Einbindung deutscher Fachhochschulen in das Psychotherapeutengesetz 2020

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.000.


Die meisten Universitäten konnten zum Herbst 2020 ihre Psychologie-Bachelor Studiengänge so umstrukturieren, dass sie den Anforderungen des neuen Psychotherapeutengesetzes und der Approbationsordnung entsprechen. 

Die Reform des Psychotherapeutengesetzes betrifft die Fachhochschulen insofern, als dass die Etablierung von polyvalenten Bachelorstudiengängen, die Studenten für den neuen Masterstudiengang *Klinische Psychologie und Psychotherapie* qualifizieren, oder gar zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten nach oder während des Bachelorstudiums an unserem Hochschultyp ausgeschlossen werden. Dadurch wird die Stigmatisierung und Diskriminierung deutscher Fachhochschulen aufrechterhalten.

Der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung in unserer Gesellschaft ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, nicht zuletzt durch die aktuelle Corona-Pandemie und dem daraus resultierendem Lockdown. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt in Deutschland jedoch durchschnittlich 5 Monate oder länger. Betroffene sind in dieser Zeit häufig auf sich alleine gestellt und eine Verstärkung der Symptomatik nicht auszuschließen. 

Quelle: https://www.vice.com/de/article/xdkby3/ich-bin-psychisch-krank-und-es-war-fast-unmglich-einen-therapieplatz-zu-finden

Wir sind der Auffassung, dass Studenten an deutschen Fachhochschulen keineswegs benachteiligt werden dürfen. Denn schon heute kommt ein Großteil der derzeit in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen tätigen Psychotherapeut*innen von deutschen Fachhochschulen. 

Nach einer Stellungnahme zur Neufassung des Psychotherapeutengesetzes durch den Präsidenten der Hochschule Nordhausen Prof. Dr. Jörg Wagner, wurden ,,[...]durch die Bologna-Reform Studienabschlüsse von Universitäten und Fachhochschulen gleichgestellt [...] und zum anderen auch durch einschlägige Urteile des Bundesverfassungsgerichts eine auf die wissenschaftliche Qualität abzielende Unterscheidung von Lehrenden und Forschenden an Universitäten und Fachhochschulen für nicht mehr zeitgemäß erklärt. [...] Gerade an Fachhochschulen arbeiten die Lehrenden, die Praxiserfahrungen haben und auch therapeutische Erfahrungen im Sozialarbeitsbereich. An den Universitäten müssten die existenten Psychologie-Professorinnen und -Professoren, die zum großen Teil noch keinen Kontakt mit Therapie hatten und sich vornehmlich auf wissenschaftliche Forschung
im insgesamt sehr breiten Feld der Psychologie konzentriert haben, diese Aufgabe übernehmen.''

Die Ausgrenzung deutscher Fachhochschulen ist ein immenser Rückschritt!

Quelle: bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/Stellungnahmen_WP19/PsychThGAusbRefG/Hochschulen_Nordhausen.pdf

Jeder vierte Deutsche ist jährlich von einer psychischen Erkrankung betroffen, das entspricht 17.8 Millionen Menschen. In Deutschland gibt es jedoch nur circa 26.000 psychologische Therapeuten. Mit steigender Tendenz der jährlich circa. 17.8 Millionen Erkrankten, führt dies zu teilweise extrem langen Wartezeiten für dringend benötigte Therapieplätze, da es nicht möglich ist, dass jeder Therapeut 670 Patienten betreut. Doch auch nicht erkrankte Menschen sind oft indirekt betroffen, da sich die Erkrankungen ihrer Mitmenschen häufig auf die Gesellschaft auswirken. Besonders benötigt wird Therapie in sozial schwächeren Schichten, parallel dazu wird allerdings die Möglichkeit Therapeut mit Kassenzulassung zu werden massiv erschwert.

Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/430234/umfrage/anzahl-der-psychotherapeuten-in-deutschland-nach-bundesland/

Quelle: https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=11069&token=a90390e76f0e00e7f914aef6a5b47f06e3cd5329

Wir fordern...

  • ...die Möglichkeit, einen *Antrag auf Verlängerung* des [Psychologie-]Bachelors zu stellen, sodass dieser 7 statt 6 Semester umfasst, um fehlende qualifizierende Module und Prüfungen nachzuholen.
  • ...eine anderweitige Möglichkeit für Studierende deutscher Fachhochschulen, die nach dem 01.09.2020 ihr Studium aufgenommen haben, sich für den neuen Masterstudiengang *Klinische Psychologie und Psychotherapie* zu qualifizieren.