Neue Unterzeichner, Presseressonanz, Gespräch
Liebe Unterzeichner des offenen Briefes zur Garnisonkirche Potsdam,
WEITERE UNTERZEICHNER
in den letzten 10 Tagen haben sich 1000 Menschen unserem offenen Brief angeschlossen, hierunter Prof. Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste Berlin, Romani Oskar Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma; Thomas Willms, Bundesgeschäftsführer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten; Eva Quistorp MdEP a.D., Theologin und Politologin, Berlin sowie Hasko Weber, Generalintendant des Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar. Wir würden uns freuen, wenn Ihr Eure Kollegen und Freunde weiterhin auffordert, sich auf change.org dem offenen Brief anzuschließen, Quicklink: http://chng.it/sLKqryFqmK
EINE ZWEITE PETITION
Anfang letzter Woche startete die „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ gleichzeitig mit unserer eine zweite Petition, die sich gegen die staatliche Finanzierung des Projektes ausspricht, die demnächst um 6 Mio. € auf 18 Mio. € erhöht werden soll. Es wäre toll, wenn Ihr auch diese mitzeichnen mögt:
PRESSEBERICHTE
Viele Medien (Radio, Print, Internet), haben über unseren Brief berichtet. Drei Dinge sind besonders erwähnenswert:
(1) Der Vorsitzendes des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Garnisonkriche Prof. Paul Nolte wurde von den Potsdamer Neuesten Nachrichten Interviewt:
Mit fragwürdigen Argumenten kommentiert er unseren offenen Brief kritisch; zugleich aber ist nun sein Blick auf die Kirchengeschichte und das Wiederaufbaukonzept weitaus kritischer als vor einem Jahr:
(2) Andreas Kilb hat den Brief in der FAZ recht kritisch kommentiert,
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/streit-um-die-potsdamer-garnisonkirche-16342973.html
die FAZ aber als Replik hierzu einen Leserbrief von mir veröffentlicht, (untenstehend, da nicht online abrufbar)
3) Mehrere relevante internationale Web-Magazine haben Artikel zu unserem Brief veröffentlicht:
https://www.theartnewspaper.com/news/artists-demand-rethink-in-rebuilding-of-potsdam-church
GESPRÄCH MIT DER STIFTUNG
Wir haben eine Einladung der Stiftung Garnisonkirche zu einem Gespräch angenommen, das Gespräch soll in den nächsten Wochen sattfinden. Auch besteht ein erster Kontakt zum Vorsitzendes des wissenschaftlichen Beirats. Seitens der Adressaten gab es bislang noch keine Reaktion, was wir auch noch nicht erwarten hatten. Wenn es wesentliche Neuigkeiten gibt, informieren wir Sie.
Herzliche Grüße
Philipp Oswalt, Gerd Bauz, Hermann Düringer.
PS: Leserbrief: Das Doppelgesicht Potsdams
FAZ 24.8.2019
Zum Artikel „Lernort Potsdam“ zum Streit über die Garnisonkirche Potsdam in der FAZ vom 20.August: Andreas Kilb meint, ein Lernort benötige eine exakte architektonische Rekonstruktion. Der kritische Diskurs über das Bauwerk bezieht sich aber nicht auf dessen Architektur, sondern den Bau als historische Stätte. Es gibt unzählige historische Lernorte, die stark verändert sind, und wo gleichwohl der frühere Zustand nicht rekonstruiert, sondern über andere Medien vermittelt wird. Das KZ Sobibor muss nicht 1:1 baulich rekonstruiert werden, um als Lernort zu fungieren. Ein Lernort Garnisonkirche und ein Friedenszentrum benötigen nicht den fotorealistischen, optisch unveränderten Nachbau des historischen Bauwerks.
Das Potsdamer Wiederaufbauprojekt hat ein Doppelgesicht: angeblich soll es Lernort sein, zugleich dient es aber als Identifikationsort. Ein Lernort - gerade an diesem Ort - bedarf einer Distanz, ein Identifikationsort der getreuen Nachbildung. Ursprünglich gab es auch seitens der Aufbaubefürworter 2005 die Absicht, außen ein sichtbares Zeichen der Differenz zu schaffen und ein Nagelkreuz auf der Kirchturmspitze vorzusehen. Auf Drängen der rechtsgerichteten Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel hat man davon aber wieder Abstand genommen und sich für den Nachbau der Wetterfahne mit Korne, Adler und Monogramm entschieden.
Was die Widmungen der Glocken beim nachgebauten Glockenspiel betrifft, enthält Herr Kilb einige wichtige Informationen vor: Diese Widmungen gab es nicht bei der historischen Kirche, sondern es sind Inschriften, welche die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel - geleitet vom rechtsradikalen Ex-Bundeswehroffizier Max Klaar - bei dessen Nachbau hinzugefügt hat. Die schrittweise Einweihung des Nachbaus ab 1984 wurde von revisionistischen, militaristischen und antidemokratischen Reden begleitet. Dies ist der Geist, in dem das Glockenspiel erneut entstand.
Was Kilb verschweigt, ist, dass zu diesen Inschriften auch der Kyffhäuserbund und der Verband deutscher Soldaten gehören. Die Inschrift „Kein Unglück Ewigk“ steht nicht allein, sondern als Zusatz zu den „schlesischen Truppen“ (die es so nie gegeben hat). Und die neue Bedeutung des Spruchs „suum cuique“ (Jedem das Seine) von einem Rechtsradikalen angebracht an einem Ort, wo der Tag von Potsdam stattgefunden hat, lässt sich nicht auf das Motto des königlichen Schwarzen Adlerordens eingrenzen.
Auch hat Walter Ulbrich den Abriss der Kirche nicht angewiesen, wie Kilb behauptet, aber Matthias Grünzig in seinem 2017 erschienen Buch „Für Deutschtum und Vaterland: Die Potsdamer Garnisonkirche im 20. Jahrhundert“ anhand seiner Aktenstudien widerlegt hat. Auch ging aus der Kirche nicht der Widerstand des 20. Juli hervor, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Linda von Keyserlingk in einem Aufsatz 2013 nachwies - eine in diesem Zusammenhang sicherlich ideologisch unbedenkliche Quelle.
Wenn Herr Kilb bemerkt hätte, dass nicht nur Künstler und Kuratoren, sondern auch führende Historiker wie die Leiterin der Fritz-Bauer-Instituts Frankfurt und die Leiterinnen des Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin den Brief unterschrieben haben, dann hätte er vielleicht einräumen müssen, dass es doch einfach zu schlicht ist, den Unterzeichnern des Briefes vorzuwerfen, die facettenreiche Geschichte des Ortes würde die Unterzeichner überfordern und wäre für sie zu komplex.
Philipp Oswalt, Berlin