

Liebe UnterstützerInnen für den Erhalt des SEZ,
meine Begeisterung fürs SEZ beruht vor allem auf meiner Liebe zu besonderer Architektur und der Leidenschaft für Wassersport, aber auch der tiefen Überzeugung, dass solche bedeutsamen Gemeingüter allen Menschen zur Verfügung stehen und zur Klima- und Ressourcenschonung eine Bestandssanierung einem Abriss und Neubau vorgezogen werden sollte.
Auch wenn ich fasziniert ans Wellenbad im SEZ zurückdenke, treiben mich mehr Zukunftsvisionen als (N)ostalgie an. Für mich ergaben sich mit dem Fall der Mauer durch die hinzu gewonnene Reise-, Meinungs- und Entscheidungsfreiheit ungeahnte neue Perpektiven. Und doch bleibt meine Kindheit und Jugend in der DDR ein prägender Teil meiner Biografie, so wie für Millionen andere Menschen auch.
Vor zwei Tagen habe ich mit meiner Familie und Tausenden weiteren Menschen das "Fest für Freiheit" anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des Mauerfalls am Brandenburger Tor gefeiert. Ganz besonders freute ich mich über die gezeigten Filme, durch die meine neunjährige Tochter unsere jüngere deutsche Geschichte am historischen Ort sehen konnte. Dabei wurde mir bewusst, dass das Erinnern und Vermitteln zunehmend schwieriger wird, wenn weiterhin Orte vernichtet werden, die für Menschen mit Ostbiografie bedeutsam sind.
Passend dazu erschien vor wenigen Tagen ein Zeitungsartikel, auf den ich hinweisen möchte. Herr Wenzel vom rbb24 wies am 07.11.2024 im Artikel "Umgang mit DDR-Bauten. Abriss wegen Herkunft? Wenn Berliner Ostbauten verschwinden" darauf hin, dass Architektur der Ostmoderne nach und nach aus dem Stadtbild verschwindet und ging der Frage nach, ob prominente DDR-Bauwerke systematisch und politisch motiviert abgerissen werden. Gemeinsam mit Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Architekturhistoriker Ulrich Hartung und Ayhan Ayrilmaz, Vizepräsident der Berliner Architektenkammer, ging er dieser Frage am Beispiel des Palastes der Republik, des Ahornblattes, des Generalshotels am Flughafen Schönefeld, des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und des SEZ nach. Zum SEZ wird auf die politische, historische und architektonische Bedeutung ebenso hingewiesen wie auf das seinerzeit hochmoderne Energiekonzept und die Denkmalwürdigkeit. Weiterhin wird verdeutlicht, dass ein Bestandserhalt Vorrang vor einem Abriss und Neubau haben sollte, um Klima und Ressourcen zu schonen.
Dass mindestens einige Plattenbauten in Mitte Denkmalschutz erhalten und somit auch künftig als Zeitzeugen fungieren, ist zu begrüßen. Warum das Landesdenkmalamt dem SEZ bisher die Unterschutzstellung resp. eine erneute Überprüfung verweigert, obwohl es alle Bedeutungsaspekte des Denkmalschutzgesetzes Berlin erfüllt, ist jedoch nicht nachvollziehbar.
Bereits mehrfach habe ich ausgeführt, dass Wohnungsbau auf dem SEZ-Gelände weder sinnvoll noch erforderlich ist (zuletzt im Update vom 06.10.2024). Noch ausführlicher kann man sich hierzu bei Gemeingut in BürgerInnenhand informieren: "Ein Instrumentenkasten für bezahlbare Mieten".
Den massiven Leerstand von Wohnungen, oft in Häusern, die längst zu Spekulationsobjekten geworden sind, greift der Tagesspiegel am 08.11.2024 im Artikel "40.000 leerstehende Wohnungen: Berliner Bezirke kämpfen gegen Wohnungsnot – einige sind eher untätig" auf. Es wird darauf hingewiesen, dass Berlin mit Amtsverfahren nach dem Zweckentfremdungsverbot rechtlich gegen illegalen Wohnungsleerstand vorgehen kann, dies aber in den verschiedenen Berliner Bezirken mit sehr unterschiedlicher Priorität verfolgt wird.
Wir als Bürgerinitiative "SEZ für alle" treffen uns weiterhin regelmäßig und sind im Austausch mit den ZwischennutzerInnen des SEZ, die größtenteils immer noch auf die versprochenen Mietverträge der BIM warten, aber mit viel Eigeninitiative und Herzblut das Gebäude zur Nutzung offen halten. Was der Senat nun konkret mit dem Gebäude und Gelände plant, wird sich zeigen. Aktuell steht der Abriss immer noch im Raum.
Wir kämpfen weiterhin aus tiefster Überzeugung für den Erhalt, die Sanierung und dauerhafte Öffnung dieses ikonischen, denkmalwürdigen, multifunktionalen Gebäudes zu Sport-, Kultur- und Erholungszwecken.
Bitte unterstützen Sie uns dabei - durch Unterschreiben und Teilen der Petitionen
✍🏻 https://www.change.org/p/das-sez-sanieren-und-als-sport-und-freizeitfl%C3%A4che-f%C3%BCr-alle-wieder%C3%B6ffnen
✍🏻 https://www.gemeingut.org/sez-retten-abriss-stoppen/
durch Ideen, fachliche Hinweise (auch gern von ArchitektInnen, IngenieurInnen wie PrüfingenieurInnen für Brandschutz, GebäudetechnikerInnen, HandwerkerInnen, IdeengeberInnen für multifunktionale Nutzungskonzepte, ehemalige MitarbeiterInnen des SEZ etc.) und tatkräftige Unterstützung. Danke.
Herzlichst, Susanne Lorenz