werden mich sicher noch kennen, denn ich habe 10 Jahre in Göhren im Family Club als Teamleiter gearbeitet. Für mich eine sehr bereichernde Zeit, denn ich habe auf Grund meiner Tätigkeit und als waschechter Rüganer, eine Menge über meine Heimat dazu gelernt. 10 Jahre voller Freude, 10 Jahre mit interessierten Touristen, 10 Jahre Radtouren über unsere schöne Insel, 10 Jahre Ausflüge, Sportveranstaltungen, Kurkonzerte, die Liste ist endlos.
Begeisterte Inselbesucher, die sich an den schönsten Landstrichen mit mir ausgeruht und Kraft geschöpft haben. Menschen, die jedes Jahr zu uns kamen, weil wir als Rüganer das Glück haben, auf der grössten und ganz sicher auch der schönsten Insel Deutschlands geboren und aufgewachsen zu sein.
Jedem, dem ich erzähle, dass ich von Rügen komme, blitzt der Neid in den Augen und sie sagen, dass es auf Rügen sehr schön ist, selbst wenn sie die Insel nie betreten haben. Rügen ist ein Begriff für diese Menschen, wenn nicht sogar eine Marke und diese Marke ist über Generationen entstanden, denn es ist nicht nur die Insel, sondern auch deren Bewohner, die diesem einzigartigen Landstrich seine Schönheit verleihen. Es ist eine Symbiose zwischen Mensch und Heimat und das weiss jeder zu schätzen, der die Insel besucht und eine Auszeit nehmen möchte.
Und nun habe ich erfahren, dass im Ostseebad Göhren, in dem ich jahrelang wirken durfte, der bisher noch intakte Außenbereich des Ortes an einen Investoren verkauft wurde, dem bereits nahezu der gesamte Ort gehört! (siehe hierzu auch: http://www.zeit.de/2016/17/demokratie-ruegen-gemeinde-investor). Der B-Plan 23 stellt nicht nur einen Einschnitt in den Außenbereich dar, sondern formt auch einen Angriff auf das UNESCO Biosphärenreservat Südost-Rügen. Obwohl bereits zahlreiche B-Pläne im Ostseebad Göhren genehmigt wurden, aus denen weit über 100 neue Wohnungen und Grundstücke hervorgehen, soll hier noch mehr Land schleunigst versiegelt werden, obwohl es sich dabei um Grünland- und Ackerfläche handelt. Auch die Art- und Weise wie hier einem einzelnen Investor mit Mitteln der Demokratie zugearbeitet wird… Das alles ist ein Skandal!
Ich habe meine Heimat verlassen. Nicht, weil ich nicht mehr dort leben möchte, sondern weil ich meinem Leben ein weiteres, anderes Kapitel hinzufügen wollte. Aber eines ist mir in der Ferne klar geworden: Meine Wurzeln sind auf Rügen! Es ist Heimat und Heimat muss erhalten bleiben. Für die Menschen, für die Besucher und für unsere Kinder. Das sind wir den Generationen vor uns und den folgenden schuldig. Sicher entwickelt sich Heimat auch weiter, aber das darf nur im Sinne der Heimat passieren. Wenn aber irrwitzige Projekte ins Leben gerufen werden, die reinen Profit und Kapitalinteressen dienen und dabei das zerstören, was Heimat ausmacht, dann ist das nicht richtig. Es zerstört den Bezug zu unserer Insel. Es zerstört das Gefühl, dass uns alle verbindet. Nennen wir es die Rügenseele.
Was ist Heimat? Heimat ist nicht nur der Ort an dem wir geboren werden und aufwachsen. Heimat ist ein Gefühl, das sich sehr stark steigert, wenn man nicht mehr dort ist. Es durchströmt einen und jeder, der seiner Heimat den Rücken zukehrt, aus welchen Gründen auch immer, wird in seinen Gedanken immer wieder dahin zurückgeführt. Es ist das Zuhause, das echte Zuhause, der Ort, an dem man viel Liebe empfangen hat, der Ort, dessen Wurzeln untrennbar mit einem verbunden sind. Es ist die Luft, der Boden, die Erinnerungen, die Kindheit, das Meer, die Landschaft, die Weitsicht, die Natur. Die Verbindung, die man spürt, sobald das Wort Heimat und ganz speziell das Wort Rügen fällt. Es sind die Menschen mit ihrer ureigenen Art, eine Art, zu der man sich hingezogen fühlt. Mit der man die tiefsten Erinnerungen hat. Freunde, Verwandte, Kollegen, die alle denselben Ursprung haben und somit miteinander verbunden sind. Es sind Emotionen, Gefühle, das Miteinander, die Verbundenheit der Seelen, die uns an diesem Ort auf ewig bindet.
