

Aus Wiesbaden sind mit den Tomahawk-Marschflugkörpern Radarsysteme in Kaliningrad und Belarus erreichbar, die beide als Frühwarnsysteme Russland vor ankommenden Interkontinentalraketen warnen sollen. Mit den Hyperschallwaffen können Radarsysteme bis kurz vor dem Ural erreicht werden, genauso wie die um Moskau aufgebauten Radaranlagen des lokalen Raketenabwehrsystems. Von den insgesamt zwölf nationalen Kernwaffenlagern (nicht alle im Kartenausschnitt sichtbar), in denen vor allem sogenannte »taktische« Sprengköpfe eingelagert sind, können sieben erreicht werden. Ebenso erreichbar sind die strategischen Interkontinentalraketensilos in Tatischtschewo und Koselsk sowie die Stützpunkte für Interkontinentalraketen auf mobilen Abschussrampen in Teikowo, Joschkar-Ola, und Bologoje. Moskau ist mit den Hyperschallwaffen in weniger als 20 Minuten erreichbar. Mit Mach 17 reduziert sich dies auf nur 6 Minuten, jedoch kann die Rakete diese Geschwindigkeit wahrscheinlich nicht durchgängig halten. ...
Für die hier ersichtliche mögliche Zielerfassung lässt sich ein weiterer problematischer Effekt beschreiben: Neben der oben beschriebenen »warhead ambiguity« kann es auch zu einer »target ambiguity« (Uneindeutigkeit der Ziele) kommen. Im Falle eines Einsatzes der Waffen kann es für Russland schwer sein, zu erkennen, welche Ziele genau angeflogen werden sollten. Dies wird noch weiter erschwert, wenn Ziele im Laufe des Fluges angepasst werden, wie dies z.B. bei den Tomahawk möglich ist. Russland könnte Flugbahnen so interpretieren, dass nukleare Ziele getroffen werden, und daher entsprechende Kernwaffen frühzeitig einsetzen, um deren Zerstörung zu vermeiden. Damit ergäbe sich auch bei konventioneller Bewaffnung eine dramatische nukleare Eskalationsspirale. ...
Auch wenn aktuell glaubwürdig ist, dass die Waffen konventionell bewaffnet sind, bleibt ein erhebliches nukleares Eskalationsrisiko bestehen. Im Falle sich verschär-fender Krisen wird es immer schwieriger, durch Kommunikationswege und ver-trauensbildende Maßnahmen die konventionelle Bewaffnung dem Gegenüber glaubhaft zu versichern, sofern nicht neue, extern einsetzbare technische Verifikationsmethoden zum Einsatz kommen. Auch bei den Zielen wird die Lage unübersichtlicher, damit erhöhen die Waffen das Risiko präemptiver Nuklear-angriffe von Seiten Russlands.
Da diese enge nukleare Verknüpfung besteht, ist es äußerst gefährlich, dass die Stationierung nicht gleichermaßen mit Maßnahmen wie Verhandlungsangeboten einhergeht, wie es noch der NATO-Doppelbeschluss beinhaltete.
https://wissenschaft-und-frieden.de/artikel/stationierung-ab-2026/