Petition updateGedenken an die Opfer der Hexenverfolgung: Für eine Katharina-Hanen-Straße in HamburgEine Halbzeitbilanz

Jan VahlenkampHamburg, Germany

Aug 1, 2016
Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,
als im Mai dieses Jahres vor dem Landgericht Hagen zwei junge Männer wegen siebenfachen versuchten Mordes standen, nannten sie Angst als Tatmotiv. Angst vor Flüchtlingen, vor Gewalt, vor sexuellen Übergriffen und vor Einbrüchen. Ein Vertreter der Nebenklage erklärte zutreffend, dass wohl eher seine Mandanten Angst haben müssten und nicht die Angeklagten.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass eine irrationale Angst ebenfalls Tatmotiv durchaus erfolgreicher Mörder war. Die Angst vor Schwarzer Magie, vor Wetterzauber, vor dem Flug durch die Luft und vor dem mystifizierten Bund mit dem Teufel. Doch haben sich die Täter von damals, deren Opfer ebenfalls diejenigen waren, die wirklich Angst haben mussten, nie vor einem Gericht verantworten müssen. Umso mehr sollte der Hexenwahn der frühen Neuzeit heute aufgearbeitet werden.
„Die Entdeckung, dass Hexenverfolgungen primär von der Bevölkerung gewünscht und notfalls gegen den Willen der Obrigkeit durchgeführt worden sind, entschuldigt nicht die Anteile der Kirche, der Justiz und des Staates an den Verfolgungen, hat sie aber relativiert. Stattdessen hat die Analyse sozialer und psychischer Strukturen an Bedeutung gewonnen. Europäischer und außereuropäischer Hexenglaube erweisen sich als stärker vergleichbar als früher angenommen. Folter und Tötung von Hexen gab es auch außerhalb des christlichen Kulturkreises. Hexerei und Hexenverfolgung sind Themen, welche die ganze Menschheit betreffen.“ Wolfgang Behringer, Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Beck'sche Reihe), S. 7.
Ich habe am 30. April diesen Jahres die Petition gestartet, um an Katharina Hanen als erstes Opfer und damit stellvertretend auch an alle anderen Opfern der Hexenprozesse in Hamburg zu gedenken. Die Tageszeitung, Zeit Online, das Hamburger Abendblatt, NDR.de, die Elbmelancholie und die Hamburger Morgenpost haben mittlerweile hierüber berichtet. 254 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner zählt die Petition am heutigen Tag. Das mögen im Vergleich zu manch anderen Petitionen bei change.org wenige sein, da es hier aber um ein sehr konkretes und lokales Anliegen abseits der gängigen Empörungsindustrie handelt, finde ich die Anzahl durchaus beachtlich. Ein besonderer Dank gilt auch noch einmal Hartmut Hegeler aus Unna, der die Erkenntnisse zur Hamburger Hexenverfolgung bei Wikipedia zusammen getragen hat (http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung_in_Hamburg). Außerdem setzt er sich bei den Hamburger Kirchenkreisen für einen Gedenkgottesdienst zum Erinnern an die Opfer der Hexenverfolgung ein.
Bis zum 31. Oktober diesen Jahres werde ich jetzt weiterhin digitale Signaturen einsammeln. Dann werde ich das Anliegen, eine neuangelegte Straße nach Katharina Hanen zu benennen, den sieben Hamburger Bezirksämtern übermitteln. Falls die Forderung dort auf wache Ohren stößt, wird sich dann ein Regionalausschuss mit dem Thema befassen, je nachdem dort, wo gerade neue Verkehrsflächen entstehen. Sollte auch dieser Ausschuss das Anliegen bejahen, wird der Name dann vom Hamburger Staatsarchiv auf Benennungswürdigkeit geprüft und dann ggf. der Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen zur Abstimmung vorgelegt.
Es sind jetzt also noch gut drei Monate, in denen weiterhin kräftig Unterschriften gesammelt werden dürfen. Sagt es also nochmal schnell allen Freunden, Bekannten und Verwandten: Das erste Opfer des Hexenwahns in Hamburg darf nicht in Vergessenheit geraten! Erinnern wir an das Unrecht der Vergangenheit als Mahnung für die Zukunft.
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