Das alles zu erhalten, ist Aufgabe eines jeden Rüganers und jedem Zugezogenen, ganz egal welcher gesellschaftlichen Schicht er angehört. Es ist die Aufgabe der einfachen Verkäuferin, wie auch dem Hotelmanager, Diskothekenbetreiber, dem Baulöwen oder sonst irgendeiner Berufsgruppe. Es ist unsere Pflicht mit der Heimat in Einklang zu leben, aus Respekt für die Generationen vor uns und den Generationen nach uns.
Leider lassen uns Kapitalinteressen diesen Respekt allzu oft vergessen. Im Kleinen mag das kein Problem sein und ist leichter wieder rückgängig zu machen, aber im grossen Sinne werden durch sinnlose Bauprojekte Fakten geschaffen, die eben sehr schwer wieder rückgängig gemacht werden können. Geht es auf der Welt nicht schon schlimm genug zu? Wird der Planet auf Grund von Machtgier und Profit nicht schon genug zerstört? Ist das nicht ein Irrweg, auf dem wir uns befinden? Wir machen aber trotzdem weiter.
Es wird gebaut, betoniert, asphaltiert, Natur zerstört ohne zu merken, dass wir uns den Boden unter den Füssen wegbauen, ohne zu merken, dass wir uns von unseren Wurzeln entfernen und eher der Macht des Geldes frönen, als der Macht der Natur zuzuhören, die uns alle hervorgebracht hat. Was bringt die Macht des Geldes? Es ist ein Monopol, der Wille einiger weniger zu Lasten der Heimat, der Menschen, der Gesundheit, dem Willen der Mehrheit. Es erzeugt Spannungen, belastet die Harmonie, zerstört die Seele der Heimat und lässt Rügen an der offenen Wunde verbluten. Wofür? Für die Jagd nach Profit und Einfluss. Niemals in der Geschichte hat eine Machtstruktur dauerhaften Bestand gehabt und das wird sie auch nie.
Es gibt ein Naturgesetz: Auf eine Aktion folgt immer eine Reaktion. Deshalb sollte man seine Aktionen genau durchdenken und Aktionen, die Profitinteressen unterliegen, werden immer eine heftige Gegenreaktionen auslösen, ganz einfach aus dem Grund, weil diese Interessen egoistischer Natur sind und nicht im Einklang mit natürlichem Wachstum stehen. Diese Gegenreaktionen können mannigfaltig sein. Eine Gegenreaktion ist das Entstehen von Bürgerbewegungen und Vereinen oder das Schreiben dieses Briefes. Es ist mein Beitrag zum Erhalt meiner Heimat, obwohl ich über tausend Kilometer entfernt bin. Für das Heimatgefühl ist es aber nur ein Katzensprung. Ich fühle, dass die Dinge auf Rügen einfach falsch laufen, denn der Preis, den wir für Profitinteressen zahlen werden, wird unsere Heimat sein. Und was dann?
Niemand hat etwas dagegen, wenn man sich einen Wohlstand aufbauen will. Großartige Dinge wurden auf Grund dieses Drangs erschaffen und hat auch viele Menschen in Lohn und Brot gebracht, aber das geht auch mit nachhaltigen, im Einklang mit der Natur stehenden Projekten. Sollte jedoch einem oder ein paar wenigen alles gehören, dann ist das falsch und dann hat Gier Hirn gefressen. Den Preis, den man irgendwann dafür zu zahlen hat, kann man jetzt noch nicht sehen, aber man kann ihn erahnen, sobald das Hirn eingeschaltet wird.
Ich kenne meine Wurzeln und werde auf ewig mit der Insel verbunden sein, ob nun hier oder auf Rügen, doch ich mache mir Sorgen darüber, ob die Wurzeln irgendwann nicht mehr zu fühlen sind, weil die Profitinteressen einiger weniger dafür gesorgt haben, dass sie durch eine dicke Betonschicht von mir abgeschnitten wurden.
Deswegen appelliere ich an alle Beteiligten, besonders die Befürworter solcher Bauprojekte, darüber nachzudenken, wo der Kurs hingeht und was es am Ende für unsere Heimat bedeutet.
Ich möchte, dass meine Heimat erhalten bleibt. Rügen zeichnete sich immer dafür aus, dass die Uhren etwas langsamer ticken und das ist auch gut so, denn nichts ist wichtiger als der Ort an dem man geboren wurde und diesen zu erhalten.
Es grüsst Sie/Euch ein besorgter Rüganer
Patrick Geisler"
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