
Lange hat der „Umweltschutzverein in Isernhagen und Umgebung e.V.“ gemeinsam mit den Isernhägener Grünen gegen diese unverantwortliche Form der „Entsorgung“ der kommunalen Abwässer gekämpft. Sogar vor Gericht waren wir. Der wohlmeinende Richter verstand das Problem und hätte uns gerne Recht gegeben, sah dafür aber keine rechtliche, sondern lediglich eine politische Möglichkeit.
Worum geht es genau?
Die Abwässer aus Haushalten und Betrieben werden zentral gesammelt und vorgereinigt und müssen dann entsorgt werden. Diese an Nährstoffen reichen Abwässer – Klärschlamm genannt – wurden bislang in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt (auch Gülle gehört dazu) – u. A. ist darin auch das lebensnotwendige und inzwischen weltweit knappe Phosphat enthalten.
Diese Art der Nutzung wird nach EU-Recht nicht mehr zulässig sein, da im Klärschlamm auch zahlreiche Schadstoffe – wie z.B. Medikamentenrückstände und Schwermetalle – enthalten sind. Um die anfallenden Schlämme los zu werden, setzen z.B. Enercity und andere Stromkonzerne die Verbrennung ein. Das bedeutet, dass eine Substanz, die man aufgrund ihres Wassergehaltes als Löschmittel (!) einsetzen könnte, verbrannt wird. Nach Trocknung und Verbrennung bleibt eine Asche zurück, in der der Phosphor zwar noch enthalten ist, aber nicht in für Pflanzen verfügbarer Form vorliegt. Wenn Stadtwerke u.a. sich also loben, dass sie die Verbrennungsabwärme als regenerative Energie nutzen, ist das schlicht Augenwischerei. Nach der LKW-Anlieferung des Klärschlamms aus einem Umkreis von bis zu 250 km und der „Verbrennung“ des Wassers wird nun die phosphorhaltige Asche per LKW abgefahren und zentral gesammelt. Danach wird – wiederum energieaufwendig – die Rückgewinnung des Phosphats als Phosphorsäure vornehmlich für Pflanzendünger betrieben.
Dafür gibt es auch umweltfreundlichere Wege zur pflanzenverfügbaren Rückgewinnung des Phosphors. – Der Umweltschutzverein hatte auf seiner Veranstaltung mit Frau Dr. Ing. Veser am 24.01.2020 darüber informiert (https://www.umweltschutzverein.de/klaumlrschlamm.html
Wer allerdings das Klima schützen will, darf nicht mehr verbrennen. Klimaneutrales Verbrennen aus Biomasse ist irreführend. Denn dem Klima ist es egal woher das CO2 kommt! Der Weg heißt klimapositiv handeln.
Und die benötigte Wärme lässt sich durch den Einsatz von erneuerbaren Energien und intelligenten technischen Verfahren ermöglichen.
Der Umweltschutzverein hat damit seine Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir danken allen, die uns mit Rat, Tat und Spenden unterstützt und begleitet haben. Wir hätten uns gefreut, in diesen Dank auch Rat und Verwaltung der Gemeinde Isernhagen einschließen zu können.
Verfasser: Christoph Schroer und Heidrun Lemke
AK Klärschlamm des Umweltschutzvereins
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Kommentar zur vorstehenden PM:
wie Sie der angehängten PM entnehmen können, stellen wir den Kampf gegen die KSA Lahe ein.
Nicht zuletzt haben wir einige Teilerfolge zur Anwendung der Best Verfügbaren Technik (BVT) erreichen können.
Am Ende wurden wir auch durch Gerichtsbeschluss bei der Verfahrenänderung zur Brüdenbehandlung vor Ort beteiligt.
Dazu haben wir auch noch ein Gutachten anfertigen lassen und den Beteiligten (GAA, enercity contracting sowie der Stadtentwässerung Hannover + Gemeinde Isernhagen) zur Verfügung gestellt.
Diesen wird nun in ihre Verantwortung gestellt unsere Anregungen zu berücksichtigen.
Wir sind nach wie vor der Ansicht (siehe PM), dass die dezentrale Klärschlamm-Veredelung aus vielen Gründen die bessere Lösung ist und wir werden weiter den Widerstand gegen zentrale Verbrennungsanlagen unterstützen.
Um unsere personellen und finanziellen Ressourcen zu schonen, müssen wir aber zugeben, dass dies KSA Lahe angesichts mangelnder politischer Unterstützung nicht mehr zu verhindern ist.
Siegfried Lemke Stellv. Vorsitzender