In Deutschland wurden 2021 fast 5 Millionen Tonnen Schweinefleisch "produziert". Dafür wurden 51,8 Millionen Schweine getötet.
Die Grundlage dieser Effizienz ist Quälerei in der Sauenhaltung der Ferkelfabriken. 20 % aller Schweine sterben noch vor der Schlachtung, der Großteil als Saugferkel trotz sogenannter Ferkelschutzbügel.
Abseits dieser Normalität verbrannten 2021 mit der modernsten Ferkelfabrik ca. 50.000 Schweine am Tollensetal.
Eine Rettung war nicht vorgesehen.
Das geltende Brandschutzgutachten hatte die Gefahr eines Brandfalls ausgeschlossen. So mussten auch diese Schweine vor der Zeit sterben.
Die vor 10 Jahren eingereichte Brandschutzklage des BUND beim Verwaltungsgericht Greifswald gegen die Baugenehmigung ist bis zum heutigen Tage nicht abschließend beurteilt.
Die etwa 700 anderen Einwände gegen die Ferkelfabrik wurden 2009 beim Anhörungstermin damals mit dem Tagesordnungspunkt 13.6 "Profitgier, Bereicherung" abgeschlossen. Dieser Punkt wurde, so wie auch andere (Klimawandel, Regenwaldzerstörung für Sojafutter, multiresistente Keime...) für nicht relevant im Genehmigungsverfahren erklärt.
Auf der Suche nach den Ursachen für die praktizierte Tierquälerei der seit 1992 illegalen Kastenstände und der Tragödie am Tollensetal haben wir in bisher 26 Updates in dieser Petition versucht, möglichst viele der im Genehmigungsverfahren nicht relevanten Punkte aufzugreifen.
Uns wurde dabei immer klarer, dass die katastrophalen Zustände der industriellen Tierproduktion ohne diese Bezüge nicht verständlich sind.
Die deutsche Art Schweine zu halten hat aber auch einen ambivalenten kulturellen Hintergrund.
Das Schwein galt im Mittelalter als Symbol des Teufels.
Auf dutzenden Schmähplastiken an deutschen Kirchen verunglimpft in jahrhundertealter Tradition die "Judensau" pauschal immer noch alle Juden mit ihrer Hassbotschaft. Eine Klage dagegen wurde vom Bundesgerichtshof abgewiesen. "Die Judensau von Kassel" auf der Documenta hat gezeigt, wie aktuell diese Metapher in Deutschland immer noch ist.
Niemand will "als dreckiges, unreines Tier" zur Sau gemacht werden.
Aber Schweine müssen heute auf Spaltenböden über der eigenen Gülle stehen. Die reinlichen Tiere leiden so unter Augenentzündungen und Lungenentzündung. Das müssen sie ertragen...
Anders als bei Zigarettenschachteln, die mit der Warnbotschaft "Rauchen ist tödlich" werben, ist auf Fleischverpackungen bisher nichts Vergleichbares im Sinne von "Genuss mit Verantwortung" zu finden.
Und das angekündigte "Wohlfühlfleisch" ignoriert wieder einmal das Sauenproblem. Notwendige Arbeit im Hintergrund wird immer noch nicht ausreichend wertgeschätzt.
"Qualfleisch aus Massentierhaltung" gibt es zwar in keinem Supermarkt aber im Kultursender ARTE immer wieder.
Niemand kann mehr sagen: das haben wir nicht gewußt.
Übrigens, die Diätindustrie in Europa hat einen jährlichen Umsatz von 100 Milliarden Euro. Unter anderem in der Folge des Schlankheitswahn durch die üblichen mehr oder weniger versauten sexistischen Werbestrategien der schönen neuen Welt.
Nicht ohne Grund haben wir unsere Petition explizit an den obersten Repräsentanten unserer Kulturnation gerichtet.
Wann es zur Übergabe kommt, wissen wir noch nicht.
Zur Eröffnung der Documenta hat Herr Steinmeier mit seiner Rede gezeigt, dass er unser Anliegen verstehen könnte.
In der Hoffnung auf weitere Mitzeichnungen bitten wir darum immer noch:
Unterstützt und teilt unsere Petition,
für einen gemeinsamen Ausstieg aus der Kastenstandhaltung.
DANKE.

