Actualización de la peticiónTelematikinfrastruktur - der staatlich genehmigte Austausch von Patientendaten im NetzTelematikschrott: 130000 Konnektoren müssen raus aus den Praxen!
Oliver ReichAlemania
17 mar 2022

Gematik nennt erstmals Zahlen

130.000 Konnektoren müssen raus aus den Praxen
Vertragsarztpraxen, die an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, müssen schon bald ihre Konnektoren austauschen. 130.000 Geräte sind nach änd-Informationen betroffen. Doch wer bezahlt den Spaß? Mit Spannung blicken die betroffenen Praxisinhaber nun auf die Verhandlungen zwischen KBV und Krankenkassen.  
Auch die Konnektoren des Herstellers Secunet sind von der Austausch-Aktion in diesem und im nächsten Jahr betroffen.©Secunet
Schon vor zwei Wochen ließ Thomas Kriedel die Bombe platzen. In seiner Rede vor der Vertreterversammlung informierte der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Delegierten aus den Kassenärztlichen Vereinigungen über einen Gesellschafterbeschluss der Gematik: Den Praxen der Vertragsärzte steht ein Austausch der TI-Konnektoren bevor.

Grund sei die verspätete Einführung der TI 2.0, die die Konnektoren überflüssig machen soll. Das TI-Update soll nämlich frühestens in zwei bis drei Jahren starten. Da aber für die ersten Konnektoren im Laufe dieses Jahres die fünfjährige Nutzungszeit abläuft, bleibe faktisch nur die Möglichkeit, die Hardware durch Hardware auszutauschen, also Konnektoren gegen Konnektoren. „Eine gigantische Menge an Elektroschrott; und leider wohl auch technischer Stillstand“, kritisierte Kriedel Anfang März vor den Delegierten der KBV-VV.

In dieser Woche erregte das Thema noch einmal größere Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Ein Mitarbeiter der KV Nordrhein twitterte, was schon seit zwei Wochen bekannt war: Die alten Konnektoren in den Praxen der Vertragsärzte müssen raus. Die ursprünglich angedachte Verlängerung der Zertifikate als eine Art Übergangslösung war gescheitert.

„Es war ein einstimmiger Beschluss aller Gematik-Gesellschafter“

Mittlerweile hat auch die Gematik den Vorgang offiziell bestätigt: Um den Betrieb der Telematikinfrastruktur auch beim Übergang zur TI 2.0 abzusichern und „aufwändige Zwischenlösungen“ zu vermeiden, habe sich „in der Abstimmung aller Beteiligten ein Hardwaretausch als insgesamt sicherste Lösung herausgestellt“.

Die Gründe für dieses Vorgehen lägen dabei nicht beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beziehungsweise der IT-Sicherheit, betont die Gematik. Mit dem Austausch der Geräte könne man den Anschluss an die TI bis zur vollständigen Implementierung der TI 2.0 gewährleisten. Es handele sich bei dieser Entscheidung um „einen einstimmigen Beschluss aller Gesellschafter“, schreibt die Gematik auf änd-Anfrage.

Was wiederum die Frage aufwirft, warum KBV-Vorstand Kriedel den anstehenden Austausch so harsch kritisiert. Schließlich gehört die KBV auch zum Gesellschafterkreis der Gematik.

Betroffen von der Austausch-Aktion sind nach Gematik-Angaben in diesem und im nächsten Jahr Arztpraxen, die in den Jahren 2017 und 2018 Konnektoren gekauft haben. Betroffen seien die Geräte aller drei Hersteller. „Wir rechnen mit einer Gesamtmenge von 130.000 Konnektoren, die zu tauschen sind“, so eine Gematik-Sprecherin. 2022 seien es 15.150, im Jahr 2023 insgesamt 58.083 und im Jahr 2024 insgesamt 54.914 Zertifikate.

Wer bezahlt das alles?

Ziel sei es, dass nach 2024 keine Geräte mehr getauscht werden müssen, sondern die angeschlossenen Praxen dann in die TI 2.0 zu migrieren.

Die entscheidenden Fragen für die betroffenen Praxen aber lauten nun: Was kostet der Spaß? Und wer bezahlt das alles?

Legt man die bisherigen Kosten für die Konnektoren zugrunde, dürfte sich der finanzielle Aufwand für einen komplettem Austausch der Geräte auf einen dreistelliger Millionen-Euro-Betrag summieren. Dazu kommt der zum Teil nicht unerhebliche Aufwand in den Arztpraxen – etwa durch die Installation der Konnektoren vor Ort oder den möglichen Ausfall von Sprechstunden durch den Gerätewechsel.

Die Krankenkassen, vertreten durch den GKV-Spitzenverband, wollen sich bislang jedenfalls nicht die Karten schauen lassen: „Die Finanzierungsverhandlungen stehen noch aus und werden demnächst geplant. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir dazu keine weiteren Details nennen können“, lässt eine Sprecherin lediglich wissen.

KBV erwartet von den Kassen „vollumfängliche Finanzierung“

In der KBV hat man klare Vorstellungen: „Der Austausch der Hardware-Konnektoren in den Praxen wird deutlich zu Buche schlagen“, so Vorstand Kriedel. Man erwarte von den Kassen „eine vollumfängliche Finanzierung“. Trotz aller demonstrativen Entschlossenheit der KBV-Führung – einfach dürften die Verhandlungen für die KBV-Spitze nicht werden.

Zur Erinnerung: Aktuell läuft noch ein Schiedsverfahren zwischen KBV und Kassen zur Finanzierung der TI-Kosten: Die KBV erwartet hier „eine klare Aussage dazu, dass auch Ersatzbedarf zu finanzieren ist, wie im Übrigen bei technischen Defekten“. Kriedel: „Wenn inhaltlich im Gesetz steht, die Betriebskosten sind abgedeckt, dann gehört für mich als Ökonom dazu, dass das auch Abschreibungen umfasst.“

Das habe der Vorstand mit seinem Schiedsamtsantrag eingebracht; zusammen mit einer Korrektur der bisherigen Unterdeckung der TI-Kosten. Diese hatte die Vertreterversammlung bereits im Dezember in einem Beschluss moniert. „Dass wir dies in die Verhandlungen eingebracht haben, habe auch zum Scheitern der Gespräche mit den Kassen geführt, verriet Kriedel. Deshalb habe man das Schiedsamt anrufen müssen. Der Termin steht Ende März an.

Sobald die Finanzierung geklärt ist, rät die KBV Vertragsärzten, sich mit ihrem IT-Dienstleister in Verbindung zu setzen. Dieser könne dabei behilflich sein, das Ablaufdatum auszulesen, das im Konnektor hinterlegt ist.
17.03.2022, 13:24, Autor: mm

Quelle: https://www.aend.de/article/217264

 

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